Wien, 24. Juni 2025 – Die österreichische Landwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Eine neue Studie von Südwind und der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar zeigt, dass eine Umstellung auf Agrarökologie und biologische Landwirtschaft nicht nur möglich, sondern dringend notwendig ist. Die Veröffentlichung dieser Analyse könnte der Startschuss für eine landwirtschaftliche Revolution sein, die sowohl die Umwelt als auch die Gesellschaft nachhaltig verändern wird.

Die Krise der Ernährungssysteme

Weltweit hungern 733 Millionen Menschen, und mehr als 2,8 Milliarden können sich keine gesunde Ernährung leisten. In Österreich sind über eine Million Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen. Diese alarmierenden Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit eines Wandels. Die Studie legt dar, dass das aktuelle Ernährungssystem nicht nur die Klimakrise verschärft, sondern auch zum Verlust der biologischen Vielfalt und zur sozialen Ungleichheit beiträgt.

Ein Blick auf die Agrarökologie

Agrarökologie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte der Landwirtschaft integriert. Im Gegensatz zu konventionellen Methoden setzt Agrarökologie auf natürliche Prozesse, um die Böden fruchtbar zu halten, Schädlinge zu kontrollieren und Erträge zu maximieren. Dieser Ansatz fördert nicht nur die biologische Vielfalt, sondern reduziert auch den Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden.

Biologische Landwirtschaft als Lösung

Die Studie zeigt, dass eine vollständige Umstellung auf biologische Landwirtschaft in Österreich machbar ist. Voraussetzung dafür ist entweder eine Reduktion des Fleischkonsums um 10 Prozent oder eine Verringerung der Lebensmittelverschwendung um 25 Prozent. Diese Maßnahmen würden nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch die Ernährungssicherheit erhöhen.

Fleischkonsum und Lebensmittelverschwendung: Die entscheidenden Hebel

Der hohe Fleischkonsum in Österreich trägt erheblich zu den Umweltproblemen bei. Die Studie schlägt vor, den Fleischkonsum um 20 Prozent zu senken, um die umweltschädlichen Sojaimporte für Futtermittel zu reduzieren. Diese Importe stammen oft aus artenreichen Regionen in Brasilien und Argentinien, deren Abholzung zur Futtermittelproduktion beiträgt. Eine Reduktion dieser Importe würde nicht nur Regenwälder schützen, sondern auch die Abhängigkeit von volatilen Weltmärkten verringern.

Ein Blick in die Zukunft: Ernährung im Jahr 2050

Im Jahr 2050 könnten durch agrarökologisch-biologischen Anbau etwa 530 Millionen Menschen in der EU und Großbritannien ernährt werden. Diese Prognose unterstreicht das Potenzial der Agrarökologie als nachhaltige Lösung für die globale Ernährungsunsicherheit.

Ein Experte für Ernährungssicherheit kommentiert: „Wenn wir die Weichen jetzt richtig stellen, können wir nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch die Lebensqualität künftiger Generationen sichern.“

Die Rolle der Politik: Ein notwendiger Wandel

Die Studie fordert eine entschlossene politische Wende, um nachhaltige Ernährungssysteme zu fördern. Die Bundesregierung muss konkrete Rahmenbedingungen schaffen, um diesen Wandel zu unterstützen. Dazu gehört eine sozial-ökologische öffentliche Beschaffung, insbesondere in Schulen, Krankenhäusern und öffentlichen Kantinen. Ein ambitioniertes Lieferkettengesetz könnte dazu beitragen, Umweltstandards, Menschenrechte und Transparenz entlang globaler Wertschöpfungsketten zu sichern.

Eine Ernährungsexpertin von Südwind betont: „Ohne politisches Umdenken werden wir die notwendigen Veränderungen nicht erreichen. Es liegt an der Regierung, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Österreichs Vorreiterrolle

Österreich hat bereits einen starken Bio-Sektor und könnte auf internationaler Ebene Impulse für eine gerechtere und nachhaltigere Landwirtschaft setzen. Eine Expertin für Agrarökologie erklärt: „Österreich kann eine Vorreiterrolle einnehmen und zeigen, dass eine nachhaltige und gerechte Landwirtschaft möglich ist.“

Die Auswirkungen auf den Alltag der Bürger

Für die Bürger würde eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft bedeuten, dass mehr lokale und saisonale Produkte verfügbar wären. Dies könnte nicht nur die Gesundheit verbessern, sondern auch die lokale Wirtschaft stärken. Durch die Reduktion von Lebensmittelverschwendung könnten Haushalte zudem Geld sparen.

Ein Nachhaltigkeitsexperte fügt hinzu: „Jeder Einzelne kann durch bewussteren Konsum einen Beitrag leisten. Weniger Fleischkonsum und weniger Verschwendung sind Schritte, die wir alle gehen können.“

Ein globaler Vergleich: Was andere Länder tun

Andere Länder haben bereits Schritte in Richtung nachhaltiger Landwirtschaft unternommen. In Dänemark beispielsweise gibt es staatliche Programme zur Förderung von Bio-Landwirtschaft, und in den Niederlanden wird verstärkt in Agrartechnologie investiert, um die Nachhaltigkeit zu erhöhen. Diese Beispiele zeigen, dass der Wandel möglich ist und dass Österreich von den Erfahrungen anderer Länder lernen kann.

Fazit: Ein Aufruf zum Handeln

Die Veröffentlichung dieser Studie ist ein Weckruf für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist Zeit, die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen. Die Agrarökologie bietet einen Weg, der sowohl ökologisch als auch sozial gerecht ist. Jetzt liegt es an uns, diesen Weg zu gehen und die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern.

Weitere Informationen zur Studie und Downloadmöglichkeiten finden Sie auf der Website von Südwind unter diesem Link.