Wien (OTS) – „Es müssen mehr Anstrengungen bezüglich Investitionen in
Qualifizierung und für die Beschäftigung von Arbeitsuchenden
unternommen werden“, appelliert Roman Hebenstreit, Vorsitzender der
Gewerkschaft vida, angesichts der erneut gestiegenen Arbeitslosigkeit
auf fast 435.000 Personen an die Bundesregierung. „In erster Linie
müssen die Menschen, die sich schon in Österreich befinden durch
aktive Arbeitsmarktpolitik eine Chance am Jobmarkt bekommen“, fordert
Hebenstreit einen Stopp des Arbeitskräfteimports aus Drittstaaten in
Billigentlohnersektoren mittels Rot-Weiß-Rot-Karte und der
überüppigen Ausweitung der Mangelberufslisten. Dass laut WIFO-
Prognose die Arbeitslosigkeit 2026 um 4.000 Personen schrumpfen soll,
sei „nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der dringend mit aktiver
Arbeitsmarktpolitik in einen Strom umgewandelt werden muss“, betont
der vida-Gewerkschafter.

Auf der Mangelberufsliste befinden sich zahlreiche Berufe aus den
Bereichen Gesundheit und Soziales sowie im Verkehrssektor und im
Tourismus. „Ein Blick auf die aktuellen AMS-Daten zeigt, dass gerade
in diesen Sektoren die Arbeitslosigkeit aber weiter gestiegen ist.
Anders ausgedrückt, die Mangelberufsliste ist jetzt schon überholt“,
so Hebenstreit weiter. Auf „Profil-Online“ werde heute zudem das AMS
zitiert, dass die Vermittlung von Arbeitsuchenden etwa im Tourismus
durch das erhöhte Saisonier-Kontingent deutlich erschwert werde, da
die Betriebe mehr Alternativen hätten, sieht sich der vida-
Vorsitzende in seiner Kritik bestätigt.

Auch mit Lohnerhöhungen teils unter der Inflationsrate, die
nichts anderes als Lohndrückerei anstelle einer Kaufkraftstärkung und
aktiver Arbeitsmarktpolitik seien, werde man den Arbeitskräftemangel
insbesondere in Niedrigentlohnerbranchen nicht in den Griff bekommen.
Angesichts dieses „Preisverfalls der Arbeit“ könne man nicht von
Arbeitskräftemangel, sondern müsse vielmehr von einem fehlenden
Willen, faire Löhne zahlen zu wollen, sprechen, sagt Hebenstreit. In
den letzten 20 Jahren seien die Löhne in Österreich im Vergleich zu
den meisten europäischen Ländern nur moderat gestiegen, wobei die
Einkommen stärker bei Spitzenverdienern wuchsen als in unteren
Einkommensschichten.

Die vida fordert daher eine 180-Grad-Wende in der
Arbeitsmarktpolitik. Branchen, die sich weigern, die Löhne ihrer
Beschäftigten über der Inflation anzuheben, müssten von der
Mangelberufsliste gestrichen werden. „Wir können nicht zulassen, dass
Millionen an Steuergeldern für die Anwerbung ausländischer
Arbeitskräfte verschleudert werden, während in Österreich selbst das
Lohnniveau in den Keller fällt und die Arbeitslosigkeit unvermindert
weiter steigt“, betont Hebenstreit. Die Mangelberufsliste, die
eigentlich Knappheit abbilden sollte, verkomme so zur
Subventionsliste für Lohndumping, ergänzt der vida-Vorsitzende.

Die vida fordert daher eine zukunftsorientierte
Arbeitsmarktpolitik unter Berücksichtigung folgender Punkte:

Mangelberufsliste neu denken: Streichung jener Berufsgruppen von
der Mangelberufsliste, in deren Branchen Kollektivverträge unter der
Inflation abgeschlossen werden.

Kaufkraft sichern: Löhne müssen künftig in jedem Fall über der
Inflation liegen, um Branchen für heimische und europäische
Arbeitskräfte wieder zu attraktivieren und um das Sozial- und
Pensionssystem weiter abzusichern.

Fokus auf Ausbildung: Auf Investitionen in die Qualifizierung der
heimischen Arbeitskräfte, statt auf Lohndumping durch
Arbeitsmigration setzen!