Wien/Vösendorf (OTS) – Die Tierschutzorganisation Tierschutz Austria
warnt nochmal
eindringlich vor dem geplanten EU-Mercosur-Abkommen . Das Abkommen
wird das Bauernsterben in Österreich weiter verschärfen, Tierleid
importieren, Umweltzerstörung vorantreiben und zusätzliche Risiken
für die menschliche Gesundheit schaffen.
Allein zwischen 2020 und 2023 haben in Österreich 9.745
landwirtschaftliche Betriebe geschlossen – ein Rückgang von 8,8
Prozent in nur drei Jahren. Seit 1990 hat sich die Zahl der Höfe mehr
als halbiert. Das EU-Mercosur-Abkommen wird diesen Trend
beschleunigen.
„ Ernährung zu globalisieren führt zwangsläufig zu einer weiteren
Verschärfung des Bauernsterbens “, sagt Martin Aschauer , Sprecher
von Tierschutz Austria. „Wer Lebensmittelproduktion dem globalen
Preisdruck ausliefert, zerstört regionale Landwirtschaft, macht
Bäuer:innen abhängig und gefährdet langfristig unsere
Versorgungssicherheit – und unsere Gesundheit.“
Zwtl.: Tierleid, Gesundheitsrisiken und unfairer Wettbewerb
Das Abkommen sieht vor, große Mengen an Fleisch-, Futtermittel-
und Agrarprodukten aus den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien,
Paraguay und Uruguay weitgehend zollfrei in die EU zu importieren.
Diese Produkte stammen vielfach aus Produktionssystemen, die in der
EU aus gutem Grund verboten sind: Massentierhaltung, der Einsatz von
Wachstumshormonen, gentechnisch verändertes Futter und Saatgut,
verbotene Pestizide sowie niedrigere Tierwohl-, Umwelt- und
Sozialstandards.
„Damit werden nicht nur Tierleid und Umweltzerstörung importiert,
sondern auch gesundheitliche Risiken für Konsument:innen“, betont
Aschauer. Rückstände von Pestiziden, hormonelle Substanzen und
problematische Futtermittel hätten langfristige Auswirkungen auf die
öffentliche Gesundheit. Gleichzeitig geraten heimische Betriebe, die
hohe Standards einhalten, massiv unter Druck.
Zwtl.: Umwelt- und Klimaschäden sind Teil des Problems
Für die Ausweitung der Agrarproduktion in den Mercosur-Staaten
werden bereits heute großflächig Wälder wie der Amazonas-Regenwald
und der Gran Chaco zerstört. Diese Abholzung verschärft die
Klimakrise und vernichtet wertvolle Lebensräume. Die im Abkommen
vorgesehenen Nachhaltigkeitsklauseln sind aus Sicht von Tierschutz
Austria nicht geeignet, diese Schäden wirksam zu verhindern.
Zwtl.: Politischer Zeitdruck statt Verantwortung
Kritisch sieht Tierschutz Austria auch das politische Vorgehen
auf EU-Ebene. Während die formale Unterzeichnung des Abkommens durch
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erfolgen soll, wird im
Vorfeld mit großem Zeitdruck an Mehrheiten im Rat der Mitgliedstaaten
gearbeitet. Die Tragweite der Entscheidung steht dabei in keinem
Verhältnis zur öffentlichen Debatte.
„Ein Abkommen, das Landwirtschaft, Ernährung, Gesundheit und
Umwelt in Europa dauerhaft verändert, darf nicht im Eiltempo
beschlossen werden“, so Aschauer.
Zwtl.: Geldzahlungen ersetzen keine nachhaltige Landwirtschaft
Finanzielle Zugeständnisse der EU-Kommission an die
Landwirtschaft lösen die strukturellen Probleme nicht. Kurzfristige
Ausgleichszahlungen können den Preisdruck nicht kompensieren und
verstärken die Abhängigkeit bäuerlicher Betriebe. „Das Bauernsterben
wird nicht verhindert, sondern lediglich verschoben – und am Ende
noch beschleunigt“, warnt Tierschutz Austria.
Zwtl.: Österreich muss Haltung zeigen
Österreich wird im EU-Rat durch Landwirtschaftsminister Norbert
Totschnig vertreten. Ein Nationalratsbeschluss aus dem Jahr 2019
verpflichtet die Bundesregierung klar, dem EU-Mercosur-Abkommen nicht
zuzustimmen.
Tierschutz Austria fordert die Bundesregierung auf, diesen
Beschluss einzuhalten und das Abkommen abzulehnen. Die Organisation
unterstützt eine Petition gegen den Deal.
„ Es geht nicht um Abschottung, sondern um Verantwortung “, sagt
Aschauer. „Für Tiere, für bäuerliche Betriebe, für Umwelt, für
gesunde Lebensmittel – und für die Menschen in Österreich.“