Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht vor einer entscheidenden Konferenz, die die Zukunft der globalen Tabakkontrollpolitik maßgeblich beeinflussen könnte. Vom 17. bis 22. November 2025 findet in Genf die 11. Vertragsstaatenkonferenz (COP11) zum Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakkonsums (FCTC) statt. Im Zentrum der Diskussion steht die Schadensminderung, ein Ansatz, der von der Independent European Vape Alliance (IEVA) vehement unterstützt wird.
Was bedeutet Schadensminderung?
Schadensminderung, oder Harm Reduction, ist ein Konzept, das darauf abzielt, die gesundheitlichen Schäden von riskanten Verhaltensweisen zu minimieren, ohne diese Verhaltensweisen vollständig zu eliminieren. Im Kontext des Rauchens bedeutet dies, dass Alternativen wie E-Zigaretten gefördert werden, die weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten sind. E-Zigaretten verdampfen eine Flüssigkeit, die in der Regel Nikotin enthält, ohne die schädlichen Verbrennungsprodukte, die beim Rauchen von Tabak entstehen.
Die aktuelle Situation in Europa
Während die WHO weltweit einen Rückgang der Raucherzahlen verzeichnet, stagniert diese Entwicklung in der Europäischen Union. In Deutschland, dem bevölkerungsreichsten EU-Land, ist die Raucherquote in den letzten zehn Jahren sogar gestiegen und liegt heute bei 34,1 %, verglichen mit einem EU-Durchschnitt von rund 24 %. Im Gegensatz dazu hat das Vereinigte Königreich dank einer staatlichen Strategie zur Förderung des Umstiegs auf E-Zigaretten eine Raucherquote von nur noch 12 %.
Warum ist das Vereinigte Königreich erfolgreicher?
Das Vereinigte Königreich hat früh auf die Förderung von E-Zigaretten als weniger schädliche Alternative gesetzt. Diese Strategie hat sich als effektiv erwiesen, da viele Raucher auf das Dampfen umgestiegen sind, was zu einem signifikanten Rückgang der Raucherquote geführt hat. Der Erfolg dieser Strategie zeigt, dass eine Politik der Schadensminderung funktionieren kann, wenn sie richtig umgesetzt wird.
Die Rolle der E-Zigaretten
E-Zigaretten sind ein umstrittenes Thema. Befürworter argumentieren, dass sie eine effektive Methode zur Rauchentwöhnung sind, während Kritiker die Langzeitwirkungen auf die Gesundheit und die Gefahr der Anziehung von Jugendlichen anführen. In Deutschland dampfen lediglich 1,5 % der Jugendlichen, was viermal weniger ist als die Anzahl der jugendlichen Raucher.
Jugendschutz bleibt wichtig
Ein zentrales Anliegen bleibt der Schutz der Jugend. Kein Jugendlicher sollte rauchen oder dampfen. Doch für erwachsene Raucher müssen attraktive Alternativen verfügbar sein, um einen echten Rückgang der Raucherquoten zu ermöglichen.
Empfehlungen der IEVA
- Schadensminderung anerkennen: Die WHO sollte klarstellen, dass E-Zigaretten bei verantwortungsvoller Regulierung deutlich weniger schädlich als Rauchen sind.
- Wissenschaftsbasierte Kommunikation: Die Debatten auf der COP11 sollten unabhängige wissenschaftliche Stimmen einbeziehen.
- Verhältnismäßige Regulierung: Gesetzgeber sollten Rahmenbedingungen schaffen, die Jugendliche schützen, aber erwachsenen Rauchern den Zugang zu Alternativen erhalten.
- Aromen als Schlüssel: Aromen spielen eine entscheidende Rolle beim erfolgreichen Umstieg erwachsener Raucher.
- Nationale Strategien unterstützen: Die Mitgliedsstaaten sollten ermutigt werden, Schadensminderung als festen Bestandteil ihrer Gesundheitspolitik zu integrieren.
Wissenschaftliche Evidenz
Zahlreiche Studien unterstützen die Forderungen der IEVA. Ein Cochrane Review aus dem Jahr 2025 zeigt, dass E-Zigaretten wirksamer bei der Rauchentwöhnung sind als herkömmliche Nikotinersatztherapien. Das UK Office for Health Improvement and Disparities bestätigt, dass Dampfen deutlich weniger schädlich als Rauchen ist. Studien zur Rolle von Aromen belegen, dass Vielfalt entscheidend für den erfolgreichen Umstieg ist.
Ein Blick in die Zukunft
Die COP11 könnte ein Wendepunkt in der globalen Tabakkontrollpolitik sein. Wenn die WHO und ihre Mitgliedsstaaten die Bedeutung der Schadensminderung anerkennen, könnte dies zu einem signifikanten Rückgang der Raucherquoten führen. Experten warnen jedoch, dass ein Ignorieren dieser Ansätze zu einer Stagnation oder gar einem Anstieg der Raucherzahlen führen könnte.
Die Zukunft der Tabakkontrolle hängt davon ab, ob es gelingt, Ideologie durch Fakten zu ersetzen und sich auf Ergebnisse zu konzentrieren. Eine rauchfreie Zukunft ist nur erreichbar, wenn Schadensminderung und Aromenvielfalt als zentrale Säulen der Tabakkontrolle anerkannt werden.
Die Welt schaut gespannt auf die COP11 in Genf. Wird die WHO die Zeichen der Zeit erkennen und die Schadensminderung in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen? Die Antwort auf diese Frage könnte das Schicksal von Millionen Rauchern weltweit beeinflussen.