In einer alarmierenden Mitteilung hat der WWF Österreich am 27. Oktober 2025 die Öffentlichkeit auf die massiven Folgen des ungebremsten Wachstums von Gewerbeparks hingewiesen, das durch den Bau neuer Autobahnen begünstigt wird. Die Organisation warnt vor einem bedrohlichen Trend, der nicht nur die
In einer alarmierenden Mitteilung hat der WWF Österreich am 27. Oktober 2025 die Öffentlichkeit auf die massiven Folgen des ungebremsten Wachstums von Gewerbeparks hingewiesen, das durch den Bau neuer Autobahnen begünstigt wird. Die Organisation warnt vor einem bedrohlichen Trend, der nicht nur die Umwelt, sondern auch die Lebensqualität der Bürger nachhaltig beeinträchtigen könnte.
In den letzten zehn Jahren wurden in Österreich täglich rund vier Hektar Boden für Gewerbeflächen verbraucht. Diese erschreckende Zahl basiert auf einer aktuellen Berechnung des WWF, die auf Daten des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen (BEV) beruht. Gewerbeflächen sind damit einer der Haupttreiber des Bodenverbrauchs, der insgesamt mit rund elf Hektar pro Tag weit über dem politischen Ziel liegt.
Gewerbeflächen sind für die Wirtschaft wichtig, da sie Platz für Unternehmen bieten, die Arbeitsplätze schaffen und zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Allerdings geht die Errichtung solcher Flächen oft mit einer Versiegelung des Bodens einher. Versiegelung bedeutet, dass der Boden mit einer wasser- und luftundurchlässigen Schicht überzogen wird, was das natürliche Wassermanagement stört und die lokale Flora und Fauna beeinträchtigt.
Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg der Gewerbeflächen ist der Bau neuer Straßen. Diese wirken oft wie ein Magnet für neue Gewerbeparks. Besonders die geplante Lobau-Autobahn steht im Fokus der Kritik. Der WWF warnt, dass durch den Ausbau von Straßen weit mehr Böden verloren gehen als ursprünglich angenommen.
Die Lobau-Autobahn, die eine Verbindung zwischen der Wiener Außenring Schnellstraße (S1) und dem Marchfeld schaffen soll, ist ein umstrittenes Projekt. Seit dem Bau der S1 im Jahr 2009 ist das Betriebsgebiet in der Nähe von Gerasdorf bei Wien um mehr als 100 Hektar gewachsen. Eine ähnliche Entwicklung droht nun bei der Erweiterung durch die Lobau und das Marchfeld.
Der geplante Ausbau umfasst nicht nur einen Tunnel durch die Lobau, sondern auch eine elf Kilometer lange oberirdische Strecke, die fruchtbare Ackerflächen und Lebensräume zerschneiden würde. Rund 130 Hektar Boden könnten dadurch verloren gehen.
Angesichts dieser Entwicklungen fordert der WWF einen echten Kurswechsel in der Raumordnungspolitik. Anstatt durch Projekte wie die Lobau-Autobahn weitere Bodenversiegelung und klimaschädlichen Verkehr voranzutreiben, müsse die Bundesregierung dafür sorgen, dass bereits verbaute Gewerbeflächen besser genutzt werden. Der Fokus sollte auf einer flächensparenden Entwicklung liegen, die sich an bestehenden Betriebsflächen und Verkehrsachsen orientiert.
Historisch gesehen haben große Infrastrukturprojekte oft zu einem Anstieg der Bodenversiegelung geführt. In den 1970er und 1980er Jahren beispielsweise wurden viele Autobahnen in Österreich gebaut, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Diese Projekte führten zu einem Boom von Gewerbegebieten entlang der neuen Verkehrsachsen.
Ein Blick in andere Bundesländer zeigt, dass der Trend zur Bodenversiegelung kein exklusives Problem von Wien oder Niederösterreich ist. Auch in Bundesländern wie Oberösterreich und der Steiermark sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Dort wurden in den letzten Jahren ebenfalls zahlreiche Gewerbeparks entlang neuer Straßen gebaut.
Die Bodenversiegelung hat direkte Auswirkungen auf die Bürger. Sie kann zu einer Verschlechterung der Luftqualität führen, da weniger Pflanzen vorhanden sind, die CO2 aufnehmen. Zudem kann sie das Risiko von Überschwemmungen erhöhen, da der versiegelte Boden weniger Wasser aufnehmen kann.
Ein Experte für Umweltplanung erklärt: „Die Versiegelung von Böden hat weitreichende Folgen für das lokale Klima. Sie kann die Temperaturen in Städten erhöhen und die Lebensqualität der Bewohner beeinträchtigen.“
Die Zukunft der Raumplanung in Österreich steht an einem Scheideweg. Der WWF fordert eine nachhaltige Entwicklung, die den Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht wird, ohne die Umwelt zu zerstören. Dies erfordert innovative Ansätze und eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Umweltorganisationen.
Die Raumordnungspolitik in Österreich ist komplex und von zahlreichen politischen Interessen geprägt. Einerseits gibt es den Druck, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen. Andererseits müssen Umweltaspekte berücksichtigt werden, um die Lebensqualität der Bürger zu erhalten.
Ein politischer Analyst kommentiert: „Die Herausforderung besteht darin, einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutz zu finden. Dies erfordert mutige Entscheidungen und eine klare Vision für die Zukunft.“
Die Warnung des WWF sollte als Weckruf verstanden werden. Es ist an der Zeit, die Raumordnungspolitik in Österreich zu überdenken und neue Wege zu beschreiten. Nur so kann sichergestellt werden, dass sowohl die wirtschaftlichen als auch die ökologischen Bedürfnisse des Landes langfristig erfüllt werden.
Weitere Informationen und die vollständige Analyse des WWF finden Sie auf der offiziellen Website des WWF Österreich.