Die jüngste Pressemitteilung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) vom 10. Oktober 2025 zeigt ein gemischtes Bild der Geschäftsentwicklung im österreichischen Gewerbe und Handwerk. Während es Anzeichen für eine Erholung gibt, bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen zurück. Die Zahlen verdeutlich
Die jüngste Pressemitteilung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) vom 10. Oktober 2025 zeigt ein gemischtes Bild der Geschäftsentwicklung im österreichischen Gewerbe und Handwerk. Während es Anzeichen für eine Erholung gibt, bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen zurück. Die Zahlen verdeutlichen, dass die Richtung stimmt, aber das Tempo der Erholung noch nicht ausreicht.
Im ersten Halbjahr 2025 hat sich der Rückgang bei den Auftragseingängen und Umsätzen auf nominal -1,6 Prozent abgeschwächt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag das Minus noch bei -3,8 Prozent. Diese Entwicklung ist zwar ein positives Signal, aber unter Berücksichtigung der Preisentwicklung bleibt ein reales Minus von -3,9 Prozent. Die Preisentwicklung im Gewerbe und Handwerk mit +2,3 Prozent wirkt inflationsdämpfend, da der Verbraucherpreisindex (VPI) im selben Zeitraum um +3,2 Prozent gestiegen ist.
Historisch gesehen, ist das Gewerbe und Handwerk in Österreich ein wichtiger Wirtschaftszweig. Bereits in der Monarchiezeit war es von großer Bedeutung und hat sich durch die Jahrhunderte als stabiler Pfeiler der österreichischen Wirtschaft etabliert. Doch wie in vielen anderen Ländern auch, ist dieser Sektor anfällig für wirtschaftliche Schwankungen und externe Einflüsse wie globale Märkte und politische Entscheidungen.
Die Analyse von KMU Forschung Austria zeigt, dass alle Branchen mengenmäßige Rückgänge verzeichneten, mit Ausnahme der Erzeugung kunstgewerblicher Gegenstände, die real um +0,9 Prozent zulegte. Diese Ausnahme könnte auf eine steigende Nachfrage nach kunsthandwerklichen Produkten zurückzuführen sein, die in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit als wertbeständige Investition gelten.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern zeigt sich, dass Wien und Niederösterreich, als wirtschaftliche Zentren, tendenziell stärker von den konjunkturellen Schwankungen betroffen sind. In ländlicheren Regionen wie der Steiermark oder Tirol, wo traditionell Handwerksbetriebe eine stärkere lokale Verankerung haben, sind die Auswirkungen oft weniger stark ausgeprägt.
Ein Branchenexperte kommentiert: "Die Erholung des Gewerbes und Handwerks ist ein Marathon, kein Sprint. Wir sehen positive Tendenzen, aber die Herausforderungen sind noch lange nicht überwunden. Die Betriebe müssen von bürokratischen Hürden befreit werden, um sich voll entfalten zu können."
Für den Durchschnittsbürger bedeutet die langsame Erholung, dass die Preise für handwerkliche Dienstleistungen stabil bleiben könnten, was in Zeiten hoher Inflation eine gewisse Entlastung darstellt. Gleichzeitig könnten jedoch Investitionen in größere Projekte oder Renovierungen zurückgestellt werden, da die Unsicherheit über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen bestehen bleibt.
Die WKÖ hofft auf eine stärkere Bauleistung im nächsten Jahr, die auch nachgelagerte Branchen mitziehen könnte. Dies würde nicht nur den Bausektor, sondern auch Gewerke wie Elektriker, Installateure und Maler positiv beeinflussen. Die Planungssicherheit über künftige Förderungen wird als positiv hervorgehoben, doch ohne eine effektive Entlastung der Betriebe von Kosten und Bürokratie wird das Wachstum weiterhin gebremst bleiben.
Die wirtschaftliche Entwicklung im Gewerbe und Handwerk ist eng mit politischen Entscheidungen verknüpft. Förderprogramme und steuerliche Anreize könnten entscheidend sein, um den Sektor zu stärken. Die Regierung ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovation und Wachstum fördern.
Die Auftragsbestände in den investitionsgüternahen Branchen sind im dritten Quartal 2025 stabil geblieben. Besonders das Baugewerbe und das Bauhilfsgewerbe verzeichnen steigende Auftragsbestände. Dennoch bleibt die Stimmung verhalten, mit einem knappen negativen Überhang von -3 Prozentpunkten im Stimmungsbarometer.
Die konsumnahe Branche zeigt eine Seitwärtsbewegung, mit 14 Prozent der Betriebe, die Umsatzsteigerungen verzeichnen. Bei 63 Prozent sind diese saisonüblich, während 23 Prozent Umsatzrückgänge melden. Besonders die Berufsfotografie und die Mechatronik sind von Einbußen betroffen.
Ein Lichtblick sind die jungen Fachkräfte, die bei den EuroSkills 2025 in Dänemark hervorragende Leistungen gezeigt haben. Im November steht das nächste Highlight mit den AustrianSkills in Salzburg an, wo Österreichs Staatsmeister in 46 Berufen gekürt werden. Diese Veranstaltungen sind nicht nur ein Schaufenster für die Leistungsfähigkeit der jungen Generation, sondern auch ein wichtiger Impulsgeber für das Handwerk.
Die wirtschaftliche Lage im Gewerbe und Handwerk zeigt Licht und Schatten. Während sich erste positive Tendenzen abzeichnen, bleibt der Handlungsbedarf groß. Die politischen Entscheidungsträger sind gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern, um den Sektor nachhaltig zu stärken und die Erholung zu beschleunigen.
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