Am 28. November 2025 wurde in Wien eine kritische Phase der Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 130.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich eingeleitet. Die Gewerkschaften GPA und vida haben angekündigt, mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen,
Am 28. November 2025 wurde in Wien eine kritische Phase der Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 130.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich eingeleitet. Die Gewerkschaften GPA und vida haben angekündigt, mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, nachdem deren Angebot als unzureichend bewertet wurde. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die betroffenen Arbeitnehmer:innen, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur Österreichs.
Die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) ist ein wesentlicher Bestandteil des österreichischen Sozial- und Gesundheitssektors. Sie umfasst über 100 Berufe, die für die Versorgung in Pflege, Gesundheit und Sozialem entscheidend sind. In den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen haben die Arbeitgeber nach intensiven Sitzungen ein Angebot vorgelegt, das Gehaltserhöhungen von durchschnittlich 1,71 Prozent für KV-Gehälter und 1,3 Prozent für IST-Gehälter für das Jahr 2026 vorsieht. Für 2027 sind Erhöhungen von 1,65 Prozent geplant.
Die Gewerkschaften kritisieren dieses Angebot als unzureichend, insbesondere in Anbetracht der demografischen Herausforderungen und der steigenden Lebenshaltungskosten. Eva Scherz von der Gewerkschaft GPA betonte, dass die Finanzierung der Gehälter eine zentrale Aufgabe der Arbeitgeber sei und nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden dürfe.
Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft haben eine lange Tradition in Österreich. Seit Jahren kämpfen die Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne. Die Verhandlungen sind oft von intensiven Diskussionen geprägt, da sie die Lebensqualität vieler Menschen direkt beeinflussen. Die aktuelle Verhandlungsrunde ist ein weiterer Meilenstein in dieser Geschichte, der zeigt, wie wichtig es ist, kontinuierlich für die Rechte der Arbeitnehmer:innen einzutreten.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass ähnliche Herausforderungen auch in Deutschland und der Schweiz existieren. In Deutschland sind die Verhandlungen oft von regionalen Besonderheiten geprägt, während in der Schweiz eine dezentrale Struktur existiert, die den Verhandlungsprozess beeinflusst. Österreichs Ansatz, durch zentrale Verhandlungen für den gesamten Sektor Lösungen zu finden, zeigt sowohl Vorteile als auch Herausforderungen auf.
Die Auswirkungen der Verhandlungen sind weitreichend. Ein Beispiel ist die Pflegekraft Anna, die seit 15 Jahren in einem Wiener Pflegeheim arbeitet. Sie berichtet, dass die steigenden Lebenshaltungskosten ihre finanzielle Situation zunehmend belasten. Die vorgeschlagenen Gehaltserhöhungen reichen nicht aus, um diesen Druck zu mildern. Viele ihrer Kolleg:innen teilen diese Sorgen, was die Dringlichkeit der Verhandlungen unterstreicht.
Darüber hinaus sind 70 Prozent der Beschäftigten in der Sozialwirtschaft Frauen, die häufig in Teilzeit arbeiten. Dies verstärkt die Notwendigkeit, faire und angemessene Arbeitsbedingungen zu schaffen, die sowohl finanzielle Sicherheit als auch berufliche Zufriedenheit gewährleisten.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die vorgeschlagenen Gehaltserhöhungen von 2,8 Prozent für Gehälter unter 2.400 Euro und 1,3 Prozent für höhere Gehälter spiegeln nicht die realen Bedürfnisse der Beschäftigten wider. Die Gewerkschaften fordern daher spürbare Verbesserungen, um die Attraktivität der Berufe in der Sozialwirtschaft zu erhöhen.
Michaela Guglberger von der Gewerkschaft vida betont, dass die Branche vor enormen demografischen Herausforderungen steht. Ohne spürbare Gehaltserhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen werden weder neue Fachkräfte gewonnen noch bestehende gehalten. Die kommenden Verhandlungsrunden werden entscheidend sein, um nachhaltige Lösungen zu finden.
Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft stehen an einem kritischen Punkt. Die angekündigten Warnstreiks zwischen dem 2. und 4. Dezember sollen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, ein verbessertes Angebot vorzulegen. Die nächste Verhandlungsrunde am 11. Dezember wird zeigen, ob eine Einigung erzielt werden kann, die sowohl den Bedürfnissen der Beschäftigten als auch den Anforderungen der Arbeitgeber gerecht wird. Es bleibt abzuwarten, ob die Sozialwirtschaft als Vorbild für andere Sektoren dienen kann, um faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Für weitere Informationen zu den Entwicklungen in der Sozialwirtschaft und den Kollektivvertragsverhandlungen besuchen Sie die Pressemitteilung des ÖGB.