Am 16. Dezember 2025 äußerte sich Markus Koza, Arbeitnehmer:innensprecher der Grünen, in einer Pressemitteilung kritisch zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik der österreichischen Regierung. Die Debatte um Überstunden und Teilzeitarbeit ist in Österreich keineswegs neu, doch die jüngsten Entwicklungen v
Am 16. Dezember 2025 äußerte sich Markus Koza, Arbeitnehmer:innensprecher der Grünen, in einer Pressemitteilung kritisch zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik der österreichischen Regierung. Die Debatte um Überstunden und Teilzeitarbeit ist in Österreich keineswegs neu, doch die jüngsten Entwicklungen verleihen ihr besondere Brisanz. Während die Regierung die steuerliche Begünstigung von Überstunden als Erfolg feiert, sehen die Grünen dringenden Handlungsbedarf bei der Einführung eines Rechts auf Stundenaufstockung für Teilzeitbeschäftigte.
Die Überstundenbegünstigung, die vor zwei Jahren eingeführt und nun verlängert wurde, zielt darauf ab, den Arbeitskräftemangel zu bekämpfen. Doch laut Koza profitieren davon vor allem Männer, während Frauen, die überwiegend in Teilzeit arbeiten, weiterhin auf das Recht warten, ihre Arbeitsstunden aufzustocken. Diese Begünstigung, die ursprünglich als temporäre Maßnahme gedacht war, wird nun von den Grünen als kontraproduktiv angesehen, da sie in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit Arbeitsplätze gefährden könnte.
Teilzeitbeschäftigung ist in Österreich weit verbreitet, insbesondere unter Frauen. Laut Statistik Austria arbeiten über 50% der weiblichen Erwerbstätigen in Teilzeit. Dies hat vielfältige Gründe, darunter familiäre Verpflichtungen und die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit. Ein Recht auf Stundenaufstockung würde diesen Frauen die Möglichkeit geben, ihre Arbeitszeit und damit ihr Einkommen zu erhöhen, was nicht nur ihre finanzielle Situation verbessern, sondern auch ihre Rentenansprüche langfristig erhöhen könnte.
Die Teilzeitbeschäftigung hat in Österreich eine lange Geschichte. Bereits in den 1970er Jahren begann sie, sich als flexible Arbeitsform zu etablieren. Damals war sie vor allem für Frauen gedacht, die Beruf und Familie vereinbaren wollten. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Teilzeitbeschäftigung jedoch stark verändert. Heute ist sie nicht mehr nur eine Option für Frauen mit Kindern, sondern auch für viele andere, die eine bessere Work-Life-Balance anstreben. Trotz dieser positiven Aspekte gibt es immer noch Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die soziale Absicherung und die Möglichkeit, die Arbeitszeit bei Bedarf zu erhöhen.
Ein Blick über die Grenze zeigt, dass sowohl Deutschland als auch die Schweiz ähnliche Herausforderungen im Bereich der Teilzeitbeschäftigung haben. In Deutschland gibt es seit 2019 das sogenannte "Brückenteilzeitgesetz", das Arbeitnehmern das Recht einräumt, nach einer befristeten Teilzeitphase wieder in Vollzeit zu arbeiten. In der Schweiz hingegen sind die Rechte von Teilzeitbeschäftigten in vielen Bereichen noch schwächer ausgeprägt als in Österreich. Dennoch gibt es auch dort Bestrebungen, die Situation zu verbessern, insbesondere in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Die Einführung eines Rechts auf Stundenaufstockung könnte weitreichende positive Auswirkungen haben. Für die Betroffenen, vor allem Frauen, würde dies ein höheres Einkommen und stabilere Arbeitszeiten bedeuten. Dies wiederum könnte zu einer Erhöhung der Steuereinnahmen und Sozialabgaben führen, was sowohl dem Finanzminister als auch dem Sozialstaat zugutekommen würde. Ein konkretes Beispiel ist eine alleinerziehende Mutter, die derzeit in Teilzeit arbeitet und regelmäßig Überstunden leisten muss. Mit einem Recht auf Stundenaufstockung könnte sie ihre Arbeitszeit offiziell erhöhen, was ihr ein stabileres Einkommen und eine bessere Planungssicherheit bieten würde.
Statistiken zeigen, dass die Zahl der Teilzeitbeschäftigten in Österreich in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Laut einer Erhebung der Statistik Austria arbeiteten im Jahr 2024 rund 1,3 Millionen Menschen in Teilzeit, was einem Anstieg von 5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders stark ist der Anstieg bei Frauen, die nach wie vor den Großteil der Teilzeitbeschäftigten ausmachen. Diese Zahlen unterstreichen die Relevanz der Forderung nach einem Recht auf Stundenaufstockung.
Die Grünen fordern, dass die Regierung das Recht auf Stundenaufstockung endlich umsetzt. Diese Maßnahme könnte nicht nur die finanzielle Situation vieler Teilzeitbeschäftigter verbessern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter leisten. Experten sind sich einig, dass ein solches Recht langfristig zu einer gerechteren Verteilung der Arbeitszeit führen könnte. Zudem könnte es dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu lindern, indem es mehr Menschen ermöglicht, ihre Arbeitszeit zu erhöhen und somit ihre Fähigkeiten besser einzubringen.
Die Debatte um die Überstundenbegünstigung und das Recht auf Stundenaufstockung zeigt, wie wichtig eine ausgewogene Arbeitsmarktpolitik ist, die die Bedürfnisse aller Arbeitnehmer berücksichtigt. Die Grünen setzen sich dafür ein, dass Teilzeitbeschäftigte nicht länger benachteiligt werden und fordern die Regierung auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob und wie die Regierung auf diese Forderungen reagiert. Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass die Diskussion um die Arbeitszeitflexibilisierung zu positiven Veränderungen führt.
Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehlen wir unseren Artikel über die Entwicklung der Teilzeitarbeit in Österreich und die Herausforderungen der Arbeitszeitflexibilisierung.