Am 19. November 2025 veröffentlichte die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (OeHT) in Kooperation mit der Prodinger Tourismusberatung und Kohl & Partner den umfassenden 'Fitness-Check 2025 für Hotels'. Diese Analyse beleuchtet die aktuelle wirtschaftliche Lage der österreichischen Ferienho
Am 19. November 2025 veröffentlichte die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (OeHT) in Kooperation mit der Prodinger Tourismusberatung und Kohl & Partner den umfassenden 'Fitness-Check 2025 für Hotels'. Diese Analyse beleuchtet die aktuelle wirtschaftliche Lage der österreichischen Ferienhotellerie und bietet einen tiefen Einblick in die Herausforderungen, denen sich die Branche gegenübersieht. Mit über 1.000 teilnehmenden Betrieben stellt der Bericht das größte Benchmarking im Alpenraum dar und ist somit von hoher Relevanz für die heimische Wirtschaft.
Der Bericht zeigt, dass die Auslastung in vielen Betrieben auf einem stabilen Niveau bleibt. Die Energiepreise haben sich nach ihrem Allzeithoch abgeflacht, was eine gewisse Entlastung darstellt. Dennoch setzen steigende Mitarbeiterkosten die Betriebsergebnisse massiv unter Druck. Das operative Betriebsergebnis (GOP) bleibt auf einem historisch niedrigen Niveau, was langfristige Auswirkungen auf die finanzielle Gesundheit der Betriebe haben könnte.
Fachbegriffe wie 'GOP' (Gross Operating Profit) sind für die Hotellerie von entscheidender Bedeutung. Der GOP ist eine Kennzahl, die das operative Ergebnis eines Unternehmens nach Abzug der direkten Kosten, aber vor Berücksichtigung von Zinsen, Steuern und Abschreibungen, misst. Ein niedriger GOP kann auf hohe Betriebskosten oder ineffiziente Prozesse hindeuten und erfordert oft strategische Anpassungen.
Die österreichische Hotellerie hat sich über die Jahre hinweg als robust erwiesen, insbesondere in Krisenzeiten. Historisch gesehen hat die Branche von der starken Tourismusnachfrage profitiert, die durch Österreichs attraktive Landschaften und kulturelles Erbe angezogen wird. Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz, die ebenfalls stark vom Tourismus abhängig sind, zeigt sich, dass die österreichische Hotellerie ähnliche Herausforderungen bewältigen muss, jedoch mit spezifischen nationalen Eigenheiten.
In Deutschland beispielsweise sind die Lohnkosten ebenfalls ein bedeutender Faktor, jedoch sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Tarifverträge oft unterschiedlich gestaltet. Die Schweiz hingegen kämpft mit einem starken Franken, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen kann. Österreich muss daher eine Balance zwischen Kosteneffizienz und Qualität finden, um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die steigenden Mitarbeiterkosten haben direkte Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation in der Hotellerie. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, ihre Personalpolitik zu überdenken, um die Kosten zu senken. Dies könnte zu einer erhöhten Arbeitsbelastung für die verbleibenden Mitarbeiter führen oder sogar zu einem Rückgang der Servicequalität, was letztendlich auch die Gästezufriedenheit beeinflussen kann.
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, dass einige Hotels ihre Öffnungszeiten oder angebotenen Dienstleistungen reduzieren mussten, um die Personalkosten zu kontrollieren. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Gäste, sondern auch auf die lokale Wirtschaft, da weniger Personal benötigt wird und somit weniger Einkommen generiert wird, das in die lokale Gemeinschaft zurückfließen könnte.
Die Statistik zeigt, dass die Mitarbeiterkosten im Median um fünf bis sieben Prozent gestiegen sind. Der Mitarbeiteraufwand je Vollzeitäquivalent (VZÄ) liegt im oberen Quartil mittlerweile bei über 50.000 Euro pro Jahr. Dies verdeutlicht den enormen Kostendruck, dem die Betriebe ausgesetzt sind. Gleichzeitig zeigen die ESG-Kennzahlen (Environmental, Social, and Governance) eine zunehmende Bedeutung für die strategische Ausrichtung der Unternehmen. Diese Kennzahlen bieten eine verlässliche Grundlage für eine zukunftsorientierte und wettbewerbsfähige Unternehmensstrategie.
Experten wie Matthias Matzer, Geschäftsführer der OeHT, betonen die Notwendigkeit, die Kostenstruktur zu optimieren und gleichzeitig die ESG-Ziele im Blick zu behalten. Dies erfordert Investitionen in effiziente Technologien und nachhaltige Praktiken, die langfristig zu Kosteneinsparungen führen können.
Die Zukunft der österreichischen Hotellerie hängt maßgeblich von der Fähigkeit der Betriebe ab, sich an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Dies umfasst die Optimierung der Betriebsabläufe, eine gezielte Preispolitik und eine stärkere Fokussierung auf nachhaltige Praktiken. Die Einführung von ESG-Kennzahlen als Bestandteil der Unternehmensstrategie bietet hier einen klaren Vorteil.
Marco Riederer, Co-Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, betont, dass die klassischen Hebel – wie die Steigerung der Auslastung und Preisanpassungen – allein nicht mehr ausreichen. Eine klare Positionierung und ein bewusstes Mitarbeitermanagement sind entscheidend, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Zusammenfassend zeigt der Fitness-Check 2025, dass die österreichische Hotellerie vor großen Herausforderungen steht. Die stabile Auslastung und die eingependelten Energiepreise bieten zwar eine gewisse Sicherheit, die steigenden Mitarbeiterkosten und die stagnierenden GOP-Margen erfordern jedoch eine strategische Neuausrichtung. Die Branche muss sich auf Effizienzsteigerungen und nachhaltige Praktiken konzentrieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Für die Zukunft wird es entscheidend sein, die Kostenstruktur zu optimieren und gleichzeitig die Qualität der Dienstleistungen zu erhalten. Die Einführung und Nutzung von ESG-Kennzahlen kann dabei helfen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Umwelt und Gesellschaft zu leisten. Weitere Informationen zum Fitness-Check und detaillierte Berichte stehen auf der Website der OeHT zur Verfügung.