Die österreichische Holzindustrie steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Mit einem Umsatzrückgang von 5 Prozent im Jahr 2024 und einem dramatischen Minus von über 22 Prozent im Vergleich zu 2022 sieht sich die Branche mit einer wirtschaftlichen Krise konfrontiert, die ihre G
Die österreichische Holzindustrie steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Mit einem Umsatzrückgang von 5 Prozent im Jahr 2024 und einem dramatischen Minus von über 22 Prozent im Vergleich zu 2022 sieht sich die Branche mit einer wirtschaftlichen Krise konfrontiert, die ihre Grundfesten erschüttert. Die anhaltende Schwäche der Baukonjunktur und unvorhersehbare Handelspolitiken belasten die heimischen Betriebe enorm.
Historisch gesehen war die Holzindustrie immer ein starker Exportmotor für Österreich. In den vergangenen Jahrzehnten profitierte die Branche von stabilen Handelsbedingungen innerhalb der Europäischen Union und einem florierenden Bauwesen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die gegenwärtige Krise hat Parallelen zur Wirtschaftskrise von 2008, als die Bauwirtschaft ebenfalls stark einbrach. Allerdings ist die derzeitige Situation durch zusätzliche geopolitische Unsicherheiten und eine globale Pandemie geprägt, die die Märkte weiter verunsichert haben.
Interessanterweise zeigt sich, dass andere Bundesländer wie Bayern in Deutschland ähnliche Herausforderungen erleben. Auch dort kämpft die Holzindustrie mit rückläufigen Exporten und hohen Lohnstückkosten. Doch während in Bayern staatliche Subventionen eine gewisse Stabilität bieten, ist die österreichische Holzindustrie stärker auf die Eigeninitiative der Unternehmen angewiesen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Holzindustrie haben direkte Auswirkungen auf die österreichische Bevölkerung. Mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen um 7 Prozent im Jahr 2024 sind viele Familien von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Unsicherheit in der Branche führt auch zu einem Rückgang der Investitionen in neue Projekte, was wiederum die Bauwirtschaft weiter schwächt.
Dr. Erlfried Taurer, designierter Obmann des Fachverbands, betont: „Die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs muss sich dringend verbessern. Wir brauchen niedrigere Lohnnebenkosten und Energiepreise.“ Diese Forderungen sind essenziell, um die Branche wieder auf Kurs zu bringen. Auch Herbert Jöbstl, Obmann des Fachverbands, zeigt sich optimistisch: „Die Finanzierungskosten für Bauprojekte sinken, und Deutschland plant umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur, was auch uns zugutekommen könnte.“
Die österreichische Holzindustrie ist stark von den politischen Entscheidungen innerhalb der EU und ihrer Handelspartner abhängig. Die unberechenbare Handelspolitik der USA und mögliche Gegenreaktionen aus Europa stellen ein erhebliches Risiko dar. Eine harmonisierte Energiepolitik und gerechte Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU sind entscheidend, um die Branche zu stabilisieren.
Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) ist ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen, mit denen die Branche konfrontiert ist. Die Verordnung verpflichtet Unternehmen, bei jedem Verarbeitungsschritt nachzuweisen, dass kein Entwaldungsrisiko besteht. Diese Bürokratie führt zu erheblichen Kosten und Unsicherheiten. Heinrich Sigmund, Geschäftsführer des Fachverbands, kritisiert: „Die Wertschöpfungskette Holz wurde schlicht nicht verstanden.“
Die Einführung der EUDR hat europaweit Milliardenkosten verursacht, ohne einen klaren Mehrwert zu bieten. Daher fordern Branchenvertreter eine tiefgreifende Vereinfachung der Verordnung oder deren vollständige Aufhebung.
Die Branche unterstützt das Ziel der EUDR, die weltweite Entwaldung einzudämmen, schlägt jedoch alternative Ansätze vor. Eine neue Risikokategorie „insignificant risk“ für Länder ohne Entwaldungsrisiko könnte die Lösung sein. Diese Idee fand im Europäischen Parlament bereits Unterstützung und steht im Koalitionsvertrag der deutschen Bundesregierung.
Aktive Waldbewirtschaftung und verstärkte Holzverwendung sind entscheidend, um den Klimawandel zu bekämpfen. Die österreichischen Wälder haben durch ständiges Wachstum große Holzvorräte aufgebaut, die nun anfällig für Klimaprobleme sind. Eine nachhaltige Nutzung und Verjüngung der Bestände sind notwendig, um die Wälder klimafit zu halten.
Die österreichische Holzindustrie steht vor einer herausfordernden Zukunft, aber es gibt Hoffnung. Mit gezielten politischen Maßnahmen, internationalen Kooperationen und innovativen Ansätzen kann die Branche nicht nur überleben, sondern auch gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen und die Arbeitsplätze in der Branche zu sichern.
Weitere Informationen zur aktuellen Lage der Holzindustrie finden Sie auf der Webseite des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs.