Der österreichische Immobilienmarkt steht im Jahr 2025 vor einer paradoxen Situation: Trotz sinkender Verkaufszahlen bleiben die Preise stabil oder steigen sogar leicht. Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus verschiedenen Faktoren, die den Markt beeinflussen.Weniger V
Der österreichische Immobilienmarkt steht im Jahr 2025 vor einer paradoxen Situation: Trotz sinkender Verkaufszahlen bleiben die Preise stabil oder steigen sogar leicht. Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus verschiedenen Faktoren, die den Markt beeinflussen.
Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Österreich rund 37.000 Immobilientransaktionen verzeichnet, was einem Rückgang von etwa 5 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 entspricht. Nach einem starken ersten Quartal ging die Anzahl der Transaktionen im zweiten Quartal zurück. Besonders betroffen sind die südlichen Bundesländer Steiermark und Kärnten, die als Schlusslichter gelten. Die hohen Zinsen und die strengen Vorgaben der sogenannten KIM-Verordnung bremsen den Markt.
Die KIM-Verordnung, eine Abkürzung für Kreditinstitute-Mindestanforderungen, legt fest, welche Voraussetzungen Kunden erfüllen müssen, um einen Kredit zu erhalten. Diese strengen Vorgaben führen dazu, dass weniger Menschen in der Lage sind, Immobilien zu kaufen, was den Markt insgesamt verlangsamt.
Während die meisten Regionen Einbrüche verzeichnen, erlebt Wien einen gegenläufigen Boom. Die Hauptstadt meldete ein Plus von 17 Prozent bei den Transaktionen und zieht sowohl Investoren als auch Eigenheimbesitzer mit hohem Eigenkapital an. Die Preise für Neubauwohnungen liegen hier bei durchschnittlich 6.913 Euro pro Quadratmeter.
Institutionelle Anleger sehen Wien als sicheren Hafen, auch weil die Knappheit am Mietmarkt weiter zunimmt und höhere Mieten erwartet werden. Diese Entwicklung macht Wien zu einem attraktiven Standort für Investitionen, während andere Regionen mit rückläufigen Verkäufen zu kämpfen haben.
Ein zentraler Faktor der aktuellen Entwicklung ist der stark eingebrochene Wohnungsneubau. Laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) ist die Zahl der Fertigstellungen um rund 30 Prozent rückläufig. Dies treibt die Preise langfristig weiter nach oben, da hohe Grundstücks- und Baukosten leistbaren Wohnraum verhindern.
Der Neubau von Wohnimmobilien ist entscheidend, um das Angebot auf dem Markt zu erhöhen und die Preise zu stabilisieren. Doch die steigenden Baukosten und die Verfügbarkeit von Grundstücken stellen große Hürden dar. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass der Neubau nicht in dem Maße voranschreitet, wie es notwendig wäre, um den Bedarf zu decken.
Die Steiermark, Kärnten und Oberösterreich verzeichneten die größten Rückgänge bei den Transaktionen. In diesen Regionen dominiert der Markt für Eigenheime, und hier ist die Kreditfinanzierung besonders entscheidend. Anders im Westen: Vorarlberg und Salzburg bleiben mit den höchsten Preisen stabil. Die Nachfrage bleibt dort robust.
Diese regionalen Unterschiede zeigen, wie unterschiedlich sich der Immobilienmarkt in Österreich entwickelt. Während einige Regionen mit einem Rückgang der Verkäufe zu kämpfen haben, können andere stabile oder sogar steigende Preise verzeichnen.
Im Gewerbebereich zeigt sich ein zweigeteiltes Bild: Industrie- und Gewerbegründe verzeichnen starkes Wachstum, etwa in Salzburg und Oberösterreich. Büros und Geschäftsflächen hingegen kämpfen mit stagnierenden oder leicht fallenden Preisen. In Wien liegt der Quadratmeterpreis für Büroflächen bei rund 4.400 Euro, Tendenz leicht rückläufig. Gründe sind unter anderem Homeoffice-Trends und steigende ESG-Anforderungen.
ESG steht für Environmental, Social, and Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese Kriterien gewinnen zunehmend an Bedeutung und beeinflussen die Entscheidungen von Investoren. Die steigenden Anforderungen in diesem Bereich führen dazu, dass einige Gewerbeimmobilien an Attraktivität verlieren.
Die Krise am Eigentumsmarkt wirkt sich zunehmend auf den Mietmarkt aus. Viele, die keine Kredite erhalten, müssen weiterhin mieten, bei gleichzeitig sinkendem Angebot. Trotzdem entwickelten sich die Nettomieten für Angebote knapp unterhalb der Inflation, ausgenommen Wien mit einem Anstieg von 5,5 Prozent.
Diese Entwicklung zeigt, wie eng der Mietmarkt mit dem Eigentumsmarkt verbunden ist. Steigende Preise und ein knappes Angebot machen es für viele Menschen schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Der Immobilienmarkt in Österreich ist 2025 zweigeteilt: Wien bleibt stabil und teuer, während die Bundesländer unter der Finanzierungsbremse leiden. Ein Preissturz ist jedoch nicht in Sicht, da der Mangel an leistbarem Wohnraum zu groß ist.
Erst wenn sich die Kreditbedingungen lockern, Wohnbau- und Sanierungsförderungen wieder greifen oder der Neubau wieder Fahrt aufnimmt, könnte der Markt spürbar an Dynamik gewinnen. Bis dahin bleibt Österreich ein Land, in dem Wohnen teuer und der Aufbau von Eigentum für viele schwierig ist.
Experten erwarten, dass sich die Situation auf dem Immobilienmarkt in den kommenden Jahren weiter zuspitzen könnte, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Neubau von Wohnraum fördern und die Kreditvergabe erleichtern.
Ein möglicher Ansatz könnte die Förderung von nachhaltigem Bauen sein, um die ESG-Kriterien zu erfüllen und gleichzeitig die Baukosten zu senken. Auch die Schaffung von Anreizen für Investitionen in den Wohnungsbau könnte dazu beitragen, das Angebot zu erhöhen und die Preise zu stabilisieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der österreichische Immobilienmarkt vor großen Herausforderungen steht. Die Kombination aus hohen Preisen, knappen Angeboten und strengen Finanzierungsbedingungen macht es für viele Menschen schwierig, Eigentum zu erwerben oder bezahlbaren Wohnraum zu finden. Doch mit den richtigen Maßnahmen könnte sich der Markt in Zukunft wieder stabilisieren und dynamischer entwickeln.