Am 3. Dezember 2025 endete die dritte Verhandlungsrunde für die über 90.000 Beschäftigten der IT-Branche in Österreich erneut ohne Ergebnis. Trotz einer überdurchschnittlich guten Entwicklung der IT-Branche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft, weigern sich die Arbeitgeber, die Ist-Gehälter anzuheben.
Am 3. Dezember 2025 endete die dritte Verhandlungsrunde für die über 90.000 Beschäftigten der IT-Branche in Österreich erneut ohne Ergebnis. Trotz einer überdurchschnittlich guten Entwicklung der IT-Branche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft, weigern sich die Arbeitgeber, die Ist-Gehälter anzuheben. Stattdessen bieten sie lediglich eine Erhöhung der Mindestgehälter um 1,9 Prozent an. Diese Haltung stößt bei der Gewerkschaft GPA auf scharfe Kritik, und als Reaktion darauf werden nun Betriebsversammlungen in ganz Österreich organisiert.
Die IT-Branche in Österreich hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Während viele Sektoren mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu kämpfen hatten, konnte die IT-Branche ein stabiles Wachstum verzeichnen. Diese positive Entwicklung wird jedoch nicht in den aktuellen Gehaltsverhandlungen reflektiert. Die Gewerkschaft GPA, vertreten durch Verhandlungsleiterin Sandra Steiner, kritisiert das Angebot der Arbeitgeber als unzureichend und nicht an die Realität angepasst.
Ein entscheidender Begriff in diesen Verhandlungen ist das 'Ist-Gehalt'. Es bezeichnet das tatsächliche Gehalt, das ein Arbeitnehmer erhält, im Gegensatz zum 'Mindestgehalt', das den gesetzlich oder tariflich festgelegten untersten Gehaltsbetrag darstellt. Eine Erhöhung der Ist-Gehälter bedeutet, dass alle Beschäftigten von einer Gehaltserhöhung profitieren würden, während eine Erhöhung der Mindestgehälter nur die Gehälter der am niedrigsten bezahlten Beschäftigten betrifft.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass ähnliche Verhandlungen auch in Deutschland und der Schweiz geführt werden. In Deutschland haben die IT-Beschäftigten kürzlich eine Gehaltserhöhung von 3 Prozent erwirkt, während in der Schweiz die Gehälter in der IT-Branche traditionell höher sind, was auf die starke Nachfrage und die hohe Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. Diese internationalen Vergleiche verdeutlichen, dass die österreichischen IT-Beschäftigten im europäischen Kontext unterdurchschnittlich bezahlt werden.
Die Auswirkungen der ergebnislosen Verhandlungen sind für die Beschäftigten erheblich. Viele fühlen sich in ihrer Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt, was zu einer sinkenden Motivation und einer erhöhten Fluktuation führen kann. Ein Beispiel ist ein IT-Techniker aus Wien, der anonym bleiben möchte: 'Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit nicht gewürdigt wird. Die Inflation frisst meine Gehaltserhöhung auf, und es bleibt kaum etwas übrig, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu decken.' Solche Stimmen sind in der Branche keine Seltenheit.
Die aktuelle Inflationsrate in Österreich beträgt 2,5 Prozent, was bedeutet, dass die angebotene Gehaltserhöhung von 1,9 Prozent nicht einmal die Inflation ausgleicht. Dies führt zu einem realen Einkommensverlust für die Beschäftigten. Laut einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO ist die IT-Branche in Österreich seit 2020 um durchschnittlich 4 Prozent pro Jahr gewachsen, was die Forderungen der Gewerkschaft nach einer angemessenen Gehaltserhöhung zusätzlich untermauert.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 18. Dezember angesetzt. Bis dahin sollen die Betriebsversammlungen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Die Gewerkschaft hofft, dass die Arbeitgeber bis dahin ein verbessertes Angebot vorlegen werden. Sollte dies nicht der Fall sein, könnten weitere Maßnahmen, wie Streiks, nicht ausgeschlossen werden. Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob eine Einigung erzielt werden kann, die den Beschäftigten eine faire Entlohnung sichert.
Insgesamt zeigt der aktuelle Konflikt, wie wichtig es ist, die Interessen der Beschäftigten ernst zu nehmen und ihnen eine Stimme zu geben. Die IT-Branche wird auch in Zukunft eine tragende Rolle in der österreichischen Wirtschaft spielen, und eine faire Entlohnung ist ein entscheidender Faktor, um qualifizierte Fachkräfte zu halten.
Bleiben Sie über die Entwicklungen informiert und besuchen Sie unsere Website für weitere Informationen zu den Verhandlungen und deren Auswirkungen auf die österreichische IT-Branche.