Am 11. November 2025 fand in Wien die zweite Verhandlungsrunde des Kollektivvertrags für das private Bewachungsgewerbe statt. Doch die Gespräche endeten ohne Einigung. Die Arbeitgeberseite zeigte nur kurzzeitig Kompromissbereitschaft und brach die Verhandlungen nach über fünf Stunden ab. Das vorgele
Am 11. November 2025 fand in Wien die zweite Verhandlungsrunde des Kollektivvertrags für das private Bewachungsgewerbe statt. Doch die Gespräche endeten ohne Einigung. Die Arbeitgeberseite zeigte nur kurzzeitig Kompromissbereitschaft und brach die Verhandlungen nach über fünf Stunden ab. Das vorgelegte Angebot, das für mehr als die Hälfte der Beschäftigten lediglich eine Erhöhung von 2,8 Prozent vorsieht, liegt unter der aktuellen Inflation von 3,01 Prozent. Diese Entwicklung sorgt für Unmut, da keine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in Aussicht gestellt wurden.
Die Bewachungsbranche in Österreich verzeichnete im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von neun Prozent. Besonders Großveranstaltungen wie der Eurovision Songcontest tragen zu diesem Aufschwung bei. Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Entlohnung der Mitarbeiter:innen ein Streitpunkt. Die Gewerkschaft vida fordert eine Lohnerhöhung von 3,5 Prozent, um den steigenden Lebenshaltungskosten gerecht zu werden.
Kollektivverträge sind in Österreich ein wichtiges Instrument zur Regelung von Arbeitsbedingungen. Sie entstanden im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, als Arbeiterbewegungen begannen, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. In der Nachkriegszeit etablierten sich die Sozialpartnerschaft und die Kollektivverträge als zentrale Elemente der österreichischen Arbeitsmarktpolitik. Diese Verträge dienen dazu, faire Löhne und Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. In der Bewachungsbranche sind sie besonders wichtig, da die Arbeitsbedingungen oft herausfordernd sind.
In Deutschland und der Schweiz sind Kollektivverträge ebenfalls weit verbreitet. In Deutschland werden sie auf Branchenebene verhandelt und bieten ähnlich wie in Österreich Schutz vor Lohndumping. In der Schweiz sind die Verträge weniger zentral organisiert, was zu regionalen Unterschieden führen kann. Dennoch bieten sie einen wichtigen Schutz für Arbeitnehmer:innen in vergleichbaren Branchen.
Die Auswirkungen der aktuellen Verhandlungen auf die Beschäftigten sind erheblich. Viele Mitarbeiter:innen im Bewachungsgewerbe kämpfen mit den steigenden Lebenshaltungskosten. Mieten, Lebensmittel und Energiepreise sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Ein Beispiel ist die Stadt Wien, wo die Mietpreise in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 15 Prozent gestiegen sind. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf die Arbeitnehmer:innen, die auf eine angemessene Lohnerhöhung angewiesen sind, um ihren Lebensstandard zu halten.
Die Sicherheitsbranche in Österreich umfasst rund 25.000 Beschäftigte. Die Umsätze der Branche stiegen im letzten Jahr um neun Prozent, was auf die zunehmende Nachfrage nach Sicherheitsdienstleistungen zurückzuführen ist. Diese Zahlen verdeutlichen das Potenzial der Branche, das jedoch nicht in Form von Lohnerhöhungen an die Beschäftigten weitergegeben wird.
Die Gewerkschaft vida fordert die Arbeitgeber auf, bei der nächsten Verhandlungsrunde am 27. November ein faires Angebot vorzulegen. Ein Abschluss, der die Lebenshaltungskosten berücksichtigt, wäre ein wichtiger Schritt zur langfristigen Bindung der Mitarbeiter:innen. Die Zukunft der Branche hängt von der Fähigkeit ab, qualifizierte Arbeitskräfte zu halten und zu motivieren. Ein gerechter Kollektivvertrag ist hierbei unerlässlich.
Zusammenfassend bleibt abzuwarten, ob die Arbeitgeberseite in der Lage sein wird, ein Angebot vorzulegen, das den Anforderungen der Arbeitnehmer:innen gerecht wird. Die nächsten Wochen werden entscheidend sein, um eine Lösung zu finden, die sowohl den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen als auch den sozialen Bedürfnissen der Beschäftigten entspricht.
Für weiterführende Informationen zur Entwicklung der Kollektivverträge in Österreich und deren Bedeutung für die Arbeitnehmer:innen besuchen Sie unsere spezielle Themenseite.