Wien, die Stadt der Geschichte und der Geschichten, hat erneut ein Zeichen gesetzt. Am 4. Oktober 2025 wurde in der Leopoldstadt eine bedeutende Würdigung vollzogen: Der Gemeindebau in der Oberen Augartenstraße 12-14 trägt nun den Namen von Max Berdiczower, einem verdienten Bezirksvorsteher der erst
Wien, die Stadt der Geschichte und der Geschichten, hat erneut ein Zeichen gesetzt. Am 4. Oktober 2025 wurde in der Leopoldstadt eine bedeutende Würdigung vollzogen: Der Gemeindebau in der Oberen Augartenstraße 12-14 trägt nun den Namen von Max Berdiczower, einem verdienten Bezirksvorsteher der ersten Republik. Diese Namensgebung ist mehr als nur eine Ehrung, sie ist ein klares Statement für Zivilcourage und soziale Gerechtigkeit.
Max Berdiczower, geboren am 23. August 1883 in Brody, in der heutigen Ukraine, war eine prägende Persönlichkeit der Leopoldstadt. Als Sozialdemokrat wurde er 1918 zum provisorischen Bezirksvorsteher ernannt und ab 1919 offiziell im Amt bestätigt. Seine Amtszeit, die bis Februar 1934 dauerte, fiel in eine Phase intensiven kommunalen Wohnbaus in Wien. Unter seiner Führung entstand unter anderem der „Wachauer Hof“, einer der ersten Gemeindebauten der Stadt.
Die 1930er Jahre waren geprägt von politischen Umbrüchen und wachsendem Antisemitismus. Berdiczower, der auch als Redaktionssekretär der Arbeiter-Zeitung tätig war, wurde in dieser Zeit immer wieder zur Zielscheibe antisemitischer Angriffe. Trotz dieser Widrigkeiten setzte er sich unermüdlich für soziale Gerechtigkeit ein. Seine Verhaftung während der Februarkämpfe 1934 und die darauffolgende Amtsenthebung markierten einen traurigen Höhepunkt in seiner Karriere.
Bis zu seinem Tod am 10. Dezember 1938 blieb Berdiczower eine bedeutende Figur der Wiener Politik. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht vollständig geklärt, doch sein Vermächtnis lebt weiter.
Die offizielle Benennungsfeier des Gemeindebaus wurde von Waltraud Karner-Kremser, Vorsitzende des Gemeinderatsausschusses für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen, sowie dem aktuellen Bezirksvorsteher Alexander Nikolai durchgeführt. „Max Berdiczower war eine prägende Persönlichkeit der Leopoldstadt und ein engagierter Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. Mit der Benennung dieses Gemeindebaus setzen wir ein dauerhaftes Zeichen der Dankbarkeit für sein politisches und menschliches Wirken“, erklärte Karner-Kremser während der Zeremonie.
Die Entscheidung, den Gemeindebau nach Berdiczower zu benennen, ist nicht nur eine Geste des Respekts, sondern auch eine Erinnerung an die Bedeutung von Zivilcourage und Solidarität. Bezirksvorsteher Alexander Nikolai betonte: „Mit der Benennung der Wohnhausanlage nach ihm würdigen wir einen Menschen, der Mut und Menschlichkeit in schwersten Zeiten bewiesen hat. Sein Name soll uns hier im Alltag daran erinnern, wie wichtig Zivilcourage, Solidarität und Zusammenhalt für unsere Gemeinschaft sind.“
Der Max-Berdiczower-Hof, ursprünglich zwischen 1930 und 1931 nach den Plänen des Architekten Karl Schmalhofer errichtet, umfasst 188 Wohnungen auf acht Stiegen. Der Bau ist durch eine streng symmetrische Anordnung der Blöcke gekennzeichnet und wurde auf einem relativ engen Areal zwischen Straßenflucht und einem dahinterliegenden Umspannwerk errichtet.
Zwischen 2015 und 2020 wurden umfassende Sanierungen durchgeführt. Diese umfassten die Erneuerung der Dachdeckung, die Herstellung eines Unterdachs sowie die Dämmung von Dach, Terrassen und Balkonen. Diese Maßnahmen steigerten die Energieeffizienz des Gebäudes erheblich und reduzierten den Heizwärmebedarf um beeindruckende 77 Prozent. Die neue Dachverblechung und die Brandrauchentlüftung in den Stiegenhäusern erhöhten die Modernität und Sicherheit der Anlage zusätzlich.
Die Benennung des Gemeindebaus nach Max Berdiczower ist nicht nur ein Rückblick auf die Vergangenheit, sondern auch ein Ausblick in die Zukunft. Sie erinnert die Bewohner und die Stadt Wien daran, dass die Werte, für die Berdiczower stand, auch heute noch von großer Bedeutung sind. In einer Zeit, in der soziale Gerechtigkeit und Solidarität mehr denn je gefordert sind, dient der Max-Berdiczower-Hof als Symbol für diese Ideale.
Die Stadt Wien setzt mit dieser Ehrung ein Zeichen für die Zukunft, das weit über die Leopoldstadt hinausreicht. Es ist ein Aufruf an alle Bürger, sich für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft einzusetzen.
Weitere Informationen zur Benennung und zur Geschichte von Max Berdiczower finden Sie auf der offiziellen Seite der Stadt Wien - Kommunikation und Medien (KOM).