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Politik

Neue Agrarpolitik ab 2028: Was bedeutet das für Österreichs Bauern?

22. Oktober 2025 um 12:41
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Die Diskussionen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 sind in vollem Gange. Am 22. Oktober 2025 traf sich der EU-Unterausschuss des österreichischen Nationalrats, um die Vorschläge der EU-Kommission zu erörtern. Im Zentrum der Debatte steht die Fr

Die Diskussionen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 sind in vollem Gange. Am 22. Oktober 2025 traf sich der EU-Unterausschuss des österreichischen Nationalrats, um die Vorschläge der EU-Kommission zu erörtern. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, wie die Landwirtschaft in Zukunft finanziert werden soll.

Ein Topf für alle: Der neue Finanzierungsansatz

Die EU-Kommission schlägt vor, die Finanzierung der Landwirtschaft mit 13 anderen Politikbereichen zu einem einzigen Fonds zusammenzufassen. Dieser sogenannte "Single-Fonds" soll im Rahmen des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) von 2028 bis 2034 umgesetzt werden. Insgesamt sind 865,1 Milliarden Euro vorgesehen, wovon 90 % für die Nationalen und regionalen Partnerschaftspläne (NRPP) reserviert sind. Für Österreich sind davon 10,3 Milliarden Euro eingeplant.

Was bedeutet das für Österreich?

Von den 10,3 Milliarden Euro, die für Österreich vorgesehen sind, sollen mindestens 6,6 Milliarden Euro in die Einkommensstützung der Landwirtschaft fließen. Etwa 0,9 Milliarden Euro sind für Migration und Sicherheit vorgesehen, während der Rest für andere GAP-Interventionen und die Kohäsionspolitik eingeplant ist.

Die Kritik am "Single-Fonds"

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig äußerte sich kritisch zu diesen Plänen. Er befürchtet, dass die "Defacto-Auflösung" der zweiten GAP-Säule, die bisher eigenständig finanzierte Bereiche wie die Bergbauernförderung und das Agrarumweltprogramm ÖPUL umfasst, negative Folgen haben könnte. Totschnig geht von Verlusten in Höhe von 260 Millionen Euro für die österreichischen Bauern aus, sollte der aktuelle Vorschlag umgesetzt werden.

Er betont, dass es keine fundamentale Reform, sondern vielmehr Vereinfachungen für die Betriebe brauche. Totschnig will sich auf allen politischen Ebenen dafür einsetzen, Einschnitte beim Budget für die Landwirtschaft zu verhindern.

Die politische Debatte

Im Ausschuss wurden auch zwei Anträge der Grünen diskutiert, die jedoch in der Minderheit blieben. Diese forderten den Erhalt einer vielfältigen, kleinstrukturierten Landwirtschaft sowie eine ökologische Transformation und Klimaanpassung der Landwirtschaft. Zudem wurde ein ambitioniertes EU-Klimaziel gefordert.

Carina Reiter von der ÖVP äußerte sich skeptisch, ob durch den "Single-Fund" die Mittel für die ländliche Entwicklung sichergestellt werden können. Georg Strasser, ebenfalls ÖVP, plädierte für ein "zurück an den Start" und betonte die Wichtigkeit des Zwei-Säulen-Modells.

Die Zukunft der GAP

Mit einem Abschluss der Verhandlungen auf EU-Ebene ist nicht vor Mitte 2027 zu rechnen. Bis dahin bleibt unklar, wie die künftige Agrarpolitik konkret aussehen wird. Klar ist jedoch, dass die Diskussionen um die GAP nicht nur die Landwirtschaft betreffen, sondern auch andere Bereiche wie die Klimapolitik und die regionale Entwicklung.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU hat eine lange Geschichte. Sie wurde 1962 ins Leben gerufen, um die Ernährungssicherheit in Europa zu gewährleisten und die Lebensbedingungen der Landwirte zu verbessern. Seitdem wurde sie mehrfach reformiert, um auf neue Herausforderungen wie den Klimawandel und die Globalisierung zu reagieren.

Was bedeutet das für die Bürger?

Die Auswirkungen der GAP sind weitreichend. Für die Landwirte bedeutet sie Planungssicherheit und finanzielle Unterstützung. Für die Verbraucher bedeutet sie stabile Lebensmittelpreise und eine sichere Versorgung mit qualitativ hochwertigen Produkten.

Die Diskussionen um die GAP zeigen, wie wichtig eine ausgewogene Agrarpolitik für die Zukunft Europas ist. Sie muss nicht nur die Interessen der Landwirte berücksichtigen, sondern auch den Anforderungen des Klimaschutzes und der regionalen Entwicklung gerecht werden.

Expertenmeinungen

Ein Experte aus der Landwirtschaft betont, dass die Einführung eines "Single-Fonds" die Flexibilität der Mitgliedsstaaten einschränken könnte. "Die Vielfalt der europäischen Landwirtschaft erfordert maßgeschneiderte Lösungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Länder eingehen", so der Experte.

Ein anderer Experte aus dem Bereich der Klimapolitik sieht die Vorschläge der EU-Kommission als Chance, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. "Die Integration der Agrarpolitik in einen umfassenden Finanzierungsrahmen könnte dazu beitragen, die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen", sagt er.

Fazit und Ausblick

Die Diskussionen über die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028 sind ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft in Europa. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Verhandlungen entwickeln und welche Auswirkungen sie auf die Landwirte und die Verbraucher haben werden.

Für Österreich bleibt zu hoffen, dass die Interessen der heimischen Landwirtschaft in den Verhandlungen berücksichtigt werden und dass die GAP auch in Zukunft eine stabile und verlässliche Unterstützung für die Bauern bietet.

Schlagworte

#Agrarpolitik#EU#Finanzierung#GAP#Klimaziele#Landwirtschaft#Österreich

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