Im prestigeträchtigen MuseumsQuartier Wien wurden vergangene Woche 138 Unternehmen für ihr außergewöhnliches Engagement im Klimaschutz geehrt. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky überreichte persönl...
Im prestigeträchtigen MuseumsQuartier Wien wurden vergangene Woche 138 Unternehmen für ihr außergewöhnliches Engagement im Klimaschutz geehrt. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky überreichte persönlich die begehrten OekoBusiness Wien-Auszeichnungen an Betriebe, die beweisen, dass nachhaltiges Wirtschaften und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können. Besonders erfreulich: Erstmals wurden auch "OekoBusiness Wien Stars" gekürt - Unternehmen, die seit über 15 Jahren kontinuierlich an dem städtischen Umweltprogramm teilnehmen und damit zu echten Pionieren der grünen Transformation in der österreichischen Hauptstadt geworden sind.
OekoBusiness Wien ist das zentrale Umwelt-Service-Paket der Stadt Wien für ansässige Unternehmen und wurde bereits 1998 von der Abteilung Stadt Wien - Umweltschutz ins Leben gerufen. Das Programm unterstützt Betriebe dabei, umweltrelevante Maßnahmen zu implementieren und gleichzeitig ihre Betriebskosten zu senken. Gemeinsam mit erfahrenen Umweltberatern werden systematisch Einsparpotenziale identifiziert, um schrittweise den Energiebedarf, das Abfallaufkommen und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren.
Das Besondere an diesem Ansatz liegt in der ganzheitlichen Betreuung: Unternehmen erhalten nicht nur theoretische Beratung, sondern konkrete, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen. Die Finanzierung erfolgt durch ein breites Bündnis aus der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer Wien, der Arbeiterkammer Wien, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund, dem Klima- und Energiefonds sowie dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit Programmstart haben über 1.700 Wiener Betriebe die geförderten Beratungsangebote von OekoBusiness Wien erfolgreich genutzt. Alle umgesetzten Maßnahmen werden in einer umfassenden Datenbank dokumentiert, wodurch der wirtschaftliche und ökologische Mehrwert des Programms transparent messbar wird.
Die Erfolge sind beeindruckend: Insgesamt konnten über 3 Terawattstunden Energie eingespart werden - eine Menge, die ausreichen würde, um 84 Prozent aller Wiener Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Strom zu versorgen. Zusätzlich wurden 128.560 Tonnen Abfall vermieden und eine Wassermenge eingespart, die dem Verbrauch von ganz Wien in 13 Tagen entspricht. Die finanziellen Einsparungen belaufen sich auf beachtliche 181,7 Millionen Euro an reduzierten Betriebskosten.
Das Beratungsangebot wird kontinuierlich an aktuelle Herausforderungen angepasst. In der laufenden Programmperiode stehen insbesondere Kreislaufwirtschaft und Biodiversität im Fokus - zwei Themenfelder, die für die nachhaltige Entwicklung urbaner Räume von entscheidender Bedeutung sind.
Kreislaufwirtschaft bezeichnet ein Wirtschaftsmodell, bei dem Materialien und Produkte so lange wie möglich in Nutzung gehalten werden, um Abfall zu minimieren und Ressourcen optimal zu nutzen. Biodiversität umfasst die Vielfalt aller Lebensformen und ihrer Lebensräume - ein Aspekt, der auch für Unternehmen zunehmend wichtiger wird, da intakte Ökosysteme die Grundlage für eine funktionsfähige Wirtschaft bilden.
Eine besondere Neuerung bei der diesjährigen Preisverleihung war die Auszeichnung der "OekoBusiness Wien Stars" - Unternehmen, die dem Programm seit mindestens 15 beziehungsweise 25 Jahren angehören. Diese Betriebe haben bereits früh erkannt, dass Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg sich gegenseitig bedingen, und tragen diesen Anspruch mittlerweile auch in ihre Lieferketten und Branchennetzwerke weiter.
Zu den ausgezeichneten Stars gehören etablierte Unternehmen wie Sodexo Service Solutions Austria GmbH mit ihren Betriebsrestaurants "Kuchl" in der TownTown und "Oase" bei den Wiener Linien, das traditionsreiche Unternehmen Mautner Markhof, der Catering-Spezialist GMS Gourmet sowie der Pharmariese Boehringer Ingelheim. Besonders bemerkenswert sind die drei Unternehmen, die bereits seit 25 Jahren dabei sind: Beyond Gravity, SENNA Nahrungsmittel und Henkel Central Eastern Europe Operations GmbH.
Diese langjährigen Teilnehmer haben nicht nur ihre eigenen Betriebsabläufe nachhaltig optimiert, sondern wirken als Multiplikatoren in ihren jeweiligen Branchen. Sie beweisen, dass kontinuierliches Engagement im Umweltschutz nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft ist.
Ein zentraler Baustein von OekoBusiness Wien ist das Programm "OekoWin", das als ideale Grundlage für die Einführung eines Umweltmanagementsystems nach EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) dient. EMAS ist das anspruchsvollste System für nachhaltiges Umweltmanagement weltweit und wird von der Europäischen Union entwickelt und unterstützt.
Der im Rahmen von OekoWin erstellte Umweltbericht erfüllt bereits wesentliche Anforderungen eines freiwilligen Nachhaltigkeitsreportings sowie eines Abfallwirtschaftskonzeptes. Das Programm kombiniert individuelle Beratung mit einer strukturierten Workshopreihe zu aktuellen Themen wie Abfall- und Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaanpassung. Ein zusätzlicher Vorteil: Mitarbeiter erhalten eine Ausbildung zum Abfallbeauftragten.
Interessierte Unternehmen können sich noch bis zum 4. Mai 2026 für OekoWin anmelden. Alle relevanten Informationen finden sich auf der offiziellen Website des Programms.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky betonte bei der Veranstaltung die zentrale Rolle der Wirtschaft für die Erreichung der ambitionierten Wiener Klimaziele. "Wenn wir die Wiener Klimaziele erreichen wollen, brauchen wir die Wirtschaft als aktive Partnerin", erklärte der Stadtrat. "OekoBusiness Wien liefert genau das: Betriebe, die Umwelt- und Klimaschutz nicht als Pflicht, sondern als Chance begreifen."
Die Stadt Wien hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden - ein ambitioniertes Vorhaben, das nur durch die Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Akteure erreicht werden kann. Unternehmen spielen dabei eine Schlüsselrolle, da sie sowohl als Verursacher von Emissionen als auch als Innovationstreiber für nachhaltige Technologien fungieren.
Im österreichweiten Vergleich nimmt Wien mit OekoBusiness Wien eine Vorreiterrolle ein. Während andere Bundesländer ähnliche Programme entwickelt haben, zeichnet sich das Wiener Modell durch seine Langfristigkeit, die umfassende Datenerfassung und die breite Finanzierungsbasis aus. Salzburg beispielsweise betreibt das Programm "ÖkoProfit", Oberösterreich setzt auf "Ökoland" und die Steiermark auf "Ökoprofit Steiermark", doch keines dieser Programme kann auf eine vergleichbare Erfolgsgeschichte und Datenbasis zurückblicken.
Die Erfolge von OekoBusiness Wien haben direkte positive Auswirkungen auf das Leben der Wienerinnen und Wiener. Die eingesparten 3 Terawattstunden Energie entsprechen einer deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen und tragen zur Verbesserung der Luftqualität in der Stadt bei. Die Abfallreduktion von über 128.000 Tonnen entlastet nicht nur die städtischen Entsorgungssysteme, sondern reduziert auch die Umweltbelastung durch Deponien und Verbrennungsanlagen.
Für die Bürger bedeutet dies konkret: sauberere Luft, weniger Verkehrsbelastung durch Müllransporte und eine insgesamt nachhaltigere Stadtentwicklung. Darüber hinaus stärkt das Programm Wien als Wirtschaftsstandort und macht die Stadt für umweltbewusste Unternehmen und Fachkräfte attraktiver.
Die teilnehmenden Betriebe setzen vielfältige Maßnahmen um: Von der Installation moderner LED-Beleuchtung über die Optimierung von Heizungs- und Kühlsystemen bis hin zur Implementierung ausgeklügelter Recyclingsysteme. Viele Unternehmen haben auch ihre Mobilität umgestellt, fördern öffentliche Verkehrsmittel für ihre Mitarbeiter oder investieren in Elektrofahrzeuge für den Fuhrpark.
OekoBusiness Wien nutzt auch moderne Kommunikationskanäle, um seine Botschaft zu verbreiten. Seit März 2021 gibt es einen eigenen Podcast namens "Dreiviertel Zwölf", der auf gängigen Podcast-Plattformen verfügbar ist. In den Episoden werden erfolgreiche Projekte vorgestellt, Expertenwissen vermittelt und aktuelle Entwicklungen im Bereich nachhaltiges Wirtschaften diskutiert.
Die umfassende Online-Präsenz ermöglicht es interessierten Unternehmen, sich vorab über das Programm zu informieren und bereits erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit zu planen.
Michael Kienesberger, Leiter der Stadt Wien - Umweltschutz, betont die systemische Wirkung des Programms: "Betriebe im OekoBusiness Wien-Netzwerk reduzieren nicht nur Emissionen und Ressourcenverbrauch, sie stärken auch die ökologische Resilienz unserer Stadt. Das ist Umweltschutz, der über den eigenen Betrieb hinauswirkt."
Die kommenden Jahre werden entscheidend sein für die Weiterentwicklung des Programms. Neue Herausforderungen wie die EU-Taxonomie-Verordnung, verschärfte Nachhaltigkeitsberichtspflichten und die Notwendigkeit der Klimaanpassung an den Klimawandel erfordern kontinuierliche Anpassungen des Beratungsangebots.
Das OekoBusiness Wien-Team unter der Leitung von Verena Haider, Bertram Häupler und dem neuen Programmverantwortlichen David Ecker arbeitet bereits an der Weiterentwicklung des Angebots. Dabei stehen Themen wie Klimaresilienz, nachhaltige Lieferketten und die Integration von Künstlicher Intelligenz in Umweltmanagementsysteme im Fokus.
Wien plant auch, seine Erfahrungen mit anderen europäischen Städten zu teilen und von deren Best Practices zu lernen. Der Austausch mit Städten wie Kopenhagen, Amsterdam oder Barcelona könnte neue Impulse für die Weiterentwicklung von OekoBusiness Wien liefern und Wien als internationale Referenz für nachhaltiges Stadtmanagement etablieren.
Die Auszeichnung von 138 Betrieben zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltiges Wirtschaften in Wien keine Utopie, sondern gelebte Realität ist. Mit über 25 Jahren Erfahrung und einer beeindruckenden Erfolgsbilanz hat sich OekoBusiness Wien als unverzichtbarer Partner für Unternehmen etabliert, die Verantwortung für Umwelt und Klima übernehmen wollen.
Die Einführung der "OekoBusiness Wien Stars"-Auszeichnung unterstreicht die Wertschätzung für langfristiges Engagement und motiviert weitere Unternehmen, den Weg der Nachhaltigkeit einzuschlagen. Für Wien bedeutet dies einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt und eine Stärkung der Position als nachhaltiger Wirtschaftsstandort in Europa.
Unternehmen, die noch nicht Teil des OekoBusiness Wien-Netzwerks sind, haben weiterhin die Möglichkeit, sich zu informieren und anzumelden. Die Erfolgsgeschichten der bereits teilnehmenden Betriebe zeigen: Der Einsatz für Umwelt und Klima zahlt sich aus - sowohl ökologisch als auch ökonomisch.