Skiregion Diedamskopf entwickelt innovatives Sicherheitssystem gegen Lawinenunfälle
Neue Technologie sendet automatisch Lawinenwarnungen aufs Smartphone - ohne App-Download oder Registrierung erforderlich.
Angesichts des tödlichsten Lawinenwinters der vergangenen Jahre in Österreich setzt die Skiregion Diedamskopf auf innovative Technologie im Kampf gegen Lawinenunfälle. Das neu entwickelte System "Avalanche Alerts" nutzt die bestehende Online-Werbeinfrastruktur, um Wintersportlern automatisch kontextbezogene Lawinenwarnungen auf ihre Smartphones zu senden.
Das besondere an dem System: Es funktioniert ohne vorherigen App-Download, ohne Registrierung und ohne manuelle Aktivierung durch den Nutzer. Statt kommerzieller Werbung erhalten Personen im alpinen Gelände automatisch Sicherheitswarnungen, sobald sie sich in gefährdeten Bereichen aufhalten. Das System arbeitet dabei vollständig DSGVO-konform.
"Klassische Warnhinweise verlieren durch ihre dauerhafte Sichtbarkeit an Wirkung", erklärt die Problematik hinter der Entwicklung. Trotz bestehender Warnschilder und Sperrhinweise kommt es weiterhin zu schweren Unfällen, häufig weil die Risiken unterschätzt werden.
Die Grundlage des Systems bildet eine detaillierte Unterteilung des Geländes in digitale Sicherheitszonen. Diese werden auf Basis aktueller Lawinenlageberichte, topografischer Geländeanalysen und der langjährigen Erfahrung lokaler Alpinexperten und Pistenverantwortlicher definiert.
Sobald sich ein Smartphone in einer Hochrisikozone befindet, wird über die eigens entwickelte "Anti Avalanche Ads Plattform" eine ortsgenaue Warnmeldung ausgespielt. Das System zielt dabei nicht nur darauf ab, im Moment der Gefahr zu warnen, sondern auch zu verhindern, dass gesperrte oder lawinengefährdete Hänge erneut befahren werden.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Prävention wiederholter Fahrten in gefährliche Bereiche. Nach einer folgenlosen ersten Abfahrt neigen Wintersportler häufig dazu, die gleichen risikoreichen Hänge erneut zu befahren - ein Verhalten, das das Unfallrisiko erheblich steigert.
Avalanche Alerts richtet sich sowohl an Wintersportler im Skigebiet als auch an Tourengeher im freien alpinen Gelände. Nach einer zweimonatigen Testphase wurde die Initiative Ende Februar im gesamten Skigebiet Diedamskopf ausgerollt.
Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit den Partnern ScreenOnDemand, Demner, Merlicek & Bergmann (DMB) und Media1. Diese Kooperation ermöglichte es, die vorhandene Werbeinfrastruktur für Sicherheitszwecke zu nutzen.
Ein wesentlicher Aspekt der Initiative ist ihre Verfügbarkeit für andere Regionen. Avalanche Alerts wurde als Open-Source-System konzipiert und kann von allen interessierten Gebieten übernommen werden.
"Lawinensicherheit darf kein Wettbewerbsvorteil sein", betont Stefan Lucchini, MSc, Geschäftsführer der Skiregion Diedamskopf. "Wenn ein System hilft, Menschen früher zu erreichen, sollte es allen zugänglich sein."
Die Initiative zeigt, wie bestehende digitale Infrastrukturen für gesellschaftlich relevante Zwecke genutzt werden können. Anstatt die Aufmerksamkeit der Nutzer für kommerzielle Zwecke zu beanspruchen, wird sie für ihre Sicherheit eingesetzt.
Die Entwicklung von Avalanche Alerts erfolgte als direkte Reaktion auf die dramatische Lawinensituation in Österreich. Der aktuelle Winter gilt als einer der tödlichsten der vergangenen Jahre, was den Handlungsbedarf für innovative Sicherheitslösungen unterstreicht.
Das System adressiert dabei ein grundlegendes Problem im Risikomanagement: Die Gewöhnung an permanente Warnsignale. Während statische Warnschilder oft übersehen oder ignoriert werden, können dynamische, kontextbezogene Warnungen die Aufmerksamkeit der Nutzer gezielter erreichen.
Mit der Open-Source-Verfügbarkeit des Systems könnte Avalanche Alerts zum Standard für digitale Lawinenwarnungen in alpinen Gebieten werden. Die Kombination aus lokaler Expertise, aktuellen Lagebedaten und innovativer Technologie bietet einen vielversprechenden Ansatz für die Verbesserung der Wintersportsicherheit.
Die Initiative zeigt auch, wie Digitalisierung in sensiblen Bereichen eingesetzt werden kann, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu verletzen. Die DSGVO-konforme Umsetzung ohne Registrierungszwang könnte als Vorbild für ähnliche Sicherheitssysteme dienen.
Ob sich das System bewährt und von anderen Regionen übernommen wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Skiregion Diedamskopf hat jedenfalls einen wichtigen ersten Schritt in Richtung digitaler Lawinensicherheit unternommen.