65 Jahre Verkehrsunfallstatistik zeigen drastischen Rückgang der Todesopfer trotz dreifachem Fahrzeugbestand
Seit 1961 starben 87.300 Menschen bei Verkehrsunfällen in Österreich. Trotz enormer Fortschritte bleiben weitere Maßnahmen nötig.
Eine erschütternde Bilanz, die aber auch Hoffnung macht: Seit Beginn der systematischen Verkehrsunfallstatistik im Jahr 1961 sind in Österreich 87.308 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Gleichzeitig zeigen die Zahlen des ÖAMTC aber auch eine bemerkenswerte Entwicklung in der Verkehrssicherheit auf.
Die Statistik offenbart einen beeindruckenden Fortschritt: Während 1972 – dem schwärzesten Jahr der österreichischen Verkehrssicherheit – noch 2.948 Menschen auf den Straßen starben, waren es 2025 nur noch 397 Todesopfer. Das entspricht einem Rückgang um 87 Prozent. Parallel dazu stieg der Kraftfahrzeugbestand von 2,5 Millionen Fahrzeugen im Jahr 1972 auf 7,5 Millionen Ende 2025 – eine Verdreifachung.
"Leider ist die Zahl der Unfälle und Verletzten nicht im gleichen Ausmaß gesunken", relativiert ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé die positive Entwicklung. Mit 37.117 Unfällen im Jahr 2024 beträgt der Rückgang seit 1972 lediglich 30 Prozent, bei den Verletzten sind es 36 Prozent weniger (45.995 Verletzte 2024).
Die Verkehrssicherheitsstrategie des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) sieht eine Halbierung der Verkehrstoten bis 2030 vor. Nach diesem Plan dürften 2030 höchstens 207 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kommen. Nosé sieht diese Zielsetzung skeptisch: "Damit wir auf Kurs bleiben, hätte es im Vorjahr nicht mehr als 310 Verkehrstote geben dürfen. Tatsächlich ist die Zahl aber nur um 3,9 Prozent gesunken im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019. Das zeigt, dass wir vom Zielwert noch weit entfernt sind."
Der ÖAMTC-Experte betont, dass die zukünftige Verkehrssicherheitsarbeit nicht nur auf die Reduzierung der Todesopfer abzielen darf, sondern sich darauf konzentrieren muss, die Zahl an Schwer- und Schwerstverletzten deutlich zu senken.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen laut ÖAMTC die sogenannten ungeschützten Verkehrsteilnehmer. Fußgänger und Radfahrer, insbesondere E-Bike- und E-Tretrollerfahrer, zeigen steigende Unfall- und Getötetenzahlen. "Eine allgemeine Helmpflicht für E-Bikende ohne Strafandrohung sowie eine Helmpflicht für E-Scooterfahrende mit Strafandrohung kann zwar keine Unfälle vermeiden, aber die Unfallschwere minimieren und Leben retten", erklärt Nosé.
Das Ziel müsse sein, möglichst viele Nutzer zum Helmtragen zu motivieren. Allein heuer gab es bis zum 1. März bereits 35 Verkehrstote – ein Zeichen dafür, dass weitere Maßnahmen dringend erforderlich sind.
Der drastische Rückgang der Todesopfer geht vor allem auf enorme Verbesserungen im Bereich der Fahrzeugsicherheit zurück. Scheibenbremsen, Knautschzonen, Drei-Punkt-Gurt, Airbags, ABS, ESP und restriktivere Vorgaben bei Crashtests haben entscheidend zur positiven Entwicklung beigetragen.
Der ÖAMTC spielte dabei eine wichtige Rolle: Gemeinsam mit seinen Partnerclubs begann der Mobilitätsclub vor rund 35 Jahren mit der Durchführung von Crashtests und leistete damit einen wesentlichen Beitrag dafür, dass Fahrzeughersteller mehr in die Fahrzeugsicherheit investieren.
Parallel zur technischen Entwicklung trugen auch gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bei:
Um die Verkehrssicherheit weiter zu erhöhen, fordert der ÖAMTC exakte Unfallanalysen als Basis für ideologiefreie Maßnahmen. Verbesserungen der verkehrstechnischen Ausstattung sowie beim Erhaltungszustand der Straßen seien unabdingbar.
"Ein selbsterklärender und fehlerverzeihender Straßenraum, gut ausgebildete und sicherheitsbewusste Verkehrsteilnehmer sowie eine rasche Marktdurchdringung von neuesten Fahrassistenzsystemen können wichtige Beiträge liefern, um die Verkehrssicherheit weiter zu erhöhen", betont Nosé.
Von 1. Jänner 1961 bis 31. Dezember 2025 verunglückten bei 2,7 Millionen Verkehrsunfällen mit Personenschaden 3,6 Millionen Menschen. 87.308 davon kamen ums Leben. Die Entwicklung zeigt:
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass trotz der enormen Zunahme des Verkehrsaufkommens die Zahl der Todesopfer so drastisch gesunken ist. Dies zeigt, dass technische Fortschritte und gesetzliche Maßnahmen greifen, aber noch nicht ausreichend sind.
Die Corona-Pandemie sorgte 2020 und 2021 für ungewöhnlich niedrige Unfallzahlen durch Lockdowns und reduziertes Verkehrsaufkommen. Mit der Normalisierung des Verkehrs stiegen auch die Unfallzahlen wieder an, was den Handlungsbedarf unterstreicht.
Der ÖAMTC sieht die Zukunft der Verkehrssicherheit in einer Kombination aus technischen Innovationen, infrastrukturellen Verbesserungen und gezielten Präventionsmaßnahmen. Dabei müsse der Schutz aller Verkehrsteilnehmer, insbesondere der ungeschützten, im Fokus stehen.
Die 65-jährige Verkehrsunfallstatistik zeigt: Österreich hat bei der Verkehrssicherheit enorme Fortschritte gemacht. Um die ambitionierten Ziele bis 2030 zu erreichen, sind jedoch verstärkte Anstrengungen aller Beteiligten erforderlich – von der Politik über die Fahrzeugindustrie bis hin zu jedem einzelnen Verkehrsteilnehmer.