Medienjurist Matthias Kettemann übernimmt Vorsitz im Senat 1
Der Österreichische Presserat hat eine neue Führung: Wolfgang Sablatnig wird Präsident, Matthias Kettemann Senatsvorsitzender.
Der Österreichische Presserat hat eine neue Führungsspitze: Wolfgang Sablatnig wurde gestern einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt, während Matthias Kettemann den Vorsitz des Senats 1 übernimmt. Die Personalentscheidungen sollen die Selbstkontrolle der Medien in Zeiten von Fake News und Desinformation stärken.
Wolfgang Sablatnig bringt umfangreiche journalistische Erfahrung in sein neues Amt mit. Der gebürtige Oberösterreicher arbeitet im Wiener Büro der "Tiroler Tageszeitung" und vertritt seit vielen Jahren den "Presseclub Concordia" im Trägerverein des Presserats. Seine Laufbahn begann bei der Austria Presse Agentur (APA), bevor er zwei Jahre lang als Pressesprecher des Verfassungsgerichtshofes tätig war.
Darüber hinaus ist Sablatnig in der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure aktiv, was seine enge Verbindung zur politischen Berichterstattung unterstreicht. Diese vielfältige Erfahrung im österreichischen Medienwesen qualifiziert ihn besonders für die verantwortungsvolle Position als Präsident des Presserats.
In seiner ersten Stellungnahme als neuer Präsident betonte Sablatnig die Bedeutung der medialen Selbstkontrolle: "Die Selbstkontrolle ist angesichts von Fake News, Polarisierung und Desinformation unverzichtbar, um das Vertrauen in Qualitätsmedien und professionellen Journalismus zu sichern." Er kündigte an, dass der Vorstand des Presserates alles daran setzen werde, damit die Kolleginnen und Kollegen in den drei Entscheidungssenaten ihre wichtige Aufgabe bestmöglich erfüllen können.
Diese Aussage spiegelt die aktuellen Herausforderungen wider, denen sich die Medienlandschaft gegenübersieht. In einer Zeit, in der Desinformation und polarisierende Inhalte zunehmen, gewinnt die Rolle von Selbstkontrollorganen wie dem Presserat an Bedeutung.
Neben Sablatnig wurde auch Gerald Grünberger in eine Führungsposition gewählt. Er übernimmt das Amt des Vizepräsidenten und wurde vom "Österreichischen Zeitschriften- und Fachmedienverband" für diese Position nominiert. Diese Wahl unterstreicht die breite Repräsentation verschiedener Medienbereiche in der Führung des Presserats.
Eine weitere wichtige Personalentscheidung betrifft den Vorsitz des Senats 1: Matthias Kettemann, Professor für Innovation, Theorie und Philosophie des Rechts an der Universität Innsbruck, wurde einstimmig in diese Position gewählt. Der Medien- und Digitalrechtsexperte bringt umfangreiche Expertise in einem besonders relevanten Bereich mit.
Kettemanns Forschungsschwerpunkte liegen im Medienrecht und bei digitalen Kommunikationsräumen. Er leitet Forschungsprogramme am renommierten "Leibniz-Institut für Medienforschung - Hans-Bredow-Institut" in Hamburg, am "Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft" in Berlin sowie am "Sustainable Computing Lab" der Wirtschaftsuniversität Wien.
Kettemann äußerte sich optimistisch zu seiner neuen Aufgabe: "Von der Schülerzeitung über die Fakultätszeitung: Mich hat Journalismus immer fasziniert. Der Presserat trägt als ein Instrument der Selbstregulierung entscheidend dazu bei, dass die hohe Qualität der Berichterstattung in Österreichs Medien gesichert ist."
Besonders interessant ist seine Zukunftsvision: "Stellen Sie sich nur vor, wir hätten so etwas auch für Onlinemedien und die Kommunikation in digitalen Diensten." Diese Aussage deutet darauf hin, dass der neue Senatsvorsitzende die Rolle des Presserats möglicherweise auch auf digitale Plattformen und Online-Kommunikation ausweiten möchte.
Kettemann folgt auf Maria Berger, die sich auf eigenen Wunsch aus ihrer Position zurückzieht. Der Presserat würdigte ihre "herausragende Arbeit" und dankte ihr für ihren Einsatz. Bergers Rückzug ermöglicht nun einen Generationswechsel, der neue Impulse für die Arbeit des Gremiums bringen könnte.
Der Österreichische Presserat fungiert als Selbstkontrollorgan der heimischen Medien und spielt eine zentrale Rolle bei der Wahrung journalistischer Standards. Das Gremium bearbeitet Beschwerden über Medieninhalte und gibt Empfehlungen zur Einhaltung ethischer Grundsätze im Journalismus ab.
Die drei Entscheidungssenate des Presserats setzen sich aus Journalistinnen und Journalisten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Öffentlichkeit zusammen. Sie entscheiden über eingereichte Beschwerden und tragen so zur Qualitätssicherung in der österreichischen Medienlandschaft bei.
Die neue Führung des Presserats steht vor erheblichen Herausforderungen. Die Digitalisierung der Medienlandschaft, die Zunahme von Online-Formaten und die Verbreitung von Desinformation erfordern neue Ansätze in der medialen Selbstkontrolle.
Gleichzeitig muss das Vertrauen der Öffentlichkeit in qualitätsvollen Journalismus gestärkt werden. Die Kombination aus Sablatnigs praktischer Medienerfahrung und Kettemanns digitalrechtlicher Expertise könnte dabei einen wertvollen Beitrag leisten.
Die einstimmigen Wahlen beider Kandidaten zeigen, dass die Medienbranche geschlossen hinter den neuen Führungskräften steht und deren Kompetenzen für die anstehenden Aufgaben als geeignet ansieht.