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Energieverbände warnen vor neuer Krise durch Nahost-Konflikt

Offener Brief fordert beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien

5. März 2026 um 12:00
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Österreichs Energieverbände sehen das Land durch den Nahost-Konflikt vor einer neuen Energiekrise und fordern raschen Ausbau heimischer Quellen.

Österreichs führende Energieverbände schlagen Alarm: Die Eskalation im Nahen Osten bedroht erneut die Energiesicherheit des Landes und könnte binnen vier Jahren zu einer schweren Energiekrise führen. In einem eindringlichen offenen Brief an den Nationalen Sicherheitsrat warnt der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden vor den Folgen der anhaltenden Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten.

Strukturelles Risiko durch fossile Energien

"Preiskrisen sind kein Ausnahmefall, sondern ein strukturelles, dauerhaftes Risiko eines fossilen Energiesystems", betont der Dachverband in seinem Schreiben an Bundeskanzler, Vizekanzler, Außenministerin und die Landeshauptleute. Die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten haben die Weltmarktpreise für Öl und Gas bereits unmittelbar steigen lassen und gefährden zentrale Energiehandelsrouten.

Die Verbände sehen darin eine direkte Bedrohung für Wohlstand, Arbeitsplätze und Sicherheit in Österreich. Solange Kohle, Öl und Erdgas die heimische Energieversorgung dominieren, bleibe das Land anfällig für geopolitische Schocks, argumentieren die Experten.

Konkreter Fahrplan für Energieunabhängigkeit

Der offene Brief enthält einen detaillierten Maßnahmenkatalog, mit dem Österreich bereits in den nächsten vier Jahren deutlich unabhängiger werden könnte. Die Energieverbände haben konkrete Projekte und Potenziale identifiziert:

Windenergie als Schlüsseltechnologie

Mit 3.500 Megawatt umsetzungsreifer Windenergieprojekte könnte nahezu ein Drittel des österreichischen Stromverbrauchs durch heimische Windkraft abgedeckt werden. Diese Projekte warten bereits auf ihre Umsetzung und benötigen lediglich schnellere Verfahren sowie leistungsfähige Stromnetze.

Wärmewende für 1,2 Millionen Haushalte

Besonders vulnerable sind derzeit 1,2 Millionen Haushalte, die von Erdgas- und Erdölimporten abhängig und Energiepreisschocks schutzlos ausgeliefert sind. Durch eine Verdoppelung des Budgets für den Heizkesseltausch könnten jährlich mehr als 60.000 Haushalte auf erneuerbare Heizsysteme umgestellt werden – darunter Hackgut, Pellets, Wärmepumpen und Nahwärme.

Biomethan als Erdgas-Alternative

Mit 3 Terawattstunden (TWh) könnte der Hochlauf für Biomethan gestartet werden. Bis 2040 wäre die Einspeisung von mindestens 10 TWh erneuerbarem Gas in das heimische Erdgasnetz möglich. Voraussetzung dafür ist allerdings die rasche Verabschiedung des Erneuerbaren-Gas-Gesetzes.

Photovoltaik und Speicheroffensive

Eine konsequente Fortsetzung des Photovoltaik-Zubaus der vergangenen Jahre ermöglicht weitere 8.000 Megawatt und damit die Deckung von rund 20 Prozent des Stromverbrauchs. Parallel dazu fordern die Verbände eine wirksame Speicheroffensive.

Kleinwasserkraft mit bestehender Infrastruktur

Durch eine Offensive zur besseren Nutzung bestehender Infrastruktur könnten 500 Megawatt und damit mehr als 2,2 TWh zusätzliche Kleinwasserkraft gewonnen werden.

Drei-Säulen-Modell für Energiesicherheit

Die Energieverbände bieten dem Nationalen Sicherheitsrat ihre fachliche Expertise für eine nationale Energiesicherheitsstrategie an, die auf drei zentralen Säulen basieren soll:

Erstens die maximale Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien in den Bereichen Strom, Gas und Wärme. Dabei sollen die in Österreich verfügbaren Energiequellen – Sonne, Wind, Wasser, Bioenergie und Erdwärme – optimal genutzt werden.

Zweitens fordern die Verbände klare Reduktionspfade für Importe von Öl und Gas, um die strukturelle Abhängigkeit systematisch zu verringern.

Drittens brauche es die Schaffung eines vertrauenswürdigen, stabilen und investitionsfreundlichen Rahmens für Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger, um private Investitionen in erneuerbare Energien zu fördern.

Wirtschaftliche Notwendigkeit stabiler Energiepreise

Die Verbände betonen, dass Energie nicht zu einem dauerhaften Unsicherheitsfaktor für Haushalte und Unternehmen werden dürfe. Besonders Wirtschaft und Industrie seien auf stabile und planbare Energiepreise angewiesen – gerade jetzt, wo sich viele noch von der letzten Energiekrise erholen.

"Jede Kilowattstunde aus heimischen erneuerbaren Quellen stärkt unser Land: gegen Preisschocks, gegen Inflation, gegen Energiearmut und gegen Versorgungsengpässe", argumentieren die Energieexperten.

Bundesweite Kooperation gefordert

Der offene Brief richtet sich gezielt an alle politischen Ebenen – von der Bundesregierung über die Landeshauptleute bis hin zu den Bürgermeistern. Die Verbände sehen in einem gemeinsamen Befreiungsschlag die einzige Möglichkeit, Österreich aus der Abhängigkeit von Energieimporten aus Krisenregionen zu befreien.

"Vom Zillertal über das Lavanttal bis in die Pannonische Ebene, von Bregenz bis Eisenstadt – der Ausbau rot-weiß-roter Energien ist jetzt das Gebot der Stunde", heißt es in dem Schreiben. Jede Verzögerung verlängere die Abhängigkeit von Erdgas und Erdöl aus Krisenregionen und damit von Autokraten und Diktatoren.

Breite Allianz der Energieverbände

Unterzeichnet wurde der offene Brief von den Geschäftsführern aller wichtigen Energieverbände Österreichs: Neben dem Dachverband Erneuerbare Energie Österreich unter der Leitung von Martina Prechtl-Grundnig sind Austria Solar, Geothermie Österreich, IG Holzkraft, IG Windkraft, Kleinwasserkraft Österreich, der Kompost und Biogas Verband, der Österreichische Biomasseverband, Photovoltaic Austria und proPellets Austria beteiligt.

Diese breite Allianz unterstreicht die Dringlichkeit der Situation aus Sicht der gesamten erneuerbaren Energiebranche. Die Verbände sehen sich bereit für eine beschleunigte Energiewende und fordern die Politik auf, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Zeitdruck durch geopolitische Lage

Die aktuelle geopolitische Lage im Nahen Osten verleiht den Forderungen zusätzliche Brisanz. Die Energieverbände sehen darin einen weiteren Beweis für die Verwundbarkeit Österreichs durch die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus instabilen Regionen.

Die Botschaft ist klar: Österreich kann und muss jetzt handeln, um seine Energiesicherheit durch den Ausbau heimischer erneuerbarer Energien zu stärken. Die Zeit für halbherzige Maßnahmen sei vorbei – gefragt sei jetzt ein entschlossener gemeinsamer Kraftakt aller politischen Ebenen.

Schlagworte

#Energiekrise#Erneuerbare Energie#Nahost-Konflikt#Energiesicherheit#Österreich

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