Neue Allianz-Studie zeigt: Fortschritte beim Lebenseinkommen verlangsamen sich merklich
Eine aktuelle Studie der Allianz zeigt positive Entwicklungen bei der Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern in Österreich.
Anlässlich des Internationalen Frauentags präsentiert die Allianz neue Zahlen zur Einkommensentwicklung zwischen den Geschlechtern. Die gute Nachricht: Die Einkommenslücke über das gesamte Leben hinweg ist in Österreich deutlich geschrumpft. Die weniger erfreuliche: Der Fortschritt verlangsamt sich spürbar, und Österreich liegt im internationalen Vergleich nur im hinteren Mittelfeld.
Die von Allianz Research durchgeführte Studie "Closing the Gender Income Gap: From Paycheck to Pension" analysiert erstmals das gesamte Lebenseinkommen von Frauen und Männern - von den ersten Erwerbsjahren bis zur Pension. Das Ergebnis zeigt eine kontinuierliche Verbesserung: Während Frauen des Geburtenjahrgangs 1975 noch eine Einkommenslücke von 31,4 Prozent aufweisen, ist diese beim Jahrgang 2025 auf 19,4 Prozent gesunken.
"Unsere Studie betrachtet das Lebenseinkommen ganzheitlich – von Erwerbseinkommen über Spar- und Kapitalerträge bis hin zu Pensionsansprüchen", erklärt Ludovic Subran, Chief Investment Officer und Chefvolkswirt der Allianz. Das entwickelte Lebenszyklusmodell berücksichtigt dabei alle Einkommensquellen und zeichnet ein umfassendes Bild der finanziellen Situation über die gesamte Lebensspanne.
Besonders auffällig ist jedoch die Verlangsamung des Fortschritts. Während sich die Lücke zwischen den Jahrgängen 1975 und 2000 um neun Prozentpunkte verringerte, beträgt die Verbesserung zwischen 2000 und 2025 nur noch drei Prozentpunkte. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass strukturelle Hindernisse zunehmend schwerer zu überwinden sind.
Konkret bedeutet dies für eine heute 26-jährige Frau des Jahrgangs 2000: Sie wird über ihr gesamtes Erwerbsleben hinweg im Durchschnitt rund 1,24 Millionen Euro weniger verdienen als ein gleichaltriger Mann. Diese Berechnung berücksichtigt nominal alle Einkommensformen - Erwerbseinkommen, Kapitalerträge und Pensionseinkünfte.
Im internationalen Vergleich zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Österreich landet beim verbleibenden Einkommensabstand des Jahrgangs 2025 nur auf Rang 11 von 14 untersuchten OECD-Ländern. An der Spitze steht überraschend Schweden, wo Frauen dieses Jahrgangs sogar ein leicht höheres Lebenseinkommen erzielen könnten als Männer (-2,4 Prozent). Das Schlusslicht bildet die Schweiz mit einer Lücke von 32,1 Prozent.
Diese Positionierung ist besonders bemerkenswert, da Österreich in anderen Bereichen der Gleichstellung durchaus Fortschritte gemacht hat. Die Erwerbsquoten nähern sich kontinuierlich an - 74,2 Prozent bei Frauen gegenüber 82,1 Prozent bei Männern. Auch bei den Stundenlöhnen ist eine positive Entwicklung erkennbar.
Der zentrale Faktor für die anhaltende Einkommenslücke ist die hohe Teilzeitquote bei Frauen. In der Altersgruppe der 25- bis 49-Jährigen arbeiten 52 Prozent der Frauen in Teilzeit, während es bei den Männern nur 11 Prozent sind. Bei den 50- bis 59-Jährigen ist das Verhältnis mit 50 zu 8 Prozent ähnlich ausgeprägt.
"Der Gender Pay Gap ist in den letzten Jahren zurückgegangen, doch wir sind noch lange nicht am Ziel", betont Sabine Stöger, Chief Financial Officer der Allianz Österreich. "Dabei sind sowohl faire und angemessene Vergütung über alle Branchen als auch echte Chancengleichheit über das gesamte Berufsleben hinweg, bis hin zur Pension entscheidend."
Diese Teilzeitbeschäftigung hat weitreichende Folgen: Niedrigere Einkommen während des Berufslebens begrenzen nicht nur den aktuellen Lebensstandard, sondern auch den Vermögensaufbau und führen zu geringeren Pensionsansprüchen. Das Risiko von Altersarmut bleibt dadurch für Frauen erhöht.
Immerhin zeigt sich bei den Stundenlöhnen eine ermutigende Entwicklung. Frauen könnten Männer in den 2050er-Jahren sowohl in Vollzeit- als auch in Teilzeitbeschäftigung beim Stundenverdienst überholen. Dennoch bleibt das durchschnittliche jährliche Arbeitseinkommen von Frauen aufgrund der höheren Teilzeitquote deutlich niedriger.
2026 werden Frauen in Österreich voraussichtlich insgesamt 32,5 Prozent weniger verdienen als Männer. Sollten die strukturellen Trends unverändert bleiben, könnte die Lücke selbst im Jahr 2100 noch bei 17 Prozent liegen - ein Zeichen dafür, dass ohne aktive Maßnahmen keine vollständige Gleichstellung erreicht wird.
Katharina Utermöhl, Head of Thematic and Policy Research bei Allianz Research, sieht Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen: "Um die verbleibenden Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern zu schließen, sind Reformen in allen Phasen des Erwerbslebens erforderlich."
Als wichtige Maßnahmen nennt sie:
Ein interessanter Aspekt der Studie betrifft die Nutzung neuer Technologien. Derzeit gibt es eine 16-prozentige Lücke bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag zwischen Frauen und Männern. Das Schließen dieser Lücke könnte Frauen dabei helfen, stärker an künftigen Produktivitätsgewinnen teilzuhaben.
Neben strukturellen Reformen setzt die Allianz auch auf bessere Finanzbildung. "Als Versicherungsunternehmen setzen wir uns dafür ein, Finanzbildung und Vorsorge zu stärken, damit Frauen Vermögen aufbauen und Pensionslücken nachhaltig schließen können", erklärt Stöger.
Für den langfristigen Vermögensaufbau sei es wichtig, frühzeitig zu sparen und zu investieren, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Eine bessere Finanzbildung könne die jährliche Rendite um bis zu 1,5 Prozentpunkte erhöhen, wie frühere Studien der Allianz gezeigt haben.
Die Studie macht deutlich, dass der Weg zur vollständigen Einkommensgleichstellung noch lang ist. Zwar sind die Fortschritte der letzten Jahrzehnte beachtlich, doch ohne verstärkte Anstrengungen wird es noch Generationen dauern, bis die Lücke vollständig geschlossen ist.
Besonders problematisch ist, dass sich die Verbesserungen verlangsamen. Dies deutet darauf hin, dass die "niedrig hängenden Früchte" bereits geerntet wurden und nun strukturelle Veränderungen notwendig sind, die schwieriger umzusetzen sind.
Die Ergebnisse der Allianz-Studie unterstreichen, dass Gleichstellung nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit ist, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen hat. Eine vollständige Nutzung des weiblichen Potenzials am Arbeitsmarkt würde nicht nur den betroffenen Frauen zugutekommen, sondern auch der gesamten Volkswirtschaft.
Die Analyse von drei Generationen zeigt dabei eindrucksvoll, wie sich gesellschaftliche Veränderungen in konkreten Zahlen niederschlagen - und wie viel Arbeit noch vor uns liegt, um echte Chancengleichheit zu erreichen.