LK-Präsident sieht in Nahost-Krise Bestätigung für mehr heimische Energieproduktion
Angesichts neuer Krisen fordert LK-Präsident Josef Moosbrugger den Ausbau erneuerbarer Energien und faire Treibstoffbesteuerung für Landwirte.
Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten haben die Diskussion um Österreichs Energiesicherheit neu entfacht. Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, sieht in der aktuellen Krise eine Bestätigung für seine langjährigen Forderungen nach mehr Energieunabhängigkeit.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Österreich ist bei der Erdgasversorgung zu über 90 Prozent und bei Erdöl zu mehr als 95 Prozent auf Importe angewiesen. Diese Abhängigkeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschärft. Während der Selbstversorgungsgrad bei Erdöl und Erdölprodukten in den 1970er Jahren noch rund 30 Prozent betrug, ist er seit 2020 auf unter fünf Prozent eingebrochen.
Bei fossilen Gasen zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Selbstversorgungsgrad schrumpfte im selben Zeitraum von etwa 70 Prozent auf unter zehn Prozent. "Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, was das Thema Versorgungssicherheit angeht", betont Moosbrugger.
Als Alternative zu fossilen Energieträgern aus politisch instabilen Regionen setzt der LK-Präsident auf biogene Energieträger. Diese seien nicht nur die wichtigste heimische Energieressource Österreichs, sondern auch ganzjährig für alle Anwendungen im Wärme-, Treibstoff- und Strombereich einsetzbar.
Besonders hervorhebt Moosbrugger die auch im Winterhalbjahr sichere Versorgung mit Biomasse und Biogas. "Eine nachhaltige, klimaschonende Lösung kann nur durch mehr heimische Energie erreicht werden", erklärt er und verweist auf die bereits erreichten Erfolge: Bei erneuerbaren Energien erreicht Österreich laut Energiebilanz der Statistik Austria seit 1970 einen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent.
Trotz dieser Potenziale sieht Moosbrugger erhebliche Hindernisse bei der weiteren Entwicklung der Bioenergie. Er fordert ein zügiges Vorankommen beim neu zu schaffenden Erneuerbaren Gase Gesetz (EGG) und bessere Rahmenbedingungen für biogene Energieträger beim bestehenden Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG).
"Wir brauchen endlich stabile, bessere Rahmenbedingungen für biogene Energieträger bei den dringend notwendigen Investitionen", betont der LK-Präsident. Gleichzeitig kritisiert er die EU-Bürokratie scharf: "Wir müssen darauf achten, dass nicht ständig weitere, sinnlose Bürokratie-Walzen aus Brüssel unsere nachhaltige Rohstoff-Bereitstellung aus der Land- und Forstwirtschaft behindern und verteuern."
Ein weiteres zentrales Anliegen Moosbruggers ist die Angleichung der Treibstoffbesteuerung an EU-Standards. Da erneute Preissteigerungen bei Treibstoffen absehbar sind, fordert er dringend eine Beseitigung der im EU-Vergleich bestehenden Benachteiligung der österreichischen Landwirtschaft.
"Eine deutliche Entlastung unserer Bäuerinnen und Bauern im Treibstoff-Kostenbereich ist von größter Bedeutung", erklärt Moosbrugger. Diese Maßnahme sei im Sinne der Wettbewerbsfairness für die Lebensmittelproduktion auf offenen europäischen Märkten überaus notwendig.
Scharf wehrt sich der LK-Präsident gegen Versuche der Öllobby, heimische Bioenergie zu diskreditieren. "Wir wehren uns gegen die von der Öllobby oft forcierten Versuche, unsere in der Region nachhaltig erzeugte Bioenergie schlecht zu reden", betont er.
Moosbrugger verweist auf das hohe Nachhaltigkeits- und Qualitätsniveau der österreichischen Land- und Forstwirtschaft sowie auf die internationale Technologie-Führerschaft heimischer Unternehmen im Bioenergiebereich. Diese Vorreiterrolle erstrecke sich von biogenen Rohstoffen bis zu den gesamten Energie- und Logistiksystemen.
Die aktuellen geopolitischen Spannungen werden nach Moosbruggers Einschätzung erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. "Die aktuellen Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten werden uns alle wieder viel Geld kosten und die Inflation befeuern", warnt er.
Diese Entwicklung unterstreiche die Dringlichkeit, Österreichs Abhängigkeit von Energieimporten aus politischen Krisenregionen zu reduzieren. Die Diversifizierung der Energieversorgung durch heimische, erneuerbare Quellen werde damit zu einer Frage der nationalen Sicherheit.
Moosbrugger richtet konkrete Forderungen an die österreichische und europäische Politik:
Der LK-Präsident sieht in der Bioenergie nicht nur eine kurzfristige Antwort auf aktuelle Krisen, sondern eine langfristige Strategie für Österreichs Energiezukunft. "Erneuerbare Chancen statt fossiler Risiken", lautet sein Motto.
Dabei betont er, dass auch die Eigenversorgung im Lebensmittelbereich gesichert und gestärkt werden müsse – "im Sinne der gesamten Bevölkerung". Diese ganzheitliche Betrachtung von Energie- und Ernährungssicherheit zeigt die Vernetzung verschiedener Politikbereiche auf.
Die aktuellen Krisen könnten somit als Katalysator für eine nachhaltigere und unabhängigere Energiepolitik wirken. Ob die Politik den Forderungen Moosbruggers folgt, wird sich in den kommenden Monaten bei der Behandlung der entsprechenden Gesetzesentwürfe zeigen.