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Gender-Gap bei Finanzwissen: Frauen in Österreich hinken nach

OeNB-Studie zeigt hartnäckige Wissenslücke - Besonders junge Frauen betroffen

5. März 2026 um 18:42
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Österreichische Frauen haben 8,4% weniger Finanzwissen als Männer. Die Nationalbank startet gezielte Initiativen für mehr Finanzbildung.

Ein hartnäckiges Problem prägt Österreichs Finanzlandschaft: Frauen verfügen über deutlich weniger Finanzwissen als Männer. Laut dem aktuellen Austrian Survey of Financial Literacy der Österreichischen Nationalbank (OeNB) liegt das Finanzwissen von Frauen um 8,4 Prozent unter jenem der Männer - eine Lücke, die sich trotz steigenden allgemeinen Finanzwissens hartnäckig hält.

Besonders junge Frauen sind betroffen

Die Analyse der OeNB-Daten zeigt ein besorgniserregendes Muster: Der Finanzwissen-Gender-Gap ist bei jüngeren Menschen besonders ausgeprägt, während er bei 45- bis 74-Jährigen kaum noch wahrnehmbar ist. "Möglicherweise werden junge Frauen seltener ermutigt, finanzielle Verantwortung zu übernehmen und holen Wissen erst später nach", erklärt die OeNB in ihrem aktuellen Blog-Beitrag.

Diese Beobachtung wirft wichtige gesellschaftliche Fragen auf: Werden Mädchen und junge Frauen systematisch weniger an Finanzthemen herangeführt? Die Daten legen nahe, dass traditionelle Rollenbilder noch immer einen starken Einfluss auf die finanzielle Sozialisation haben.

Vorsicht versus Selbstvertrauen

Ein interessanter Aspekt der Studie betrifft das Antwortverhalten: Frauen tendieren dazu, bei Wissensfragen vorsichtiger zu antworten und eher "ich weiß nicht" zu sagen, anstatt zu raten. Männer hingegen sind risikofreudiger beim Beantworten von Fragen, auch wenn sie sich nicht ganz sicher sind.

"Die gemessene Lücke könnte daher auch Unterschiede beim Vertrauen in das eigene Wissen oder bei Antwortstrategien widerspiegeln", stellt die OeNB fest. Dies bedeutet, dass der tatsächliche Wissensunterschied möglicherweise geringer ist, als die Zahlen zunächst vermuten lassen.

Strukturelle Faktoren erklären nur einen Teil

Die Forscher untersuchten auch, inwieweit soziodemografische Faktoren wie Einkommen, Bildung oder Alter den Gender-Gap erklären können. Das Ergebnis: Diese Faktoren können die Lücke nur teilweise erklären. Selbst bei Gleichheit dieser Merkmale bliebe ein Unterschied bestehen.

Psychologische Aspekte spielen offenbar eine wichtige Rolle. Die Studie zeigt: Hätten Frauen die gleiche Risikoneigung und das gleiche Selbstvertrauen in ihr Finanzwissen wie Männer, würde sich der Gender-Gap um etwa 2 Prozentpunkte verringern.

Auswirkungen auf das finanzielle Wohlbefinden

Der Mangel an Finanzwissen hat direkte Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Frauen. Die OeNB-Daten zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Finanzwissen und finanziellem Wohlbefinden. Letzteres wird durch Fragen zu finanziellen Reserven und zur Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation ermittelt.

Frauen mit geringerem Finanzwissen berichten häufiger von finanziellen Sorgen und fühlen sich weniger sicher in ihrer wirtschaftlichen Situation. Dies kann langfristige Folgen für ihre finanzielle Unabhängigkeit und Altersvorsorge haben.

OeNB setzt auf gezielte Maßnahmen

Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat die Österreichische Nationalbank mehrere Initiativen entwickelt, die sich speziell an junge Erwachsene und Frauen richten:

My Money Guide

Dieses Journal begleitet junge Erwachsene beim Einstieg ins finanzielle Leben. Es behandelt grundlegende Themen wie Budgetplanung, erste Investments und den Umgang mit Krediten in einer altersgerechten Sprache.

Geldgedanken

Ein neuer Schwerpunkt, der sich direkt an Frauen richtet und dabei hilft, "ihre Gedanken zu Geld zu sortieren und Barrieren abzubauen". Das Programm adressiert emotionale und psychologische Aspekte des Umgangs mit Geld.

Geldgespräche

Ein kürzlich gelaunschtes Kartenset soll dabei helfen, Geldthemen in Partnerschaften, Familien und Freundeskreisen zu enttabuisieren. Oft scheitert Finanzbildung daran, dass über Geld nicht gesprochen wird.

Vorsorge x Ausdauersport

Diese Influencer-Kooperation kombiniert finanzielle und gesundheitliche Vorsorge und richtet sich gezielt an Frauen. Der Erfolg der Initiative führt dazu, dass sie auch 2026 fortgeführt wird.

Europäische Initiative: EuroSteps Walking Challenge

Das Problem des Gender-Gaps bei Finanzwissen ist nicht auf Österreich beschränkt. Deshalb hat das Eurosystem unter Führung der Europäischen Zentralbank eine europaweite Initiative gestartet: die EuroSteps Walking Challenge.

Diese innovative Kampagne verbindet körperliche Aktivität - das Zählen der täglichen Schritte - mit kompakten Lerninhalten zum Thema Geld. Die Initiative startet rund um den International Women's Day 2026 und soll Frauen in ganz Europa erreichen.

Kritische Betrachtung der Forschung

Die OeNB weist selbstkritisch darauf hin, dass die Forschungsergebnisse zu Finanzwissen in der Regel auf Fragebogenstudien beruhen, die die Kompetenz im Alltag nicht vollständig abbilden können. Eine direkte Kausalität lasse sich aus den Beobachtungen nicht ablesen.

Zudem seien Frauen mit zahlreichen strukturellen Ungleichheiten konfrontiert, die in der Studie nicht umfassend abgebildet werden könnten. Dazu gehören etwa der Gender-Pay-Gap, unterschiedliche Karriereverläufe aufgrund von Karenzzeiten oder geschlechtsspezifische Unterschiede bei Erbschaften.

Der Weg nach vorn

Die Erkenntnisse der OeNB-Studie zeigen, dass gezielte Finanzbildung mehr sein muss als reine Wissensvermittlung. Sie muss auch Selbstvertrauen stärken und gesellschaftliche Rollenbilder hinterfragen.

"Gezielte Finanzbildung könnte dabei helfen, finanzielles Wohlbefinden zu fördern, indem sie nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch Selbstvertrauen stärkt und Rollenbilder aufbricht", betont die Nationalbank.

Die verschiedenen Initiativen der OeNB zeigen bereits erste Erfolge. Doch es braucht einen langfristigen, gesellschaftlichen Wandel, um den Gender-Gap beim Finanzwissen nachhaltig zu schließen. Dabei sind nicht nur Bildungsinstitutionen gefragt, sondern auch Familien, Schulen und die Gesellschaft als Ganzes.

Fazit

Der hartnäckige Gender-Gap beim Finanzwissen in Österreich ist mehr als nur ein statistisches Problem. Er spiegelt tief verwurzelte gesellschaftliche Strukturen wider und hat reale Auswirkungen auf das Leben von Frauen. Die Initiativen der OeNB sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch es braucht weitreichende Anstrengungen, um echte Gleichstellung im Finanzbereich zu erreichen.

Besonders wichtig ist es, bereits junge Frauen zu ermutigen und zu unterstützen, sich aktiv mit Finanzthemen auseinanderzusetzen. Nur so kann verhindert werden, dass sich der Gender-Gap in die nächste Generation fortschreibt.

Schlagworte

#Finanzbildung#Gender-Gap#OeNB#Frauen#Finanzwissen

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