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Frauen weltweit benachteiligt bei Augengesundheit

Licht für die Welt kämpft gegen strukturelle Diskriminierung

6. März 2026 um 07:21
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55 Prozent aller Menschen mit Sehverlust sind Frauen. Die österreichische Organisation will das ändern und setzt auf Gleichberechtigung.

Von den weltweit 1,1 Milliarden Menschen mit Sehverlust sind 55 Prozent Frauen und Mädchen. Diese alarmierende Statistik hat jedoch keine genetischen Ursachen, sondern wurzelt in struktureller Benachteiligung. Anlässlich des internationalen Frauentages am 8. März macht die österreichische Hilfsorganisation "Licht für die Welt" auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam und präsentiert konkrete Lösungsansätze.

Strukturelle Benachteiligung als Hauptursache

"Weltweit haben mehr Frauen als Männer Augenprobleme. Das hat keine genetischen Gründe: Mädchen und Frauen sind strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt, sodass sie seltener augenmedizinische Behandlungen erhalten", erklärt Alex Buchinger, Geschäftsführer von Licht für die Welt Österreich. Diese Benachteiligung manifestiert sich besonders deutlich im Globalen Süden, wo Frauen mit Seheinschränkungen einer mehrfachen Diskriminierung ausgesetzt sind.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt diese Problematik in ihrem jüngsten Bericht zur augenärztlichen Versorgung bis 2030. Demnach haben deutlich mehr Männer als Frauen Zugang zu qualitativ hochwertigen Kataraktoperationen - der Unterschied beträgt 3,5 Prozent zugunsten der Männer. Bei der Korrektur von Fehlsichtigkeiten ist die Kluft noch drastischer: Hier erhalten 10,4 Prozent mehr Männer als Frauen eine angemessene Behandlung.

Weniger Information, seltener medizinische Versorgung

Frauen im Globalen Süden erhalten nicht nur seltener augenmedizinische Behandlungen, sondern haben auch weniger Zugang zu relevanten Informationen über Augengesundheit. Diese Informationslücke verstärkt die bereits bestehenden Barrieren beim Zugang zur Gesundheitsversorgung erheblich. Oftmals sind es kulturelle und sozioökonomische Faktoren, die Frauen daran hindern, rechtzeitig medizinische Hilfe zu suchen.

Besonders problematisch ist die Situation für Frauen, die bereits eine Sehbehinderung haben. Sie stehen vor einer doppelten Diskriminierung: sowohl aufgrund ihres Geschlechts als auch aufgrund ihrer Behinderung. Diese intersektionale Benachteiligung erschwert den Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zusätzlich.

Konkrete Maßnahmen für mehr Gleichberechtigung

Licht für die Welt hat ein umfassendes Programm entwickelt, um die Gleichberechtigung in der Augengesundheit zu fördern. Die Organisation setzt dabei auf mehrere strategische Ansätze, die sowohl die strukturellen Ursachen als auch die praktischen Herausforderungen angehen.

Bewusstseinsbildung und Aufklärung

Ein zentraler Baustein der Arbeit ist die Kommunikation über die Relevanz der Gleichberechtigung in der Augengesundheit. Viele Menschen sind sich der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der medizinischen Versorgung nicht bewusst. Durch gezielte Aufklärungs- und Bildungsarbeit will die Organisation das Bewusstsein für diese Problematik schärfen.

Überzeugungsarbeit bei Entscheidungsträgern

Da in vielen Kulturen des Globalen Südens überwiegend Männer über medizinische Behandlungen entscheiden, leistet Licht für die Welt intensive Überzeugungsarbeit. Ziel ist es, männliche Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Frauen und Mädchen in ihren Familien Zugang zu augenmedizinischer Behandlung erhalten sollten. Diese Arbeit erfordert kulturelle Sensibilität und langfristiges Engagement.

Ausbildung von medizinischem Fachpersonal

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die gendersensible Ausbildung und Schulung von augenmedizinischem Fachpersonal. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsfachkräfte werden darin geschult, geschlechtsspezifische Barrieren zu erkennen und zu überwinden. Dies umfasst sowohl medizinische Aspekte als auch die Kommunikation mit Patientinnen und deren Familien.

Mobile Hilfseinsätze für bessere Erreichbarkeit

Da Frauen aufgrund von Sorgearbeit und familiären Verpflichtungen tendenziell seltener medizinische Hilfe aufsuchen können, setzt die Organisation auf mobile Hilfseinsätze. Diese reduzieren sowohl die Anreisezeiten als auch die Wartezeiten erheblich. Mobile Kliniken bringen die medizinische Versorgung direkt zu den betroffenen Frauen und Mädchen in entlegene Gebiete.

Unterstützung für Menschen mit dauerhafter Sehbehinderung

Nicht in allen Fällen kann das Augenlicht erhalten oder wiederhergestellt werden. Für diese Situationen hat Licht für die Welt Programme entwickelt, die Menschen mit dauerhafter Sehbehinderung unterstützen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Die Organisation geht dabei gezielt auf die intersektionale Diskriminierung ein, der Frauen mit Behinderungen ausgesetzt sind. Diese doppelte Benachteiligung erfordert spezielle Ansätze und Unterstützungsmaßnahmen, die sowohl die geschlechtsspezifischen als auch die behinderungsbedingten Herausforderungen berücksichtigen.

Rehabilitation und gesellschaftliche Teilhabe

Für Frauen, die ihr Augenlicht verloren haben, bietet die Organisation Rehabilitationsprogramme an. Diese umfassen die Vermittlung von Orientierungs- und Mobilitätsfähigkeiten, Schulungen im Umgang mit Hilfsmitteln und berufliche Wiedereingliederungsmaßnahmen. Besonders wichtig ist dabei die Förderung der Selbstständigkeit und des Selbstvertrauens der betroffenen Frauen.

Internationale Zusammenarbeit und Forschung

Licht für die Welt arbeitet eng mit internationalen Partnern, der WHO und lokalen Organisationen zusammen, um die Augengesundheit weltweit zu verbessern. Die Organisation trägt auch zur Forschung bei und entwickelt evidenzbasierte Ansätze zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der Augenmedizin.

Die Dokumentation und Analyse von Daten zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Augengesundheit ist dabei ein wichtiger Baustein. Diese Daten helfen dabei, Programme zu entwickeln, die gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen eingehen.

Langfristige Ziele und Nachhaltigkeit

Das langfristige Ziel von Licht für die Welt ist es, eine gleichberechtigte und nachhaltige Augenversorgung für alle Menschen zu erreichen. Dies erfordert nicht nur medizinische Interventionen, sondern auch strukturelle Veränderungen in Gesellschaft, Gesundheitssystemen und politischen Rahmen.

Die Organisation setzt dabei auf einen ganzheitlichen Ansatz, der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Rechtsarbeit umfasst. Nur durch diese umfassende Herangehensweise kann langfristig eine Verbesserung der Situation von Frauen und Mädchen mit Augenproblemen erreicht werden.

Die Arbeit von Licht für die Welt zeigt, dass geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung kein unabänderliches Schicksal sind. Mit gezielten Maßnahmen, kultureller Sensibilität und langfristigem Engagement können strukturelle Barrieren überwunden und eine gerechtere Welt für alle Menschen geschaffen werden.

Schlagworte

#Augengesundheit#Gleichberechtigung#Frauentag#Entwicklungshilfe#WHO

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