"Selbstbestimmt Frau sein" bietet kostenlose Workshops und Coaching in der Steiermark
Ein neues Bildungsprojekt unterstützt Frauen im ländlichen Raum dabei, berufliche und persönliche Ziele zu verwirklichen und finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.
Frauen im ländlichen Raum Österreichs stehen vor besonderen Herausforderungen: Sie jonglieren zwischen Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Haushalt und ehrenamtlichem Engagement, während gleichzeitig strukturelle Hindernisse ihre berufliche Entwicklung erschweren. Ein neues Bildungsprojekt des Forums Katholischer Erwachsenenbildung will diese Situation verbessern und Frauen zu mehr Selbstbestimmung verhelfen.
Das Projekt "Selbstbestimmt Frau sein" läuft von März bis Dezember 2026 im AndersOrt Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein in der Steiermark. Die Initiative der Frauenvernetzung im Forum Katholischer Erwachsenenbildung bietet ein umfassendes, kostenloses Bildungs-, Coaching- und Vernetzungsangebot für Frauen aus der Region.
"Ich weiß, wie herausfordernd es ist, Familie, Beruf, persönliche Wünsche und Ehrenamt zu vereinbaren. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Frauen sich in einem geschützten Rahmen austauschen und weiterbilden können", erklärt Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich und Schirmpatin des Projekts, anlässlich des Weltfrauentags.
Die Lebensrealität vieler Frauen im ländlichen Raum ist geprägt von Mehrfachbelastungen und strukturellen Nachteilen. Eingeschränkte Kinderbetreuungsangebote, lange Pendelwege zu Arbeitsplätzen und traditionelle Rollenbilder erschweren die berufliche und persönliche Entwicklung erheblich.
Diese Umstände führen häufig dazu, dass Frauen unter ihrer Qualifikation arbeiten, nur Teilzeitbeschäftigungen finden oder in finanzieller Abhängigkeit verbleiben. Die langfristigen Konsequenzen sind gravierend und reichen bis hin zur Altersarmut – ein Problem, das bereits heute viele Frauen in Österreich betrifft.
Das Herzstück des Projekts bilden sechs ganztägige Workshops, die verschiedene Lebensbereiche abdecken. Die Themenpalette reicht von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf über den Umgang mit Mental Load bis hin zu praktischen Finanzfragen. Weitere Schwerpunkte sind selbstbewusstes Auftreten im Beruf, professionelle Bewerbungsstrategien und die Entwicklung persönlicher Ressourcen.
Ergänzt wird das Workshop-Angebot durch regelmäßige Austauschtreffen, individuelle Coaching-Sitzungen und ein innovatives BarCamp-Format, bei dem die Teilnehmerinnen selbst Themen einbringen und diskutieren können. Den feierlichen Abschluss bildet ein Frauenfrühstück mit einer Theater-Performance der "Rabtaldirndln".
"Wenn Frauen sich weiterbilden und gegenseitig stärken, kann Großes entstehen. Genau das tut dieses Projekt: Es zeigt, welche Kraft in jeder Einzelnen von uns steckt", betont Kerstin Raith-Schweighofer, Bezirkshauptfrau von Hartberg-Fürstenfeld und ebenfalls Schirmpatin der Initiative.
Das Projekt wird vollständig durch das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gefördert, wodurch die Teilnahme für alle interessierten Frauen kostenlos ist. Das AndersOrt Haus der Frauen sorgt zusätzlich für regionale Verpflegung während der Veranstaltungen.
Diese finanzielle Unterstützung ermöglicht es, auch Frauen zu erreichen, die sich kostenpflichtige Weiterbildungsangebote nicht leisten könnten – ein wichtiger Aspekt für die Zielgruppe im ländlichen Raum, wo oft geringere Einkommen und höhere Lebenshaltungskosten durch längere Anfahrtswege zusammentreffen.
Die Initiative ist Teil eines größeren Engagements des Forums Katholischer Erwachsenenbildung für die Stärkung von Frauen. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen und struktureller Schwierigkeiten bleibt die Frauenbildung ein zentraler Bestandteil des Bildungsangebots der Organisation.
Das Forum versteht Frauenbildung als lebensbegleitende Bildung, die Frauen in verschiedenen Lebensphasen stärkt – sowohl persönlich als auch gesellschaftlich und spirituell. Unter dem Motto #frauenwissenteilen wird das Wissen von Frauen sichtbar gemacht und ihre Expertise gewürdigt.
Das Forum Katholischer Erwachsenenbildung ist eine der größten Erwachsenenbildungsorganisationen Österreichs. Rund 600 hauptamtliche und 11.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 70 kirchlichen Bildungseinrichtungen engagieren sich österreichweit für zeitgemäße, kirchlich verankerte Erwachsenenbildung.
Diese breite Basis ermöglicht es, auch in entlegenen ländlichen Gebieten Bildungsangebote zu schaffen und aufrechtzuerhalten, wo kommerzielle Anbieter oft nicht tätig sind. Die regionale Verankerung der Einrichtungen sorgt für niederschwellige Zugänge und kulturelle Sensibilität.
Das Projekt "Selbstbestimmt Frau sein" ist mehr als nur ein Bildungsangebot – es ist ein Baustein für gesellschaftlichen Wandel. Wenn Frauen ihre Potenziale besser entfalten können, profitiert die gesamte Gesellschaft von ihren Fähigkeiten und Perspektiven.
Besonders im ländlichen Raum, wo demografischer Wandel und Abwanderung Herausforderungen darstellen, ist die Stärkung der weiblichen Bevölkerung ein wichtiger Faktor für die regionale Entwicklung. Frauen, die ihre beruflichen Ziele verwirklichen können, tragen zur wirtschaftlichen Stabilität und sozialen Vielfalt ihrer Gemeinden bei.
Interessierte Frauen können sich über die Website des AndersOrt Haus der Frauen über das Projekt informieren und anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich, da die Plätze begrenzt sind.
Das Projekt richtet sich an Frauen aller Altersgruppen und Lebenssituationen, die ihre persönlichen und beruflichen Perspektiven erweitern möchten. Besonders angesprochen sind Frauen, die sich in Übergangsphasen befinden oder neue Impulse für ihre Lebensgestaltung suchen.
Mit diesem innovativen Ansatz setzt das Forum Katholischer Erwachsenenbildung ein wichtiges Zeichen für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung des ländlichen Raums. Das Projekt zeigt, wie gezielte Bildungsarbeit dazu beitragen kann, strukturelle Benachteiligungen abzubauen und Frauen zu einem selbstbestimmteren Leben zu verhelfen.