Zurück
OTS-MeldungWKÖ/Sigi Menz/Budessparte Industrie/Energiepreise/Industriestrom/Energie

WKÖ kritisiert Energiepreismaßnahmen als unzureichend

Industrie-Obmann Menz vermisst Industriestrompreis und wirksame CO₂-Kompensation

11. März 2026 um 20:21
Teilen:

Österreichs Industrie begrüßt geplante Energiepreismaßnahmen, sieht aber deutliche Defizite gegenüber anderen EU-Ländern.

Die österreichische Industrie zeigt sich zwiespältig über die von der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen gegen die anhaltende Energiepreiskrise. Während die grundsätzliche Initiative begrüßt wird, kritisiert die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) deutliche Defizite bei der konkreten Ausgestaltung der Hilfen.

Positive Signale, aber strukturelle Mängel

Sigi Menz, Obmann der Bundessparte Industrie in der WKÖ, sieht in den geplanten Maßnahmen durchaus positive Ansätze: "Die geplanten Maßnahmen sollten die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe stärken und gleichzeitig helfen, die inflationären Auswirkungen auf die Arbeitskosten zu dämpfen." Dennoch bleibt aus seiner Sicht ein entscheidender Kritikpunkt bestehen.

Das Hauptproblem liegt nach Einschätzung der Industrievertreter in der mangelnden internationalen Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Regelungen. Insbesondere im Vergleich zu europäischen Nachbarländern wie Deutschland hinke Österreich bei zentralen Instrumenten deutlich hinterher.

Fehlender Industriestrompreis als Standortnachteil

Besonders kritisch sieht die WKÖ das Fehlen eines wettbewerbsfähigen Industriestrompreises. Während andere EU-Mitgliedstaaten bereits entsprechende Regelungen implementiert haben, bleibt Österreich bei diesem wichtigen Standortfaktor zurück. Für energieintensive Branchen entstehen dadurch strukturelle Nachteile, die die Abwanderungsrisiken erhöhen.

Auch bei der Strompreiskompensation sieht die Industrie erheblichen Verbesserungsbedarf. Die derzeit vorgesehenen Maßnahmen reichen aus Sicht der Unternehmen nicht aus, um die Kostenbelastungen ausreichend zu dämpfen und internationale Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.

CO₂-Bepreisung verschärft Problematik

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die nationale CO₂-Bepreisung. Hier entstehen laut WKÖ "hausgemachte Standortnachteile" für energieintensive Branchen. Die schwachen Maßnahmen zur Kompensation der CO₂-Kosten würden nicht ausreichen, um die zusätzlichen Belastungen für die Industrie abzufedern.

Diese Regelungslücken führen dazu, dass österreichische Industriebetriebe gegenüber internationalen Konkurrenten benachteiligt sind. Besonders problematisch ist dies für jene Unternehmen, die ohnehin bereits von Produktionsverlagerungen ins Ausland bedroht sind.

Forderungen nach umfassenden Verbesserungen

Die WKÖ fordert daher deutliche Nachbesserungen bei den geplanten Instrumenten. Konkret müssen nach Ansicht der Industrievertreter folgende Bereiche verbessert werden:

  • Verlängerung der Laufzeiten für Unterstützungsmaßnahmen
  • Erhöhung der budgetären Dotierung
  • Ausweitung des Kreises der unterstützten Unternehmen
  • Einführung eines wettbewerbsfähigen Industriestrompreises
  • Wirksame Kompensation der CO₂-Kosten

Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Fokus

Menz betont die Dringlichkeit entsprechender Maßnahmen: "Die Produktionsbetriebe in unserem Land brauchen klare und wirksame Maßnahmen. Nur so können wir Wertschöpfung, Arbeitsplätze und industrielle Stärke am Standort sichern."

Die Sorge um die industrielle Basis Österreichs ist durchaus berechtigt. Hohe Energiekosten haben bereits in den vergangenen Monaten zu Produktionseinschränkungen und in einigen Fällen auch zu Betriebsschließungen geführt. Ohne wirksame Entlastungsmaßnahmen könnte sich dieser Trend verstärken.

Internationale Entwicklungen als Maßstab

Der Vergleich mit anderen EU-Ländern zeigt tatsächlich, dass Österreich bei der Industriepolitik Nachholbedarf hat. Deutschland hat beispielsweise bereits einen Industriestrompreis eingeführt und bietet umfangreichere Kompensationsmaßnahmen für energieintensive Betriebe.

Auch andere Nachbarländer haben ihre Unterstützungsmaßnahmen für die Industrie ausgeweitet, um im internationalen Standortwettbewerb bestehen zu können. Österreich läuft damit Gefahr, bei der industriellen Wettbewerbsfähigkeit zurückzufallen.

Herausforderungen für die Politik

Für die österreichische Bundesregierung ergeben sich aus der Kritik der Wirtschaftskammer klare Handlungsaufträge. Die Balance zwischen budgetären Zwängen und der Notwendigkeit, die industrielle Basis zu stärken, stellt dabei eine besondere Herausforderung dar.

Gleichzeitig müssen klimapolitische Ziele und industriepolitische Notwendigkeiten in Einklang gebracht werden. Die CO₂-Bepreisung ist ein wichtiges Instrument der Klimapolitik, darf aber nicht zu einer einseitigen Belastung der heimischen Industrie führen.

Ausblick und weitere Entwicklungen

Die kommenden Monate werden zeigen, ob und wie die Bundesregierung auf die Kritik der Wirtschaft reagiert. Angesichts der anhaltenden Energiepreiskrise und des internationalen Konkurrenzdrucks dürfte der Handlungsdruck weiter steigen.

Für österreichische Industrieunternehmen bleibt die Situation herausfordernd. Ohne spürbare Verbesserungen bei den Energiekosten und eine stärkere politische Unterstützung könnten weitere Betriebe ihre Produktion ins Ausland verlagern – mit entsprechenden negativen Folgen für Wertschöpfung und Beschäftigung im Land.

Schlagworte

#Energiepreise#Industrie#WKÖ#Industriestrompreis#CO2-Bepreisung

Weitere Meldungen

OTS
WKÖ

Österreichs Eissalons starten in die Saison 2026: Das sind die Top-Eissorten des Jahres

9. März 2026
Lesen
OTS
WKÖ

Eissaison 2026: Österreich kürt die besten Eissorten des Jahres

9. März 2026
Lesen
OTS
Transport

Treibstoffpreise explodieren: WKÖ fordert Steuersenkungen vom Bund

6. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen