Brückl fordert Reform der Mathematik-Zentralmatura wegen unterschiedlicher Unterrichtsstunden
FPÖ-Bildungssprecher Brückl kritisiert strukturelle Benachteiligung von Gymnasiasten bei der Mathematik-Zentralmatura seit 2014.
Die Diskussion um die Fairness der österreichischen Zentralmatura flammt erneut auf. Der freiheitliche Bildungssprecher Hermann Brückl übt scharfe Kritik an der aktuellen Gestaltung der Mathematik-Zentralmatura und wirft Bildungsminister Martin Wiederkehr (NEOS) mangelnde Reformbereitschaft vor.
Seit der Einführung der standardisierten Zentralmatura an den allgemeinbildenden höheren Schulen im Schuljahr 2014/2015 besteht laut Brückl eine fundamentale Ungerechtigkeit im Fach Mathematik. Das Problem: Gymnasiasten und Realgymnasiasten müssen dieselbe zentrale Mathematikprüfung absolvieren, obwohl der Unterrichtsumfang in der Oberstufe zwischen den Schulformen erheblich variiert.
"Gymnasiasten haben weniger Mathematikstunden, müssen aber dieselbe zentrale Prüfung absolvieren wie Schüler aus Schulformen mit mehr Mathematikunterricht", kritisiert Brückl diese Schieflage. Diese strukturelle Benachteiligung sei seit über einem Jahrzehnt bekannt, werde aber konsequent ignoriert.
Besonders scharf geht der FPÖ-Politiker mit Bildungsminister Martin Wiederkehr ins Gericht. Trotz zahlreicher Hinweise aus der Praxis hätte bislang kein Bildungsminister konkrete Schritte zur Korrektur dieser Benachteiligung unternommen. Auch Wiederkehr, der sich gerne als Reformminister präsentiere, setze keine entsprechenden Akzente.
Statt die bekannten strukturellen Probleme zu lösen, beschäftige sich das Bildungsministerium mit "bildungspolitischem Schattenboxen", so Brückls Vorwurf. Als Beispiel nennt er die jüngste Debatte über mögliche Stundenkürzungen im Bereich der Fremdsprachen, während zentrale Probleme wie die unfaire Mathematik-Zentralmatura ungelöst blieben.
Brückl verweist auch auf Wiederkehrs fünfjährige Tätigkeit als Wiener Bildungsstadtrat, die er als wenig erfolgreich bewertet. "Dort herrschten im Bildungsbereich vielfach Chaos und Stillstand", so seine Einschätzung. Diese Bilanz lasse erahnen, wie sich die Bildungspolitik auf Bundesebene entwickeln könnte.
Die Zentralmatura wurde in Österreich schrittweise eingeführt, um eine österreichweite Vergleichbarkeit der Reifeprüfung zu gewährleisten. In den allgemeinbildenden höheren Schulen startete sie im Schuljahr 2014/2015, in den berufsbildenden höheren Schulen ein Jahr später.
Das System sollte mehr Objektivität und Fairness in die Maturabewertung bringen. Kritiker bemängeln jedoch seit Jahren verschiedene Probleme bei der Umsetzung, insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik.
Das von Brückl angesprochene Problem liegt in den unterschiedlichen Stundentafeln der verschiedenen AHS-Zweige. Während Realgymnasien mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt mehr Mathematikstunden haben, müssen Schüler aus Gymnasien mit sprachlichem oder geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt mit weniger Unterrichtszeit dieselben Anforderungen bewältigen.
Diese Diskrepanz führt seit Jahren zu Diskussionen über die Fairness des Systems. Bildungsexperten haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass eine einheitliche Prüfung bei unterschiedlichen Voraussetzungen problematisch sein kann.
Brückl warnt auch vor einem Verlust des Anschlusses an europäische Bildungsstandards. Während Österreich in "ideologischen und teilweise realitätsfernen Debatten" feststecke, verliere das Bildungssystem zunehmend den internationalen Anschluss.
"Unsere Schüler brauchen endlich klare bildungspolitische Prioritäten, Leistungsorientierung und faire Rahmenbedingungen – keine dauernden Strukturdebatten ohne Ergebnis", fordert der FPÖ-Bildungssprecher.
Als Lösungsansatz fordert Brückl eine rasche Evaluierung der Mathematik-Zentralmatura. "Wenn gleiche Prüfungen für unterschiedliche Unterrichtsrealitäten gelten, ist das weder fair noch sinnvoll", argumentiert er. Die seit einem Jahrzehnt bestehende Ungerechtigkeit gehöre endlich beseitigt.
Mögliche Lösungsansätze könnten eine Differenzierung der Prüfungsanforderungen je nach Schultyp oder eine Angleichung der Stundentafeln sein. Bisher hat das Bildungsministerium jedoch keine konkreten Reformpläne in diese Richtung vorgelegt.
Die Kritik an der aktuellen Gestaltung der Mathematik-Zentralmatura ist nicht neu und kommt nicht nur aus der FPÖ. Auch Lehrervertreter und Bildungsexperten haben bereits ähnliche Bedenken geäußert. Die Diskussion zeigt die grundsätzlichen Herausforderungen bei der Standardisierung von Bildungssystemen auf.
Das Bildungsministerium steht nun unter Druck, auf diese langjährige Kritik zu reagieren. Eine Reform der Zentralmatura wäre jedoch ein komplexes Unterfangen, das sorgfältige Planung und breiten Konsens erfordern würde.