Neues Kraftwerk an der Ager soll ab 2027 Strom für 3.000 Haushalte produzieren
Die KWG Kraftwerk Glatzing-Rüstorf investiert 20 Millionen Euro in ein neues Wasserkraftwerk. Der Spatenstich erfolgte jetzt am Wankhamer Wehr.
Mit einem symbolischen Spatenstich hat die KWG Kraftwerk Glatzing-Rüstorf den offiziellen Startschuss für ihr bisher größtes Investitionsprojekt gegeben. Das neue Wasserkraftwerk am Wankhamer Wehr an der Ager wird mit einem Investitionsvolumen von 20 Millionen Euro realisiert und soll ab dem zweiten Quartal 2027 sauberen Strom für rund 3.000 Haushalte in der Region produzieren.
"Der stetig steigende Strombedarf – insbesondere durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Digitalisierung – erfordert den konsequenten Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energiequellen", erklärte KWG-Geschäftsführer Peter J. Zehetner bei der Pressekonferenz zum Spatenstich. Das neue Kraftwerk stelle einen gewichtigen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung der Region dar und stärke gleichzeitig die regionale Wertschöpfung.
Besonders hervorzuheben ist der zusätzliche Nutzen für den Hochwasserschutz: Durch das neue Kraftwerk kann künftig mehr Wasser im Flussbett der Ager Platz finden, was die Überschwemmungsgefahr in der Region reduziert.
Das Wasserkraftwerk ist auf eine beeindruckende Betriebsdauer von über 100 Jahren ausgelegt und steht damit für eine langfristige, stabile und emissionsfreie Stromproduktion direkt vor Ort. Zwei leistungsstarke vertikale Kaplanturbinen werden die Energie der Ager am Standort des Wankhamer Wehrs effizient und ökologisch nutzen.
"Als Genossenschaft betreiben wir bereits seit über 100 Jahren Wasserkraftwerke in der Region", betonte KWG-Obmann Michael Stiefmüller. Mit dem neuen Kraftwerk wird die KWG künftig sieben Wasserkraftwerke und über 60 eigene Photovoltaik-Anlagen betreiben. "Gerade in Anbetracht der aktuellen geopolitischen Ereignisse zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, mehr auf regionale Stromproduktion und Energieunabhängigkeit zu setzen."
Bei der Umsetzung des Großprojekts legt die KWG besonderen Wert auf die Berücksichtigung von Natur und Umwelt. Zahlreiche begleitende ökologische Maßnahmen sowie umfangreiche Wiederaufforstungen stellen sicher, dass Eingriffe in Natur und Landschaft bestmöglich vermieden oder ausgeglichen werden.
KWG-Projektleiter Eduard Krainz räumte ein, dass während der Bauphase im Bereich der Baustellenzufahrten in Wankham und Zeislau mit erhöhtem Verkehrsaufkommen oder temporären Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen sei. "Wir bemühen uns, die Auswirkungen für Bevölkerung und Umwelt gering zu halten. Kurzzeitige Beeinträchtigungen lassen sich bei einer Großbaustelle nicht gänzlich vermeiden", so Krainz, der sich für die Geduld und das Verständnis der Anrainerinnen und Anrainer bedankte.
Als bauausführendes Unternehmen konnte die renommierte BODNER Gruppe gewonnen werden, die über langjährige Expertise im Kraftwerksbau verfügt. "Wir freuen uns außerordentlich über das Vertrauen, das uns mit der Beauftragung entgegengebracht wird", betonte Dipl.-Ing. Markus Oberbucher, Bereichsleiter Ingenieurbau der Firma BODNER.
"Mit Projekten wie diesem leisten wir einen aktiven Beitrag zur Energiewende und zur Stärkung einer zukunftsfähigen Infrastruktur", ergänzte Mag. Ing. Thomas Bodner, geschäftsführender Gesellschafter der BODNER Gruppe. Die bauliche Realisierung erfolgt durch die BODNER-Niederlassung Salzburg/Wals, wobei höchste Qualitätsstandards und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen Beteiligten im Vordergrund stehen.
Für die Finanzierung des 20-Millionen-Euro-Projekts hat die KWG mit der Sparkasse Oberösterreich einen verlässlichen Partner gefunden. "Als Sparkasse OÖ ist es uns ein zentrales Anliegen, nachhaltige und innovative Projekte zu finanzieren, die langfristigen Nutzen für Menschen, Umwelt und Wirtschaft schaffen", erklärte Thomas Lettner, Marktbereichsleiter Wels und OÖ Süd der Sparkasse OÖ.
Ein interessanter Aspekt der Finanzierung ist die Bürgerbeteiligung Wasserkraft 2026, über die sich interessierte Bürgerinnen und Bürger an der Finanzierung des Projekts beteiligen konnten. Dieser Ansatz unterstreicht den genossenschaftlichen Charakter der KWG und bindet die lokale Bevölkerung aktiv in die Energiewende ein.
Die technischen Spezifikationen des neuen Wasserkraftwerks sind beeindruckend: Mit einer Fallhöhe von 5,98 Metern und einer Ausbauwassermenge von 37,5 Kubikmetern pro Sekunde erreicht das Kraftwerk eine Engpassleistung von 1.969 Kilowatt. Die beiden vertikalen Kaplanturbinen werden jährlich rund 10,8 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom produzieren.
Nach dem erfolgten Spatenstich beginnt nun die intensive Hauptbauphase, die von Januar 2026 bis April 2027 andauern wird. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Quartal 2027 geplant.
Das neue Wasserkraftwerk der KWG ist ein wichtiger Baustein in Österreichs Energiewende und zeigt, wie regionale Energieversorgung erfolgreich umgesetzt werden kann. Mit der auf über 100 Jahre ausgelegten Betriebsdauer stellt das Projekt eine nachhaltige Investition in die Energiezukunft der Region dar.
Die Kombination aus ökologischer Verantwortung, technischer Innovation und regionaler Wertschöpfung macht das Projekt zu einem Vorzeigeprojekt für die österreichische Energiewende. Gleichzeitig trägt es zur Erhöhung der Energieunabhängigkeit bei – ein Aspekt, der angesichts der aktuellen geopolitischen Lage besondere Bedeutung erlangt hat.