Kulturministerium und BOKU Wien präsentieren Klimaschutz-Tool für den Museumsbetrieb
Ein neuer CO₂-Rechner soll österreichischen Museen dabei helfen, ihre Treibhausgasemissionen zu erfassen und Klimaschutzmaßnahmen zu entwickeln.
Österreichs Museen bekommen ab sofort professionelle Unterstützung beim Klimaschutz: Das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) hat gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien einen speziellen CO₂-Rechner für Kultureinrichtungen entwickelt. Das kostenlose Tool wurde am 12. März 2026 im Naturhistorischen Museum Wien erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Der neue Klimarechner basiert auf dem international anerkannten "Greenhouse Gas Protocol"-Standard und ermöglicht es Museen, systematisch ihre Treibhausgasbilanz zu erstellen. Damit können Kultureinrichtungen erstmals präzise erfassen, welche Bereiche ihres Betriebs wie viele klimaschädliche Emissionen verursachen und wo konkrete Potenziale zur Emissionsreduktion liegen.
"Österreich verfügt über ein dichtes Netz an Museen im ganzen Land – von den Bundesmuseen bis zu kleineren Spezialmuseen in vielen Gemeinden", erklärt Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler. "Aufgrund ihrer gesellschaftlichen Verantwortung ist es auch wichtig, dass Museen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Und dabei wollen wir sie unterstützen."
Das Excel-basierte Tool wurde bewusst benutzerfreundlich gestaltet und kann von jedem interessierten Museum in Österreich kostenfrei genutzt werden. Neben der Software erhalten die Anwender umfangreiche Schulungsunterlagen und können regelmäßig an Online-Workshops teilnehmen, um das Maximum aus dem Instrument herauszuholen.
Der CO₂-Rechner analysiert systematisch verschiedene Bereiche des Museumsbetriebs: von der Gebäudetechnik über den Energieverbrauch bis hin zu Transportwegen und Materialverbrauch. Auf Basis dieser detaillierten Datenerfassung können Museen dann gezielte Klimaschutzstrategien mit klar terminierten Reduktionszielen entwickeln.
Mit der Entwicklung des Klimarechners leistet das Kulturministerium einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung, den sogenannten "Sustainable Development Goals 2030". Diese globalen Ziele sehen vor, dass alle Bereiche der Gesellschaft – einschließlich des Kultursektors – aktiv zum Klimaschutz beitragen.
"Mit dem neuen Klimarechner erhalten Museen ein praxisnahes Instrument, um ihren CO₂-Fußabdruck zu erfassen und gezielt zu reduzieren", betont Minister Babler. "Ich lade alle österreichischen Museen ein, mitzumachen und Teil der nachhaltigen Museen in Österreich zu werden."
Die Entwicklung eines spezialisierten CO₂-Rechners für Museen stellt eine Pionierleistung im deutschsprachigen Raum dar. Während andere Branchen bereits seit Jahren mit verschiedenen Klimabilanzierungstools arbeiten, fehlte dem Kultursektor bisher ein auf seine spezifischen Bedürfnisse zugeschnittenes Instrument.
Die Universität für Bodenkultur Wien, die das Tool im Auftrag des Ministeriums entwickelt hat, brachte ihre langjährige Expertise in der Klimabilanzierung ein. Das Ergebnis ist ein Rechner, der die besonderen Herausforderungen und Gegebenheiten von Museumsbetrieben berücksichtigt – von Klimatisierung für empfindliche Kunstwerke bis hin zu Besucherströmen und Sonderausstellungen.
Österreich verfügt über eine vielfältige Museumslandschaft mit rund 700 Einrichtungen. Diese reichen von großen Bundesmuseen wie dem Kunsthistorischen Museum oder dem Belvedere über Landesmuseen bis hin zu kleinen Spezialmuseen in ländlichen Gebieten. Der neue CO₂-Rechner wurde so konzipiert, dass er für alle diese unterschiedlichen Museumstypen geeignet ist.
Besonders kleinere Museen, die oft über begrenzte Ressourcen für Nachhaltigkeitsmaßnahmen verfügen, sollen von dem kostenlosen Tool profitieren. Sie erhalten damit erstmals die Möglichkeit, professionell ihre Klimabilanz zu erstellen, ohne externe Beratungsunternehmen beauftragen zu müssen.
Der Klimarechner geht über eine reine Datenerfassung hinaus: Er zeigt konkrete Handlungsfelder auf und hilft dabei, Prioritäten für Klimaschutzmaßnahmen zu setzen. Museen können so evidenzbasierte Entscheidungen treffen, welche Investitionen den größten Effekt für den Klimaschutz haben.
Mögliche Maßnahmen reichen von der Optimierung der Gebäudetechnik über den Wechsel zu erneuerbaren Energien bis hin zur nachhaltigen Gestaltung von Ausstellungen und Veranstaltungen. Der Rechner hilft dabei, die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen zu vergleichen und langfristige Reduktionsziele zu definieren.
Der CO₂-Rechner ist ab sofort unter https://kultur-klimarechner.boku.ac.at verfügbar. Interessierte Museen können das Tool direkt herunterladen und mit der Erfassung ihrer Klimadaten beginnen. Zusätzlich stellt das Ministerium umfassende Informationen zu den UN-Nachhaltigkeitszielen im Kulturbereich zur Verfügung.
Die Initiative reiht sich in eine Reihe von Maßnahmen ein, mit denen das Kulturministerium den österreichischen Kultursektor bei der nachhaltigen Transformation unterstützt. Ziel ist es, Kunst und Kultur als Vorreiter für gesellschaftliche Veränderungen zu positionieren und gleichzeitig die kulturelle Vielfalt Österreichs für zukünftige Generationen zu erhalten.