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OTS-MeldungWirtschaft und Finanzen

Österreichischer Zoll sicherte 2025 über 8 Milliarden Euro

400.000 illegale Arzneimittel beschlagnahmt, Millionenschwerer Goldschmuggel aufgedeckt

16. März 2026 um 12:00
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Das Zollamt Österreich erzielte 2025 Rekordeinnahmen und stellte bei über 630.000 Kontrollen gefährliche Waren sicher.

Das österreichische Zollamt hat im Jahr 2025 beeindruckende Zahlen vorgelegt: Mit 8,364 Milliarden Euro Abgabenaufkommen leistete der Zoll einen entscheidenden Beitrag zum Staatshaushalt. Gleichzeitig führten die 1.713 Zöllnerinnen und Zöllner über 633.000 Kontrollen durch und stellten dabei gefährliche und illegale Waren im Millionenwert sicher.

Rekord-Abgabenaufkommen stärkt Staatsfinanzen

Die Bedeutung des österreichischen Zolls für die Staatsfinanzen wird durch die aktuellen Zahlen deutlich unterstrichen. Bei insgesamt 6.780.678 Zollabfertigungen im grenzüberschreitenden Güterverkehr wurden Abgaben in Höhe von 8,364 Milliarden Euro eingenommen – ein beachtlicher Beitrag zum österreichischen Budget.

"Durch seine vielfältige Arbeit leistet der Zoll entscheidende Arbeit für das Budget, aber auch für die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung und einen gerechten Wettbewerb für die Unternehmen im Land", betonte Finanzminister Markus Marterbauer. Mit dem bevorstehenden Fall der EU-Zollfreigrenze für Pakete unter 150 Euro werden die Aufgaben des Zolls künftig noch bedeutender.

Umfassende Kontrollaktivitäten schützen Verbraucher

Die österreichischen Zollbehörden führten 2025 ein breites Spektrum an Kontrollen durch. Dabei kamen 3.100 Einsätze mit 366.484 mobilen Kontrollen zum Einsatz, die zu 13.867 Feststellungen führten. Im Reiseverkehr wurden 81.083 Kontrollen mit 5.871 Feststellungen durchgeführt, während bei der Zollabfertigung 177.525 Kontrollen zu 7.556 dokumentierten Feststellungen führten.

Besonders erfolgreich waren die Betriebsprüfungen: 631 Prüfungen erbrachten ein Mehrergebnis von 24,7 Millionen Euro – ein beachtliches Plus von 74,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Artenschutz und Tierschmuggel im Fokus

Im Bereich des Artenschutzes verzeichnete das Zollamt 188 Meldungen. Dabei wurden Versuche aufgedeckt, 55 lebende Tiere illegal einzuführen. Zusätzlich stellten die Beamten 22.078 Stück und 85,66 Kilogramm sonstige Waren aus artengeschützten Tieren und Pflanzen sicher.

Ein spektaculärer Fall ereignete sich Ende März am Flughafen Wien, als bei einem Flug aus Doha sieben lebende Warane entdeckt und beschlagnahmt wurden. Solche Kontrollen sind essentiell für den Schutz bedrohter Arten und die Verhinderung der Einschleppung von Tierseuchen.

Massive Sicherstellung gefälschter Arzneimittel

Besonders alarmierend sind die Zahlen im Bereich illegaler Arzneimittel. 2025 erfasste das Zollamt 4.012 entsprechende Meldungen und stellte dabei 392.118 Stück illegal eingeführte oder gefälschte Arzneimittel sowie Anabolika sicher. Diese Kontrollen sind von enormer Bedeutung für die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung, da Zusammensetzung, Herkunft und Dosierung solcher Produkte oft unbekannt sind.

Ein größerer Aufgriff gelang Ende Juli am Flughafen Wien, als 24.936 Potenzpillen in zwei Reisetaschen aus Delhi entdeckt wurden. Noch spektakulärer war ein Fall im Mai 2025 im Postverteilzentrum Wien: Der Fund von Dopingmitteln in Paketen aus Großbritannien führte zu Ermittlungen des Bundeskriminalamtes und schließlich zur Aufdeckung eines Untergrundlabors in Wien.

Suchtgift- und Tabakwarenaufgriffe

Bei Suchtgiften verzeichnete der Zoll 1.329 Aufgriffe mit insgesamt 447,93 Kilogramm sichergestellten Substanzen. Den größten Anteil machte Cannabis mit 382,53 Kilogramm aus, gefolgt von psychotropen Substanzen (31,93 kg) und neuen psychoaktiven Substanzen (23,66 kg).

Auch bei Tabakwaren waren die Erfolge beachtlich: In 2.625 Meldungen wurden 8.814.953 Zigaretten beschlagnahmt. Ein besonders umfangreicher Fall betraf Schmuggelware aus Dubai, bei dem insgesamt rund 22.400 Stangen Zigaretten in verschiedenen Aktionen sichergestellt wurden.

Bargeldkontrollen und Marktüberwachung

Die Bargeldkontrollen des Zolls erfassten 2025 insgesamt 2.461 Anmeldungen. In 101 Verfahren wurden nicht korrekt angemeldete Geldbeträge im Gesamtwert von 2,99 Millionen Euro festgestellt. Zusätzlich wurden 11 Falschgeldsendungen mit einem Gesamtwert von über 9,1 Millionen Euro identifiziert.

Ein bemerkenswertes Beispiel für die Marktüberwachung war der Aufgriff von 120.000 Badeenten aus China am Hafen Wien im Jänner 2025. Laboruntersuchungen ergaben, dass die Produkte stark gesundheitsgefährdende Substanzen enthielten und als Badespielzeug ungeeignet waren.

Produktpiraterie bekämpft

Im Kampf gegen Produktfälschungen führten 4.635 Verfahren zur Beschlagnahme und Einziehung von 115.850 gefälschten Waren. Diese Maßnahmen schützen sowohl Konsumenten vor unsicheren Produkten als auch Unternehmen vor unlauterem Wettbewerb.

Spektakulärer Goldschmuggel-Fall aufgedeckt

Ein besonders umfangreicher Kriminalfall betraf Goldschmuggel aus der Türkei. Was mit einem Aufgriff von 1,1 Kilogramm Goldschmuck im Reiseverkehr begann, entwickelte sich zu einem großangelegten Ermittlungsverfahren. Die Zollfahndung konnte insgesamt 56 Transporte mit rund 187 Kilogramm Goldschmuck im Wert von etwa 8,5 Millionen Euro ausfindig machen.

Die Schmuggler nutzten systematisch den Grünkanal am Flughafen Wien, um die Zollkontrollen zu umgehen, und belieferten anschließend Wiener Juweliere. Sechs Personen wurden ausgeforscht und angezeigt, gegen vier der Angeklagten ergingen bereits Ende 2025 Schuldsprüche.

Strafsachen und internationale Zusammenarbeit

Im Bereich der Strafsachen erledigte das Zollamt 2025 insgesamt 2.971 Verfahren. Die verhängten Strafen einschließlich Wertersatz und Verfall beliefen sich auf 1.869.716 Euro. Darüber hinaus erstatteten die Beamten 5.189 Anzeigen und Meldungen an andere Behörden.

Die internationale Zusammenarbeit wurde durch 865 bearbeitete Fälle der Amts- und Rechtshilfe unterstrichen. Diese Kooperation ist essentiell für die wirksame Bekämpfung grenzüberschreitender Schmuggel- und Betrugsstrukturen.

Ausblick und wachsende Bedeutung

"Der österreichische Zoll ist eine zentrale Säule für Sicherheit, fairen Wettbewerb und einen funktionierenden internationalen Warenverkehr", betonte Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl. Die klaren Regeln und verlässlichen Kontrollen sorgen für gleiche Spielregeln aller Marktteilnehmer und gewährleisten den Verbraucherschutz.

ZAÖ-Vorständin Andrea Reuter verwies auf die herausfordernden internationalen Zeiten, in denen der Zoll seine Aufgaben erfüllt und dabei zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes sowie zum Schutz von Unternehmen, Bürgern, Umwelt und den finanziellen Interessen der EU und Österreichs beiträgt.

Mit dem geplanten Fall der Zollfreigrenze für Pakete unter 150 Euro auf EU-Ebene und den Vorbereitungen auf verstärkte Zollzusammenarbeit werden die Aufgaben des österreichischen Zolls in Zukunft noch bedeutsamer werden. Die Bilanz 2025 zeigt eindrucksvoll, dass das Zollamt Österreich gut für diese wachsenden Herausforderungen gerüstet ist.

Schlagworte

#Zoll#Österreich#Staatsfinanzen#Arzneimittel#Schmuggel

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