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2/3 der Schüler fühlen sich nicht auf Zukunft vorbereitet

Schülerunion übergibt offenen Brief an Bildungsminister Wiederkehr

17. März 2026 um 10:52
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Eine bundesweite Umfrage zeigt: Zwei Drittel der Schüler wissen nicht, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Die Schülerunion fordert bessere Orientierung.

Eine alarmierende Zahl beschäftigt derzeit das österreichische Bildungssystem: Zwei von drei Schülern fühlen sich nicht ausreichend auf ihre Zukunft vorbereitet. Das zeigt eine bundesweite Umfrage der Schülerunion Österreich, an der mehrere tausend Schüler teilgenommen haben. Als Reaktion auf diese besorgniserregenden Ergebnisse überreichten Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl und Bundesgeschäftsführerin Bernadette Krall einen offenen Brief an Bildungsminister Christoph Wiederkehr.

Massive Orientierungslosigkeit bei Jugendlichen

Die Ergebnisse der Umfrage zeichnen ein deutliches Bild der aktuellen Situation: "Zwei von drei Schülern wissen nicht, welchen Beruf sie später einmal ausüben möchten", erklärt Bernadette Krall, Bundesgeschäftsführerin der Schülerunion. Diese Zahlen verdeutlichen einen gravierenden Mangel an Orientierung über die Möglichkeiten nach der Schulzeit.

"Dieses Ergebnis zeigt, dass viele junge Menschen zu wenig Orientierung über ihre Möglichkeiten nach der Schule haben", betont Krall. Die Schülerunion sieht hier dringenden Handlungsbedarf und fordert, dass Bildungs- und Berufsorientierung im österreichischen Schulsystem deutlich stärker gefördert und besser miteinander verbunden werden müssen.

Konkrete Forderungen an das Bildungsministerium

Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl plädiert für einen systematischen Ansatz: "Schüler sollten frühzeitig Einblicke in unterschiedliche Ausbildungswege erhalten." Als konkrete Maßnahmen schlägt sie Praktika, Informationsveranstaltungen und Gespräche mit Fachkräften und Studierenden vor, um realistische Vorstellungen von verschiedenen Berufs- und Studienwegen zu entwickeln.

Besonders wichtig ist der Schülerunion dabei die Gleichwertigkeit aller Bildungswege. "Weder die berufliche Ausbildung noch ein Studium dürfen als 'besser' oder 'schlechter' dargestellt werden – beide Wege sind wertvoll und für unsere Gesellschaft gleichermaßen notwendig", stellt Scheidl klar.

Verpflichtende Testungen ab der 6. Schulstufe

Neben der Berufsorientierung identifiziert die Schülerunion ein weiteres grundlegendes Problem im österreichischen Bildungssystem: die fehlende Absicherung der Grundkompetenzen. Bundesobmann Maximilian Pech bringt es auf den Punkt: "Alle Schüler sollen nach der Sekundarstufe I sicher lesen, schreiben und rechnen können, unabhängig davon, ob sie später eine Lehre beginnen oder ein Studium anstreben."

Als Lösung schlägt die Schülerunion vor, bereits in der 6. oder 7. Schulstufe verpflichtende IKM-Testungen durchzuführen. Bei festgestellten Defiziten sollen individuelle Entwicklungsgespräche zwischen Eltern, Schülern und Lehrern stattfinden, um gezielte Fördermaßnahmen festzulegen.

Konsequenzen bei negativen Ergebnissen

Das Konzept der Schülerunion geht aber noch weiter: Der Lehrkörper soll verpflichtet werden, konkrete Schritte zu setzen, damit betroffene Schüler die notwendigen Grundkompetenzen bis zum Ende der Sekundarstufe I erreichen können. Zusätzlich fordert die Organisation eine verbindliche Überprüfung dieser Grundkompetenzen im ersten Semester der Abschlussstufe der Sekundarstufe I.

"Fällt das Ergebnis negativ aus, soll eine verpflichtende Sommerschule besucht werden, gefolgt von einer Wiederholungsprüfung", erläutert Pech das Konzept. Nur mit einem positiven Abschluss soll ein weiterführender Bildungsweg möglich sein. Gleichzeitig betont die Schülerunion die Notwendigkeit eines begleitenden Systems, um Prüfungsangst frühzeitig abzufedern.

Systemische Probleme frühzeitig erkennen

Das Ziel dieser Maßnahmen ist klar definiert: "Defizite im Schulsystem frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern", wie Pech erklärt. "Nur so können wir sicherstellen, dass alle Schüler die notwendigen Voraussetzungen erhalten, um in Schule, Ausbildung und später am Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein."

Die Schülerunion sieht sich hier in der Pflicht, die Probleme im österreichischen Bildungssystem ehrlich zu benennen und wichtige Reformschritte einzufordern. "Wenn zwei Drittel der Schüler noch keine klare Vorstellung von ihrer Zukunft haben, zeigt das, wie dringend bessere Orientierung notwendig ist", betont die Organisation in ihrem offenen Brief.

Bildungsminister Wiederkehr unter Zugzwang

Mit der Übergabe des offenen Briefs nimmt die Schülerunion Bildungsminister Christoph Wiederkehr direkt in die Verantwortung. Die Organisation fordert konkrete Maßnahmen und mehr Engagement für Bildungs- und Berufsorientierung im österreichischen Schulsystem.

"Es ist Zeit, die Probleme in unserem Bildungssystem ehrlich zu benennen und jetzt wichtige Reformschritte anzugehen", macht Bundesobmann Pech deutlich. Die Forderungen sind konkret und durchdacht – nun liegt es am Bildungsministerium, entsprechende Schritte zu setzen.

Über die Schülerunion Österreich

Die Schülerunion ist mit über 30.000 Mitgliedern die größte Schülerorganisation Österreichs, in der sich die Mitglieder ehrenamtlich engagieren. Durch ihr vielfältiges Serviceangebot, wie zum Beispiel dem Schulrechtsnotruf und diversen Weiterbildungen, gilt sie als wichtige Anlaufstelle für Schüler.

In der Bundesschülervertretung (BSV) stellt die Schülerunion im Schuljahr 2025/26 beeindruckende 23 von 29 Mandaten. Auch die aktuelle Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl kommt aus den Reihen der Schülerunion, was die starke Position der Organisation im österreichischen Bildungssystem unterstreicht.

Die Umfrageergebnisse und der offene Brief zeigen deutlich: Die österreichischen Schüler erwarten vom Bildungssystem mehr als nur Wissensvermittlung. Sie brauchen Orientierung, klare Perspektiven und die Gewissheit, dass sie mit den notwendigen Kompetenzen ins Berufsleben starten können. Ob und wie das Bildungsministerium auf diese berechtigten Forderungen reagiert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Schlagworte

#Bildung#Schülerunion#Wiederkehr#Berufsorientierung#Bildungspolitik

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