Zurück
OTS-MeldungMigräne/Gesundheit/Medizin/Ärzte/Wissenschaft/Therapien

Migräne-Checkliste: Sichere Diagnose für wirksame Therapie

Neurologe erklärt: Warum professionelle Diagnose entscheidend ist

19. März 2026 um 09:41
Teilen:

Über eine Million Österreicher leiden an Migräne. Eine neue Checkliste hilft bei der Selbsteinschätzung und zeigt, wann der Gang zum Neurologen nötig ist.

Migräne ist weit mehr als nur ein starker Kopfschmerz – es handelt sich um eine ernsthafte neurologische Erkrankung, die das Leben von über einer Million Österreichern erheblich beeinträchtigt. Trotz moderner Behandlungsmöglichkeiten wird die Krankheit oft unterschätzt und falsch behandelt. Eine neue Checkliste soll Betroffenen dabei helfen, erste Anzeichen zu erkennen und den richtigen Zeitpunkt für den Arztbesuch zu identifizieren.

Volkskrankheit mit enormem Leidensdruck

Weltweit leiden 12 bis 13 Prozent der Bevölkerung an Migräne – das entspricht fast einer Milliarde Menschen. In Österreich sind es über eine Million Betroffene, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. "Migräne-Attacken können richtig schlimm sein: Schier unerträgliche Kopfschmerzen, häufig gepaart mit Übelkeit und Erbrechen", erklärt Dr. Manfred Eder, Migräne-Spezialist und niedergelassener Neurologe in Groß-Enzersdorf.

Die Beschwerden seien oftmals so massiv, dass Betroffene überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen können. "Egal ob Arbeit, familiäre Aufgaben, Verabredungen mit Freunden – alles muss abgesagt werden. Man möchte nur mehr liegen und das am besten in einer vollkommen reizarmen Umgebung", so der Experte. Ein Zustand, der von einigen Stunden bis zu drei Tagen andauern kann.

Bagatellisierung als großes Problem

Trotz der erheblichen Belastung wird Migräne von Außenstehenden oft nicht ernstgenommen und in der Folge auch von Betroffenen häufig bagatellisiert. "Das ist ein weit verbreitetes Problem. Statt einen Arzt zu konsultieren, wird dann versucht, die Schmerz-Attacken mittels Eigenmedikation in den Griff zu bekommen", warnt Dr. Eder.

Diese Selbstbehandlung birgt jedoch erhebliche Risiken: Betroffene können einen sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entwickeln. Darüber hinaus kann die Erkrankung unbehandelt fortschreiten und chronisch werden – ein Teufelskreis, der nur durch frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie durchbrochen werden kann.

Moderne Therapien bieten neue Hoffnung

Die gute Nachricht: Migräne ist heute besser behandelbar denn je. "Sowohl bei der Behandlung einer Migräne-Attacke als auch zur Vorbeugung haben wir heute verschiedene hochwirksame Medikamente zur Hand", betont der Neurologe. Besonders auf dem Gebiet der Prophylaxe habe sich in den letzten Jahren enorm viel getan.

Ab vier Migräne-Tagen pro Monat können Medikamente zur Vorbeugung verschrieben werden. Moderne Antikörper-Therapien sind nicht nur sehr wirksam und nebenwirkungsarm, sie müssen auch nicht täglich angewendet werden. Je nach Präparat werden sie entweder nur viermal pro Jahr als 30-minütige Infusion verabreicht, oder Betroffene nutzen einen Fertigpen für die monatliche oder vierteljährliche Selbstverabreichung.

Fachärztliche Diagnose als Voraussetzung

Der Zugang zu diesen modernen Therapien setzt jedoch eine gesicherte Diagnose voraus, die am besten durch einen Neurologen gestellt wird. "Die erstmalige Verschreibung dieser Medikamente muss durch den Facharzt erfolgen, die nachfolgenden Verschreibungen kann der Hausarzt vornehmen", erklärt Dr. Eder.

Viele Betroffene wissen jedoch nicht, dass sie Anspruch auf diese hochwirksamen Behandlungen haben – und dass diese nur nach einer professionellen Diagnose verfügbar sind.

Typische Migräne-Symptome erkennen

Das Leitsymptom einer Migräne sind charakteristische Kopfschmerzen, die sich deutlich von anderen Kopfschmerzarten wie dem Spannungskopfschmerz unterscheiden. Typisch für Migräne ist das anfallsartige Auftreten von starken, meist einseitigen, pochenden, pulsierenden oder stechend-bohrenden Kopfschmerzen.

"Typischerweise baut sich der Migräne-Kopfschmerz innerhalb von Minuten auf, manchmal sogar aus dem Schlaf heraus", erläutert Dr. Eder. Intensität und Lokalisation könnten von Person zu Person unterschiedlich sein und von Attacke zu Attacke variieren. Bei einigen poche der Schmerz im Stirn- oder Schläfenbereich, bei anderen sei es ein stechender Schmerz hinter den Augen.

Ein weiteres wichtiges Charakteristikum: Migräne-Kopfschmerz verschlimmert sich durch körperliche Aktivität. Zusätzlich kommen meist weitere belastende Symptome hinzu, wie Übelkeit bis zum Erbrechen sowie Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit.

Die Migräne-Checkliste für Betroffene

Eine neue Checkliste ermöglicht Betroffenen eine erste Einschätzung, ob bei ihnen eine Migräne vorliegen könnte. Folgende Symptome sind charakteristisch:

  • Pulsierende, pochende oder stechend-bohrende Kopfschmerzen
  • Meist einseitig auftretender Schmerz (aber nicht immer)
  • Verschlimmerung schon bei geringer körperlicher Belastung
  • Starke bis sehr starke Schmerzintensität
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
  • Familiäre Vorbelastung (Migräne-Neigung kann vererbt werden)

Besonderheit: Migräne mit Aura

Bei manchen Betroffenen werden Migräne-Attacken von vorübergehenden neurologischen Störungen angekündigt, der sogenannten Aura. Diese dauert meist 5 bis 60 Minuten und kann verschiedene Formen annehmen:

Sehstörungen:

  • Flimmern
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Farbige, blendende Kreise oder Zickzacklinien
  • Lichtblitze

Gefühlsstörungen:

  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen, Armen oder Gesicht

Sprachstörungen:

  • Verwaschene Aussprache
  • Wortfindungsstörungen

In sehr seltenen Fällen können auch Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen auftreten.

Expertenrat: Schnell handeln zahlt sich aus

"Wenn jemand Symptome aus der Checkliste bei sich bemerkt, sollte er keine Zeit verlieren und umgehend einen auf Migräne spezialisierten Neurologen aufsuchen", rät Dr. Eder. Dieser könne nicht nur die Diagnose frühzeitig stellen, sondern sei auch bezüglich der Behandlung am neuesten Stand der Wissenschaft.

Als zusätzliche Hilfe empfiehlt der Experte, bereits vor dem Arzttermin einen Kopfschmerzkalender über mindestens vier Wochen zu führen. "Dokumentieren Sie Schmerztyp, Dauer, mögliche Auslöser und eingenommene Medikamente. Das hilft dem Arzt bei der Diagnose sehr, und er kann Ihnen umso schneller die geeignete Therapie zukommen lassen."

Lebensqualität zurückgewinnen

Die Botschaft der Experten ist klar: Migräne muss nicht länger ein Leben im Schatten bedeuten. Mit der richtigen Diagnose und modernen Therapieansätzen können Betroffene ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Die neue Checkliste soll dabei helfen, den ersten wichtigen Schritt zu machen – den Gang zum Spezialisten.

Wichtig ist dabei, Migräne als das zu betrachten, was sie ist: eine ernsthafte neurologische Erkrankung, die professionelle Behandlung verdient und erfolgreich therapiert werden kann.

Schlagworte

#Migräne#Neurologie#Gesundheit#Kopfschmerzen#Therapie

Weitere Meldungen

OTS
Klima

Wien startet größtes Renaturierungsprojekt in Breitenlee

19. März 2026
Lesen
OTS
EQS

Erste Asset Management reduziert Beteiligung an AT&S

19. März 2026
Lesen
OTS
EQS

AT&S-Aktie: Erste Asset Management reduziert Beteiligung unter 4%

19. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen