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Wien fordert Gasausstieg gegen Preis-Explosionen

Klimastadtrat Czernohorszky drängt auf Bundesklimagesetz mit fixem Ausstiegsdatum

19. März 2026 um 13:31
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Wiens Klimastadtrat warnt vor steigenden Gaspreisen und fordert einen raschen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen für Preisstabilität und Energieunabhängigkeit.

Angesichts drohender Gaspreis-Explosionen schlägt Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky Alarm und fordert einen konsequenten Ausstieg aus der Gasheizung. Der SPÖ-Politiker warnt vor den Folgen der Abhängigkeit von ausländischen Energielieferungen und sieht nur einen Weg, um die Wienerinnen und Wiener langfristig vor steigenden Energiekosten zu schützen: den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien.

Gasabhängigkeit als Preistreiber

"Solange wir mit Gas und Öl heizen, sind wir von ausländischen Energielieferungen abhängig", erklärt Czernohorszky die Problematik. Die Volatilität der internationalen Energiemärkte führe immer wieder zu unvorhersehbaren Kostensprüngen, die direkt an die Verbraucher weitergegeben werden. Besonders Gas sei von diesen Schwankungen betroffen, da Österreich einen Großteil seiner Gasimporte aus politisch instabilen Regionen bezieht.

Der Klimastadtrat sieht den Gasausstieg daher nicht nur als Klimaschutzmaßnahme, sondern als essentiellen Schritt zur Sicherung der Lebensqualität in Wien. "Es geht nicht nur um den Schutz des Klimas, sondern darum, die Kontrolle über unsere Energiepreise zurückzugewinnen", betont er. Nur heimische Energie könne stabile Preise und eine sichere Versorgung garantieren.

Bundesweite Lösung gefordert

Von der Bundesregierung fordert Czernohorszky klare Bekenntnisse und konkrete Maßnahmen. Ein Bundesklimagesetz mit einem fixen Ausstiegsdatum sei unerlässlich für die Unabhängigkeit Österreichs von ausländischen Energielieferungen. Bisher fehle es an verbindlichen Zielen und einem konkreten Fahrplan für den Gasausstieg auf nationaler Ebene.

Wien geht bereits mit gutem Beispiel voran: Die Hauptstadt hat sich das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 gesetzt und dieses sogar in einem eigenen Klimagesetz verankert. Damit ist Wien eine der wenigen Städte in Europa, die rechtlich bindende Klimaziele festgelegt hat.

Wärmepumpen und Solarenergie als Schlüsseltechnologien

Als Alternative zu fossilen Brennstoffen setzt Wien auf moderne Heiztechnologien. Wärmepumpen in Kombination mit Solarstrom gelten als die Gamechanger der Energiewende. Diese Technologien werden auch künftig verstärkt gefördert, kündigt der Klimastadtrat an. Der Vorteil: Sie nutzen erneuerbare Energiequellen und machen unabhängig von Importen.

Die Effizienz dieser Technologien zeigt sich bereits in zahlreichen Wiener Projekten. Wärmepumpen können nicht nur heizen, sondern im Sommer auch umweltfreundlich kühlen – ein wichtiger Aspekt angesichts steigender Temperaturen durch den Klimawandel.

Erfolgreiches Sanierungsprojekt in der Großen Neugasse

Ein konkretes Beispiel für den erfolgreichen Gasausstieg liefert ein Wohnhaus in der Großen Neugasse im 2. Bezirk. Der Bau aus den 1960er-Jahren wurde umfassend thermisch saniert und wird seither vollständig mit einer Wärmepumpe beheizt und gekühlt. Der Strom für die Wärmepumpe stammt von einer hauseigenen Solaranlage auf dem Dach.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Heizkosten haben sich um 20 bis 25 Prozent reduziert. Gleichzeitig können die Bewohner im Sommer ihre Wohnungen klimafreundlich kühlen – ein Service, der früher nicht verfügbar war. Das Projekt zeigt, dass sich der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch lohnt.

Initiative "100 Projekte Raus aus Gas"

Die Stadt Wien hat ihre Anstrengungen zur Dekarbonisierung in den letzten Jahren massiv verstärkt. Im Rahmen der Initiative "100 Projekte Raus aus Gas" werden in den kommenden Jahren verstärkt Gebäude von fossilen auf erneuerbare Energieträger umgestellt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Gebäudekälte – ein Bereich, der bisher oft vernachlässigt wurde.

Zusätzlich startet Wien in Kürze eine neue Förderschiene für den Ausbau von Solarenergie. Diese soll Privatpersonen, Unternehmen und Hausverwaltungen dabei unterstützen, Photovoltaikanlagen zu errichten und damit ihren eigenen sauberen Strom zu produzieren.

Langfristige Preisstabilität durch Energiewende

Czernohorszky argumentiert pragmatisch: "Die Vorteile von erneuerbarer Energie liegen auf der Hand, warum sollten wir also am Gas festhalten?" Die wiederkehrenden Preissprünge bei Energie, Strom und Treibstoffen seien Grund genug, um die Kontrolle über die Energieversorgung zurückzugewinnen.

Während fossile Brennstoffe Preisschwankungen unterworfen sind, die oft durch geopolitische Spannungen verstärkt werden, bieten erneuerbare Energien langfristige Planungssicherheit. Sonne und Wind schicken bekanntlich keine Rechnung, und auch die Betriebskosten von Wärmepumpen sind deutlich stabiler als die volatilen Gaspreise.

Investitionen in die Energiezukunft

Die Umstellung auf erneuerbare Energien erfordert zwar anfängliche Investitionen, amortisiert sich aber meist binnen weniger Jahre. Gleichzeitig schaffen diese Investitionen lokale Arbeitsplätze und stärken die heimische Wirtschaft, anstatt Milliardenbeträge ins Ausland zu transferieren.

Wien setzt dabei auf einen Mix aus städtischen Investitionen und privaten Initiativen. Durch Förderungen und Beratungsangebote sollen möglichst viele Haushalte und Unternehmen zum Umstieg bewegt werden.

Herausforderungen und Chancen

Der Weg zur Klimaneutralität bis 2040 ist ambitioniert, aber machbar. Wien verfügt über eine gute Ausgangslage: Ein dichtes Fernwärmenetz, das bereits zu einem großen Teil auf erneuerbare Energien umgestellt wurde, eine aktive Stadtregierung und eine Bevölkerung, die mehrheitlich hinter den Klimazielen steht.

Die größten Herausforderungen liegen im Gebäudebestand: Viele ältere Häuser müssen saniert und mit neuen Heizsystemen ausgestattet werden. Hier sind sowohl technische als auch finanzielle Lösungen gefragt. Die Stadt Wien arbeitet daher an umfassenden Fördermodellen und Beratungsangeboten.

Ausblick: Wien als Vorreiter

Mit seinen ambitionierten Klimazielen und konkreten Maßnahmen positioniert sich Wien als europäische Vorreiterstadt in Sachen Klimaschutz. Die Kombination aus rechtlich verbindlichen Zielen, finanziellen Anreizen und praktischen Lösungen könnte zum Modell für andere Städte werden.

Czernohorszkys Appell an den Bund zeigt aber auch: Klimaschutz kann nicht allein auf kommunaler Ebene gelingen. Es braucht koordinierte Anstrengungen aller Regierungsebenen, um die Energiewende zu beschleunigen und die Abhängigkeit von fossilen Importen zu beenden.

Die Zeit drängt – nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch aus ökonomischer Sicht. Jeder weitere Preisschock bei fossilen Energien trifft die Haushalte hart. Der Gasausstieg ist daher nicht nur eine Investition in die Umwelt, sondern auch in die finanzielle Sicherheit der Menschen.

Schlagworte

#Wien#Klimaschutz#Gasausstieg#Energiewende#Czernohorszky#Wärmepumpe#Solarenergie

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