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Nahost-Krieg bedroht Österreichs Medikamentenversorgung

Arzneimittel-Großhändler rüsten sich für mögliche Lieferengpässe

20. März 2026 um 09:51
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Österreichische Pharma-Großhändler bereiten sich auf Versorgungsengpässe vor, während Transportkosten durch hohe Ölpreise explodieren.

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten wirft seine Schatten auch auf die österreichische Gesundheitsversorgung. Während die Arzneimittelversorgung derzeit noch stabil läuft, warnen Experten vor möglichen Engpässen, sollte sich der Krieg in die Länge ziehen. Die österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler haben bereits erste Auswirkungen zu spüren bekommen und treffen umfassende Sicherheitsvorkehrungen.

Aktuelle Lage: Noch keine direkten Versorgungsengpässe

Bislang registrieren die österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler keine direkten Beeinträchtigungen der Medikamentenversorgung durch den Krieg im Nahen Osten. Diese positive Nachricht kommt von der PHAGO, der Vereinigung der pharmazeutischen Großhändler Österreichs, die 23 Arzneimittellager mit über 14 Millionen Packungen betreibt.

Doch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) schlägt bereits Alarm: Sie weist auf erhebliche Störungen bei Luft- und Seetransporten im Zusammenhang mit dem Konflikt hin und warnt vor einem erhöhten Risiko für Arzneimittelengpässe. Gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten überwacht die EMA kontinuierlich die Versorgungslage.

Erste spürbare Auswirkungen: Explodierende Transportkosten

Die ersten unmittelbaren Folgen des Nahost-Krieges sind bereits in Österreich angekommen – allerdings nicht in Form von Medikamentenengpässen, sondern durch drastisch gestiegene Kosten. "Durch die massiv gestiegenen Erdölpreise explodieren uns gerade die Transportkosten für die täglichen Medikamentenauslieferungen an die Apotheken", erklärt das PHAGO-Generalsekretariat.

Diese Kostensteigerungen treffen die gesamte Lieferkette und könnten sich letztendlich auch auf die Arzneimittelpreise auswirken. Für die Großhändler bedeutet dies eine zusätzliche finanzielle Belastung bei gleichzeitig steigendem Versorgungsdruck.

Kritische Infrastruktur unter Druck

Die österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler gelten als Teil der kritischen Infrastruktur des Landes. "Unsere 23 Arzneimittellager sind aktuell mit über 14 Millionen Packungen sehr gut gerüstet. Jeder Betrieb hat Notfallpläne. Diese sind wichtig, weil wir Teil der kritischen Infrastruktur in Österreich sind", betont PHAGO-Generalsekretärin Monika Vögele.

Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Gleichzeitig haben sie aber auch bewiesen, dass die österreichischen Großhändler in der Lage sind, auch in Krisenzeiten eine stabile Versorgung aufrechtzuerhalten. "In der Corona-Pandemie haben wir gezeigt, dass wir die Arzneimittelversorgung stabil halten können. Wir profitieren jetzt von den Lehren, die wir aus der Pandemie ziehen konnten", so Vögele weiter.

Umfassende Sicherheitsvorkehrungen getroffen

Angesichts der unsicheren Lage haben die PHAGO-Mitgliedsunternehmen weitreichende Sicherheitsmaßnahmen implementiert. Diese sollen gewährleisten, dass die Arzneimittelversorgung auch bei längeren Konflikten oder Transportunterbrechungen aufrechterhalten werden kann.

Notfallstromerzeugung und Dieselreserven

Alle PHAGO-Lager sind mit Notstromaggregaten ausgestattet, die einen mehrere Tage andauernden autonomen Betrieb ermöglichen. Zentrale Dieseltanks sichern den Arzneimittelbestand zusätzlich ab. Diese Maßnahmen sind besonders wichtig, da moderne Arzneimittellager auf eine kontinuierliche Stromversorgung angewiesen sind, um Kühlketten und Lagerbedingungen aufrechtzuerhalten.

Spezialschutz für temperaturempfindliche Medikamente

Besondere Aufmerksamkeit gilt temperaturempfindlichen Arzneimitteln. Diese werden extra geschützt, und rund um die Uhr wird die Temperatur überwacht. Bei der geringsten Abweichung von den vorgeschriebenen Lagerbedingungen wird sofort Alarm ausgelöst. Dies ist crucial, da viele moderne Medikamente, insbesondere Biologika und Impfstoffe, ihre Wirksamkeit verlieren können, wenn sie nicht korrekt gelagert werden.

Flexibles Lagermanagement

Im Falle von lokalen Engpässen können Arzneimittel schnell an andere Lagerstandorte gebracht werden. Diese Flexibilität im Lagermanagement ermöglicht es, regionale Versorgungsengpässe durch Umverteilung aus anderen Lagern auszugleichen.

Direkter Herstellerkontakt

Ein besonders wichtiger Baustein der Sicherheitsstrategie ist der direkte Kontakt mit den Herstellern. Die Versorgungslage wird laufend überwacht, um bei drohenden Engpässen sofort reagieren zu können. Diese proaktive Herangehensweise soll es ermöglichen, bereits im Vorfeld alternative Beschaffungswege zu etablieren oder Lagerbestände anzupassen.

Arzneimittel als Sicherheitsfrage

"Arzneimittel sind eine Sicherheitsfrage. Als Rückgrat der österreichischen Arzneimittelversorgung müssen unsere Prozesse reibungslos funktionieren, damit Patientinnen und Patienten vor Versorgungsengpässen geschützt werden", erklärt Mila Pohl, stellvertretende Generalsekretärin der PHAGO.

Diese Aussage unterstreicht die strategische Bedeutung einer gesicherten Arzneimittelversorgung für die nationale Sicherheit. In Zeiten internationaler Krisen wird deutlich, wie wichtig eine robuste und resiliente Gesundheitsinfrastruktur ist.

Globale Lieferketten unter Stress

Der Nahost-Konflikt ist nur ein Beispiel für die Vulnerabilität globaler Lieferketten. Viele Arzneimittel-Wirkstoffe werden in wenigen Ländern produziert, und Transportwege führen oft durch politisch instabile Regionen. Dies macht die Pharma-Lieferketten besonders anfällig für geopolitische Störungen.

Die aktuellen Störungen bei Luft- und Seetransporten, auf die die EMA hinweist, können sich schnell auf die gesamte europäische Arzneimittelversorgung auswirken. Flugverbindungen werden umgeleitet oder gestrichen, Seerouten müssen geändert werden, und Versicherungskosten für Transporte durch Krisengebiete steigen drastisch an.

Lehren aus der Pandemie

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Österreich grundsätzlich gut auf Versorgungskrisen vorbereitet ist. Die damals entwickelten Notfallpläne und Kommunikationsstrukturen kommen nun auch in der aktuellen Situation zum Tragen. Die Pharmaindustrie hat aus den Erfahrungen der Pandemie gelernt und ihre Lagerhaltung sowie Notfallprozeduren entsprechend angepasst.

Dennoch ist die aktuelle Situation anders als die Pandemie: Während COVID-19 eine globale Gesundheitskrise war, die alle Länder gleichermaßen betraf, handelt es sich beim Nahost-Konflikt um eine regionale Krise mit globalen Auswirkungen auf Handelsrouten und Energiepreise.

Ausblick: Vorbereitung auf längeren Konflikt

Die österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler bereiten sich vorsorglich auf mögliche Unterbrechungen und Verzögerungen in der Lieferkette vor, sollte der Konflikt länger andauern. Diese proaktive Herangehensweise ist entscheidend, da sich Versorgungsengpässe oft erst mit Verzögerung bemerkbar machen.

Besonders kritisch könnte die Situation werden, wenn wichtige Transportrouten dauerhaft blockiert oder unsicher werden. Die Schifffahrt durch das Rote Meer und den Suezkanal sowie Flugverbindungen über den Nahen Osten sind wichtige Verkehrswege für den internationalen Pharmahandel.

Die österreichische Regierung und die EU-Behörden arbeiten eng mit der Pharmaindustrie zusammen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dabei geht es nicht nur um die kurzfristige Krisenbewältigung, sondern auch um langfristige Strategien zur Stärkung der Resilienz der europäischen Arzneimittelversorgung.

Für Patienten in Österreich bedeutet dies zunächst, dass ihre Medikamentenversorgung weiterhin gesichert ist. Die umfassenden Vorsichtsmaßnahmen der Großhändler und die kontinuierliche Überwachung der Situation durch die Behörden sollen dafür sorgen, dass auch in unsicheren Zeiten die Gesundheitsversorgung gewährleistet bleibt.

Schlagworte

#Arzneimittelversorgung#Nahost-Krieg#Lieferketten#PHAGO#Gesundheitspolitik

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