Österreichs älteste queere Parteiorganisation feiert Jubiläum und blickt nach vorn
Die Grünen Andersrum feiern 30 Jahre Engagement für LGBTIQ+ Rechte. Trotz Erfolgen sehen die Aktivisten noch viel Arbeit vor sich.
Drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung ziehen die Grünen Andersrum Österreich eine gemischte Bilanz: Während bedeutende Fortschritte für die LGBTIQ+ Community erreicht wurden, sehen sich queere Menschen weltweit neuen Herausforderungen gegenüber. Die Bundessprecher David Stögmüller und Katharina Schöll-Laussermayer warnen vor einem Rückschritt bei hart erkämpften Rechten.
Was 1996 als Arbeitskreis von Ulrike Lunacek und Gernot Wartner begann, hat sich zu einer bundesweiten Organisation entwickelt, die heute in allen österreichischen Bundesländern aktiv ist. Die Grünen Andersrum sind damit eine der ältesten parteiinternen LGBTIQ+ Organisationen Europas und haben maßgeblich zur Entwicklung queerer Politik in Österreich beigetragen.
"Der Grundstein für die Grünen Andersrum wurde 1996 gelegt. Aus einem engagierten Arbeitskreis wurde eine bundesweite Organisation, die heute in allen Bundesländern verankert ist", erklären die aktuellen Bundessprecher. Besonders in ländlichen Regionen seien diese Strukturen unverzichtbar, wo Sichtbarkeit oft fehle und queere Menschen eine starke Stimme benötigten.
In ihrer Zeit in der Regierungsverantwortung konnten die Grünen bedeutende Erfolge für die LGBTIQ+ Community verzeichnen. Zu den wichtigsten Errungenschaften der letzten Jahre zählen:
"Diese Fortschritte wurden hart erkämpft und sind erst der Anfang", betonen Stögmüller und Schöll-Laussermayer. Die Erfolge seien das Ergebnis jahrelanger politischer Arbeit und des Engagements zahlreicher Aktivistinnen und Aktivisten.
Trotz der Erfolge sehen die Grünen Andersrum keinen Grund zur Entspannung. "Heute sehen wir, wie queere Rechte weltweit unter Beschuss geraten. Rechtsextreme Netzwerke verbreiten gezielt Fake News, Hass und Hetze, während queere Themen aus der politischen Agenda gedrängt werden", warnen die Bundessprecher.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur Österreich, sondern ist ein internationales Phänomen. In vielen Ländern werden bereits erkämpfte Rechte wieder in Frage gestellt oder sogar rückgängig gemacht. Umso wichtiger sei es, dass demokratische Parteien klar Position beziehen.
"Wir lassen nicht zu, dass die Rechte der LGBTIQ+ Community an den Rand gedrängt werden. Sie gehören ins Zentrum jeder demokratischen Politik", stellen die Sprecher unmissverständlich fest. Eine offene und gerechte Gesellschaft gebe es nur, wenn queere Menschen sichtbar, sicher und frei leben könnten.
Die Organisation sieht sich dabei nicht nur als politische Interessenvertretung, sondern als Teil einer größeren gesellschaftlichen Bewegung. "Wir hören zu, wir halten zusammen, und wir stellen uns jeder Spaltung entgegen", so das Credo der Aktivisten.
Für die kommenden Jahre haben die Grünen Andersrum eine klare Agenda definiert. Zu den wichtigsten Forderungen gehören:
"Die Rechte von trans und nichtbinären Menschen müssen gestärkt, bestehende Hürden konsequent abgebaut werden", fordern Stögmüller und Schöll-Laussermayer. Auch der Schutz intergeschlechtlicher Kinder und Jugendlicher vor medizinisch nicht notwendigen Eingriffen sei längst überfällig.
Ein besonderes Anliegen ist den Grünen Andersrum das Verbot von sogenannten Konversionspraktiken – pseudotherapeutischen Maßnahmen, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von Menschen zu ändern. "Das längst überfällige Verbot von Konversionspraktiken darf nicht länger blockiert werden", mahnen die Sprecher.
Eine besondere Rolle spielen die Grünen Andersrum in ländlichen Gebieten Österreichs. Dort, wo queere Menschen oft isoliert leben und wenig Sichtbarkeit herrscht, bietet die Organisation wichtige Unterstützung und Vernetzung.
Die bundesweite Verankerung in allen Bundesländern ermöglicht es, auch abseits der großen Städte für LGBTIQ+ Rechte einzutreten und Betroffenen eine Stimme zu geben. Diese Struktur unterscheidet die Grünen Andersrum von vielen anderen queeren Organisationen, die oft hauptsächlich in urbanen Zentren aktiv sind.
Zum Abschluss des Jubiläumsjahres richten die Bundessprecher besonderen Dank an alle Beteiligten: "Unser Dank gilt allen Aktivistinnen und Aktivisten der Grünen Andersrum und den queeren Vereinen. Ohne ihr Engagement wären viele dieser Fortschritte nicht Realität."
Die Zusammenarbeit mit anderen LGBTIQ+ Organisationen und Vereinen sei essentiell für den Erfolg der politischen Arbeit. Nur durch gemeinsame Anstrengungen könnten die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen erreicht werden.
Mit Blick auf die Zukunft zeigen sich Stögmüller und Schöll-Laussermayer optimistisch, aber auch entschlossen. "Ein selbstbestimmtes Leben frei von Diskriminierung, Hass und Hetze muss 2026 in Europa selbstverständlich sein", formulieren sie als Ziel.
"In Krisenzeiten zeigt sich, wer Haltung hat. LGBTIQ+ Rechte sind nicht verhandelbar", betonen die Sprecher abschließend. "Auf die nächsten 30 Jahre Grüne Andersrum: lauter, sichtbarer und entschlossener denn je."
Das 30-jährige Jubiläum markiert somit nicht nur einen Rückblick auf Erreichtes, sondern auch den Startschuss für die kommenden Herausforderungen im Kampf um gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz für alle Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität.