Ingeborg Haberfehlner beendet außergewöhnliche Laufbahn im sozialen Dienst
Nach 45 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit verabschiedet sich eine Wienerin aus dem Kontaktbesuchsdienst und wird zum Symbol für nachhaltiges Engagement.
Wien zeigt sich von seiner sozialen Seite: Nach beeindruckenden 45 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit hat sich Ingeborg Haberfehlner aus dem Kontaktbesuchsdienst der Wiener Sozialdienste verabschiedet. Über vier Jahrzehnte lang informierte sie ältere Menschen und gab ihnen Orientierung im vielfältigen Angebot sozialer Dienstleistungen der Hauptstadt.
Ihr Abschied fällt in eine besondere Zeit: Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2026 zum "International Year for Volunteers for Sustainable Development" erklärt. Damit rückt weltweit die zentrale Rolle von Ehrenamtlichen für den sozialen Zusammenhalt in den Fokus der Aufmerksamkeit.
Der Kontaktbesuchsdienst der Stadt Wien richtet sich an alle in Wien lebenden Menschen ab 60 Jahren und ist vollkommen kostenlos. Das Angebot konzentriert sich auf umfassende Informationen und einen strukturierten Überblick zu den sozialen Angeboten der Stadt. Ehrenamtliche Kontaktbesucher:innen stehen für Fragen zu Freizeit- und Bildungsangeboten, Betreuung von Angehörigen, verschiedenen Wohnformen, Vorsorgemöglichkeiten sowie Pflege und Betreuung zur Verfügung.
Besonders wertvoll ist der persönliche Service für Menschen ab 75 Jahren: Sie erhalten auf Wunsch Informationsbesuche zu Hause, die von der jeweiligen Bezirksvorstehung angekündigt werden. Das Ziel dabei ist es, Senior:innen übersichtliche und verständliche Auskünfte über bestehende Dienstleistungen zu geben und bei Bedarf Anliegen an die zuständigen Stellen weiterzuleiten.
Ingeborg Haberfehlner blickt auf ihre lange Tätigkeit mit Zufriedenheit zurück: "In all den Jahren ging es mir vor allem darum, gut zuzuhören und Informationen verständlich weiterzugeben. Viele Menschen sind dankbar, wenn sie wissen, welche Angebote es gibt und wohin sie sich wenden können."
Für sie bedeutet Ehrenamt vor allem, Orientierung zu geben: "Es ist eine sehr sinnstiftende Tätigkeit, die mir viel Freude bereitet hat – besonders das positive Feedback der Menschen hat mich immer wieder bestärkt und motiviert." Diese Einstellung spiegelt wider, was den Kontaktbesuchsdienst im Kern ausmacht: den direkten, menschlichen Kontakt und das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse.
Marianne Hengstberger, Geschäftsführerin der Wiener Sozialdienste, würdigt das außergewöhnliche Engagement: "45 Jahre ehrenamtlicher Einsatz sind alles andere als selbstverständlich. Frau Haberfehlner steht exemplarisch für das, was den Kontaktbesuchsdienst ausmacht: Verlässlichkeit, Empathie und echtes Interesse an den Menschen."
Auch die Senior:innenbeauftragte der Stadt Wien, Sabine Hofer Gruber, betont die Bedeutung solcher ehrenamtlicher Arbeit: "Ehrenamtliche im Kontaktbesuchsdienst nehmen sich Zeit für persönliche Gespräche und sorgen dafür, dass Menschen Zugang zu verlässlichen Informationen haben und sich im sozialen Angebot der Stadt besser zurechtfinden."
Die Anerkennung wurde bei einem kleinen Empfang in der Bezirksvorstehung des 12. Bezirks Meidling ausgesprochen, an dem auch Gabriele Votava, Präsidentin der Wiener Sozialdienste, und Bezirksvorsteher Wilfried Zankl teilnahmen.
Das bevorstehende Internationale Jahr der freiwillig Engagierten 2026 nutzen die Wiener Sozialdienste als Anlass, den Kontaktbesuchsdienst weiterzuentwickeln. Die ehrenamtliche Informationsarbeit soll sichtbarer gemacht und gestärkt werden. Gleichzeitig werden laufend neue Kontaktbesucher:innen gesucht, die nach einer entsprechenden Einschulung das bestehende Team erweitern können.
"Im Internationalen Jahr der freiwillig Engagierten 2026 wird sichtbar gemacht, wie wichtig dieses Engagement für ein inklusives und nachhaltiges Wien ist", erklärt Hofer Gruber die strategische Bedeutung des Ehrenamts für die Stadtentwicklung.
Die Wiener Sozialdienste haben sich als führende Anbieterin sozialer Dienste in Wien etabliert und erbringen vielfältige Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen, Senior:innen, gesundheitlich eingeschränkte oder sozial gefährdete Menschen und ihre Familien. Der Kontaktbesuchsdienst wird durch den Fonds Soziales Wien finanziert und strategisch von der Senior:innenbeauftragten der Stadt Wien und ihrem Team "Wien für Senior:innen" weiterentwickelt.
Diese strukturierte Herangehensweise zeigt, wie Wien systematisch an der Verbesserung der Lebensqualität seiner älteren Bewohner:innen arbeitet. Der Kontaktbesuchsdienst ist dabei ein wichtiger Baustein, der die oft komplexen sozialen Angebote der Stadt für die Betroffenen zugänglich und verständlich macht.
Der Abschied von Ingeborg Haberfehlner ist mehr als nur das Ende einer langen ehrenamtlichen Laufbahn. Er steht symbolisch für die Bedeutung nachhaltigen Engagements in der Gesellschaft und zeigt, wie einzelne Menschen durch ihr Engagement über Jahrzehnte hinweg das Leben vieler anderer positiv beeinflussen können.
Gleichzeitig wirft ihr Beispiel ein Licht auf die Herausforderungen, vor denen Organisationen wie die Wiener Sozialdienste stehen: Wie können erfahrene Ehrenamtliche ersetzt werden? Wie lassen sich jüngere Menschen für solche langfristigen Engagements begeistern?
Die Antwort liegt möglicherweise in der Sichtbarmachung der positiven Auswirkungen ehrenamtlicher Arbeit. Haberfehlners 45-jährige Tätigkeit zeigt eindrucksvoll, wie erfüllend und sinnstiftend solche Arbeit sein kann – sowohl für die Helfenden als auch für die Menschen, die Unterstützung erhalten.
Mit Blick auf 2026 und das Internationale Jahr der freiwillig Engagierten bietet sich Wien die Chance, innovative Wege zu finden, um das Ehrenamt zu stärken und neue Generationen von Helfer:innen zu gewinnen. Der Kontaktbesuchsdienst könnte dabei als Modell dienen, wie professionelle Strukturen und ehrenamtliches Engagement erfolgreich zusammenwirken können.