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Österreichs Haushalte setzen trotz sinkender Zinsen auf Sicherheit

OeNB-Analyse zeigt veränderte Kredit- und Spargewohnheiten nach Leitzinssenkungen

20. März 2026 um 12:21
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Wohnbaukredite boomen wieder, aber 86% der Österreicher wählen trotz günstigerer Variabilzinsen weiterhin Fixzinsen. Sparverhalten ändert sich drastisch.

Die österreichischen Haushalte haben ihre Kreditaktivität im Jahr 2025 deutlich gesteigert, setzen dabei aber weiterhin auf Sicherheit statt auf die günstigeren variablen Zinssätze. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB), die die Auswirkungen der EZB-Leitzinssenkungen auf den heimischen Finanzmarkt untersucht hat.

EZB-Zinssenkungen führen zu mehr Kreditabschlüssen

Die Europäische Zentralbank senkte 2025 die Leitzinssätze in vier Schritten um einen vollen Prozentpunkt. Diese geldpolitische Lockerung zeigte unmittelbare Wirkung auf dem österreichischen Kreditmarkt: Das Volumen neuer Wohnbaukredite stieg von 11 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf beeindruckende 17 Milliarden Euro im Jahr 2025 – ein Anstieg um mehr als 50 Prozent.

"Sowohl für Unternehmen als auch für private Haushalte gingen die Kreditzinssätze für neue Kredite im Jahr 2025 zurück", erklärte Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der OeNB. Besonders deutlich war dieser Rückgang bei variabel verzinsten Wohnbaukrediten zu spüren: Der Zinssatz sank um knapp einen Prozentpunkt von 4,14 Prozent Ende 2024 auf 3,21 Prozent Ende 2025.

Österreicher bevorzugen Planungssicherheit

Trotz der attraktiveren Konditionen bei variablen Krediten zeigten sich die österreichischen Haushalte überraschend risikoavers. Fast neun von zehn (86 Prozent) neuen Wohnbaukrediten wurden mit Fixzinssatz abgeschlossen. Die Fixzinssätze blieben dabei praktisch unverändert bei etwa 3,42 Prozent (2024: 3,43 Prozent).

"Variable Kredite wurden somit wieder günstiger als jene mit Zinsbindung. Trotzdem schlossen österreichische Haushalte fast ausschließlich neue Wohnbaukredite mit Fixzinssatz ab und setzten dabei auf Sicherheit", betonte Stiftinger. Diese Entwicklung spiegelt die Erfahrungen der vergangenen Jahre wider, in denen viele Haushalte mit variablen Krediten von den drastischen Zinsanstiegen betroffen waren.

Bestandskunden profitieren von Zinsentlastung

Während neue Kreditnehmer auf Sicherheit setzen, konnten Bestandskunden mit variablen Krediten von den sinkenden Zinsen profitieren. Haushalte mit bereits bestehenden variablen Wohnbaukrediten zahlten 2025 pro 100.000 Euro Kreditschuld insgesamt rund 3.450 Euro an Zinsen – deutlich weniger als im Vorjahr (4.690 Euro). Allerdings liegt diese Belastung immer noch erheblich über dem Niveau vor der Zinswende (2022: 1.460 Euro).

Insgesamt verfügten österreichische Haushalte Ende 2025 über 188 Milliarden Euro an ausstehenden Bankkrediten, wobei mehr als die Hälfte (58 Prozent) fixverzinst waren. Die gesamten Zinszahlungen für Wohnbaukredite sanken von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Unternehmen setzen verstärkt auf langfristige Investitionen

Auch bei Unternehmenskrediten zeigten sich interessante Entwicklungen. Unternehmen schlossen vermehrt Investitionskredite mit Laufzeiten von über fünf Jahren ab – ein Zeichen für langfristige Planungen und Investitionsvorhaben. Bemerkenswert ist dabei, dass ein knappes Drittel (15 Milliarden Euro) der 2025 neu vergebenen Unternehmenskredite an Firmen im Immobiliensegment ging.

Sparverhalten verändert sich drastisch

Die sinkenden Zinssätze beeinflussten nicht nur die Kreditnachfrage, sondern führten auch zu einem fundamentalen Wandel im Sparverhalten der österreichischen Haushalte. Die Zinssätze auf Spareinlagen sanken deutlich: Für neue Festgeld-Einlagen erhielten Haushalte Ende 2025 nur noch 1,62 Prozent statt 2,43 Prozent ein Jahr zuvor. Täglich fällige Einlagen auf Sparkonten wurden Ende 2025 mit durchschnittlich 0,69 Prozent verzinst.

"Ein Marktvergleich lohnt sich jedenfalls, da sich die Konditionen mitunter stark unterscheiden", empfiehlt Regina Fuchs, Direktorin der OeNB-Hauptabteilung Statistik. Die OeNB stellt dafür eine Transparenzplattform zur Verfügung, die einen Überblick über die aktuellen Sparzinsen verschiedener Anbieter bietet.

Wertpapiere gewinnen an Attraktivität

Die gesunkenen Sparzinsen führten zu einer bemerkenswerten Umschichtung in den Portfolios der privaten Haushalte. Während sie 2023 und 2024 ihr Volumen auf Sparkonten noch um insgesamt 37 Milliarden Euro erhöhten, investierten sie 2025 kaum mehr in neue Spareinlagen (nur +2 Milliarden Euro).

Stattdessen hielten die Haushalte wieder vermehrt Geldbestände auf ihren Girokonten (+8 Milliarden Euro) und wandten sich verstärkt alternativen Anlageformen zu. Besonders Wertpapiere rückten stark in den Fokus: Private Haushalte veranlagten zusätzlich rund 7 Milliarden Euro in Investmentfonds und 6 Milliarden Euro in Schuldverschreibungen.

Nachhaltigkeit wird wichtiger

Ein interessanter Trend zeigt sich auch bei den Anlagekriterien: Das Thema Nachhaltigkeit spielt für inländische Investoren eine immer wichtigere Rolle. Dies spiegelt sich im sukzessive erhöhten Bestand an nachhaltigen Anleihen (ESG-Bonds) wider, die bei österreichischen Anlegern zunehmend auf Interesse stoßen.

Neues Wohnimmobilien-Dashboard schafft Transparenz

Um die Entwicklungen am Immobilienmarkt besser nachvollziehbar zu machen, hat die OeNB ein neues Wohnimmobilien-Dashboard entwickelt. "Der Immobilienmarkt ist eng mit dem Thema Finanzmarktstabilität verwoben, eine der Kernaufgaben der OeNB. Mit unserem neuen Dashboard schaffen wir einen transparenten, leicht zugänglichen Überblick über entscheidende Informationen zum Thema Wohnimmobilien", erklärte OeNB-Direktor Thomas Steiner.

Das Dashboard bietet umfassende Informationen von Preisentwicklungen über Baukosten bis hin zu durchschnittlichen Kredithöhen. Neue Preisindizes zeigen beispielsweise, dass seit 2012 die Preise im ländlichen Raum wesentlich stärker gestiegen sind als im städtischen Bereich.

Große regionale Unterschiede

Besonders bemerkenswert sind die regionalen Unterschiede in der Preisentwicklung: So sind die Immobilienpreise im Burgenland doppelt so stark gestiegen wie in Oberösterreich. Diese Daten helfen Haushalten, Investoren und Politikern, fundierte Entscheidungen zu treffen und die Entwicklungen am österreichischen Immobilienmarkt besser zu verstehen.

Ausblick für 2026

Die Entwicklungen des Jahres 2025 zeigen deutlich, wie sich geldpolitische Entscheidungen auf das Verhalten der Haushalte und Unternehmen auswirken. Während die Kreditnachfrage wieder anzieht, bleibt die Risikoaversion der österreichischen Haushalte hoch. Das könnte auch für 2026 bedeuten, dass Fixzinskredite weiterhin bevorzugt werden, auch wenn variable Kredite günstiger bleiben sollten.

Das veränderte Sparverhalten dürfte sich ebenfalls fortsetzen, solange die Zinsen auf Spareinlagen niedrig bleiben. Die verstärkte Hinwendung zu Wertpapieren könnte den österreichischen Kapitalmarkt weiter beleben und neue Möglichkeiten für Anleger und Unternehmen schaffen.

Die OeNB wird diese Entwicklungen weiterhin genau beobachten und mit ihren Analyse-Tools und Transparenzplattformen dazu beitragen, dass alle Marktteilnehmer gut informierte Entscheidungen treffen können.

Schlagworte

#Zinsen#Kredite#Wohnbaukredit#Sparen#OeNB#EZB#Immobilien#Österreich

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