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Tankstellenbetreiber kämpfen gegen geplante Margenbeschränkung

WKÖ warnt vor existenzieller Bedrohung für österreichische Tankstellen

20. März 2026 um 13:52
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Österreichs Tankstellenbetreiber wehren sich gegen Regierungspläne zur Margenbeschränkung und fordern stattdessen Steuersenkungen.

Die österreichische Tankstellenbranche schlägt Alarm: Die von der Bundesregierung geplante Margenbeschränkung für Treibstoffe stößt auf massiven Widerstand der Betreiber. Rebecca Kirchbaumer, Obfrau des Fachverbandes Garagen, Tankstellen und Serviceunternehmen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), warnt vor dramatischen Folgen für die heimische Tankstellenlandschaft.

Pächtertankstellen besonders betroffen

Die Kritik der Branchenvertreterin richtet sich vor allem gegen die unzureichende Berücksichtigung der strukturellen Besonderheiten des österreichischen Tankstellenmarktes. "Pächtertankstellen, die das österreichische Tankstellennetz in großer Zahl prägen, verdienen lediglich 1 bis 1,5 Cent pro verkauftem Liter Treibstoff", erklärt Kirchbaumer die prekäre Situation.

Diese Tankstellen fungieren als Agenturpartner der großen Mineralölunternehmen und haben daher keinen Einfluss auf die Preisgestaltung. Steigende Treibstoffpreise treffen sie somit doppelt: Einerseits müssen sie höhere Einkaufspreise verkraften, andererseits bleibt ihre fixe Provision unverändert niedrig.

Explodierende Kosten bei gleichbleibenden Einnahmen

Besonders problematisch ist die Kostenspirale, in der sich Pächtertankstellen befinden. Da sie eine fixe, vom Konzern festgelegte Provision pro Liter erhalten, steigen ihre Einnahmen nicht automatisch mit den Marktpreisen. Gleichzeitig explodieren jedoch die umsatzabhängigen Kosten:

  • Gebühren für Kartenzahlungen
  • Versicherungsprämien
  • Betriebliche Abgaben
  • Weitere Fixkosten wie Energie und Personal

"Die finanzielle Belastung der Betriebe nimmt massiv zu, während die Einnahmen gleichbleiben. Eine Margenbeschränkung würde diese ohnehin prekäre Situation weiter verschärfen", warnt Kirchbaumer vor den Auswirkungen der geplanten Maßnahme.

Strukturelle Nachteile im Markt

Ein entscheidender Aspekt, der in der politischen Debatte oft übersehen wird, ist die fehlende Preissouveränität der Pächtertankstellen. Diese können die Verkaufspreise nicht selbst festlegen und haben somit keinen Spielraum, um durch strategische Preisgestaltung wirtschaftliche Schwankungen abzufedern. Sie sind vollständig den Vorgaben der Mineralölkonzerne unterworfen.

Diese strukturelle Abhängigkeit macht sie zu den schwächsten Gliedern in der Versorgungskette, obwohl sie eine zentrale Rolle bei der flächendeckenden Treibstoffversorgung der österreichischen Bevölkerung spielen.

Eigentümertankstellen unter Existenzdruck

Doch auch die sogenannten Eigentümertankstellen, die theoretisch ihre Preise selbst bestimmen können, geraten zunehmend unter existenziellen Druck. Diese meist kleinen, regional verankerten Familienunternehmen agieren ohne die finanzielle Rückendeckung großer Konzerne und müssen dennoch alle Herausforderungen des Marktes meistern.

Komplexe Herausforderungen für Kleinunternehmer

Eigentümertankstellen müssen verschiedene Faktoren unter einen Hut bringen:

  • Zuverlässige Bedienung ihrer Lieferverträge
  • Steigende Personal- und Energiekosten
  • Wachsende Betriebskosten
  • Begrenzte Durchsetzbarkeit von Preisanpassungen am Markt

Trotz ihrer theoretischen Preisgestaltungsmöglichkeiten bleibt der wirtschaftliche Spielraum äußerst begrenzt. Zu drastische Preiserhöhungen würden Kunden zur Konkurrenz treiben, zu niedrige Preise die Existenz des Unternehmens gefährden. Diese Kleinunternehmen befinden sich in einer zunehmend prekären Lage, die ihre langfristige Existenz bedroht.

Alternative Lösungsansätze gefordert

Die WKÖ-Vertreterin kritisiert die geplante Margenbeschränkung als weder zielgenau noch wirkungsvoll und schlägt stattdessen alternative Maßnahmen vor. "Die einzig vernünftige und nachhaltige Stellschraube ist die massive Senkung von Steuern, Abgaben und CO₂-Kosten", argumentiert Kirchbaumer.

Fokus auf staatliche Abgaben

Der Vorschlag der Branchenvertreterin zielt auf jene Bereiche ab, in denen die österreichische Regierung tatsächlich direkten Einfluss hat. Während Marktpreise für Rohöl international bestimmt werden und Konzernmargen schwer beeinflussbar sind, könnte der Staat bei folgenden Komponenten des Treibstoffpreises ansetzen:

  • Mineralölsteuer
  • CO₂-Steuer
  • Weitere staatliche Abgaben und Gebühren

"Nur dort kann Österreich tatsächlich Einfluss nehmen. Eine Margenbeschränkung hingegen gefährdet die wirtschaftliche Stabilität der Tankstellen und letztlich auch die Versorgungssicherheit", warnt Kirchbaumer vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen der geplanten Maßnahme.

Sofortmaßnahmen als Entlastung

Als kurzfristige Lösung schlägt die WKÖ eine temporäre Senkung von CO₂-Steuer beziehungsweise Mineralölsteuer vor. Diese Maßnahme würde direkt bei den Verbrauchern ankommen und gleichzeitig die Tankstellenbetreiber entlasten, ohne deren Geschäftsmodell zu gefährden.

Langfristige Perspektive der Branche

Die Diskussion um Margenbeschränkungen wirft auch grundsätzliche Fragen zur Zukunft der österreichischen Tankstellenlandschaft auf. Viele Betreiber sehen sich bereits heute mit sinkenden Treibstoffumsätzen durch den wachsenden Anteil an Elektrofahrzeugen konfrontiert und müssen ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen.

In diesem Transformationsprozess sind stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen essentiell. Zusätzliche regulatorische Eingriffe könnten die ohnehin herausfordernde Situation weiter verschärfen und zu einem beschleunigten Tankstellensterben führen, was letztendlich die Versorgungssicherheit, besonders in ländlichen Gebieten, gefährden könnte.

Politische Reaktionen erwartet

Die deutlichen Worte der Wirtschaftskammer dürften in der politischen Debatte um Treibstoffpreise für zusätzliche Dynamik sorgen. Die Regierung steht nun vor der Herausforderung, zwischen Verbraucherschutz und dem Erhalt einer funktionsfähigen Tankstelleninfrastruktur abzuwägen.

Die Branche hofft auf ein Umdenken in der Politik und setzt auf konstruktiven Dialog, um nachhaltige Lösungen zu finden, die sowohl Verbrauchern als auch Betreibern gerecht werden. Dabei steht nicht nur die kurzfristige Preisgestaltung im Fokus, sondern auch die langfristige Sicherstellung einer flächendeckenden Treibstoffversorgung in ganz Österreich.

Schlagworte

#Tankstellen#Treibstoffpreise#WKÖ#Margenbeschränkung#Steuerpolitik

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