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Doskozil fordert Lederer-Rücktritt: SPÖ-interne Kritik wächst

Burgenlands Landeshauptmann übt scharfe Kritik am ORF-Stiftungsratsvorsitzenden

22. März 2026 um 10:02
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SPÖ-Landeshauptmann Doskozil fordert den Rücktritt von ORF-Stiftungsratschef Lederer. Die FPÖ kritisiert Bablers Schweigen scharf.

SPÖ-interne Spannungen um ORF-Stiftungsrat

Die Diskussion um die Zukunft des ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Helmut Lederer hat eine neue Dimension erreicht. Nachdem bereits mehrfach Rücktrittsforderungen laut geworden waren, hat sich nun auch der burgenländische SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil in einem Interview mit der Zeitung "Heute" für einen Rücktritt Lederers ausgesprochen. Diese parteiinterne Kritik verstärkt den Druck auf SPÖ-Chef und Medienminister Andreas Babler erheblich.

FPÖ sieht SPÖ-Skandal entstehen

FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker nutzte Doskozils Aussagen für scharfe Kritik an der SPÖ-Führung. "Jetzt fordert sogar schon der burgenländische SPÖ-Landeshauptmann Doskozil den Rücktritt des im Skandalsumpf versinkenden ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Lederer", so Hafenecker in einer Aussendung. Er warf Babler vor, "auf Tauchstation" zu bleiben und seinem Parteikollegen "die Mauer zu machen".

Die FPÖ sieht in den anhaltenden Vorwürfen gegen Lederer einen wachsenden Skandal für die gesamte SPÖ. Hafenecker betonte, dass jemand, der im Verdacht stehe, seine Tätigkeit im ORF-Kontrollgremium für private Geschäfte ausgenutzt zu haben, "längst untragbar" sei.

Verschiedene Vorwürfe im Überblick

In den vergangenen Wochen sind verschiedene Vorwürfe gegen Lederer öffentlich geworden, die dessen Position als ORF-Stiftungsratsvorsitzender in Frage stellen. Zu den diskutierten Punkten gehören:

  • Eine sogenannte "Benko-Connection", die medial thematisiert wurde
  • Berichte über eine angebliche Drohung gegenüber "profil"-Chefredakteurin Anna Thalhammer
  • Spekulationen über mögliche Beraterjobs für ORF-Geschäftspartner
  • Verbindungen zu verschiedenen Unternehmen wie dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) und dem Funkhauskäufer Rhomberg
  • Berichte über eine angebliche Intervention für die Produktionsfirma Interspot

Diese Vorwürfe haben in der österreichischen Medienlandschaft für erhebliche Diskussionen gesorgt und die Frage nach der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neu aufgeworfen.

Kritik an Bablers Schweigen

Besonders kritisch bewertet die FPÖ das bisherige Schweigen von SPÖ-Chef Andreas Babler zu den Vorwürfen gegen Lederer. Hafenecker bezeichnete Lederer als "Bablers roten Mann im ORF" und "seinen Mann fürs Kapital". Er warf dem SPÖ-Vorsitzenden vor, durch sein Festhalten an Lederer das Image des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weiter zu beschädigen.

"Mit jedem weiteren Tag, den der Obermarxist im Vizekanzleramt dem Treiben seines Genossen länger zuschaut, wächst sich die Causa Lederer immer mehr zu einem handfesten SPÖ-Skandal aus", so die Einschätzung des FPÖ-Politikers.

ORF-Stiftungsrat unter Druck

Der ORF-Stiftungsrat als Kontrollgremium des österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht bereits seit längerem in der Kritik. Verschiedene politische Parteien haben wiederholt eine Reform der Struktur gefordert, um die Unabhängigkeit des ORF zu stärken. Die aktuellen Vorwürfe gegen den Vorsitzenden verstärken diese Diskussion zusätzlich.

Die Rolle des Stiftungsrats ist es, die Geschäftsführung des ORF zu überwachen und wichtige strategische Entscheidungen zu treffen. Wenn der Vorsitzende dieses Gremiums selbst unter Verdacht steht, private Interessen über die öffentlichen zu stellen, gefährdet dies das Vertrauen in die gesamte Institution.

Medienminister in der Defensive

Als Medienminister steht Andreas Babler besonders im Fokus der Kritik. Die FPÖ wirft ihm vor, auf eine "Strategie des Aussitzens und Totschweigens" zu setzen, was sie als "Armutszeugnis für einen Medienminister" bezeichnet. Hafenecker betonte, dass Bablers Festhalten an Lederer "ein Schlag ins Gesicht aller ORF-Zwangssteuerzahler" sei.

Die Kritik bezieht sich auch auf die Finanzierung des ORF durch die Haushaltsabgabe, die alle österreichischen Haushalte zahlen müssen. Kritiker argumentieren, dass die Bürger ein Recht darauf haben, dass ihre Beiträge von einem unabhängigen und integren Kontrollgremium überwacht werden.

Politische Dimensionen

Die Causa Lederer hat auch breitere politische Dimensionen. Sie wirft Fragen zur Trennung von Politik und Medien auf und zur Frage, wie unabhängig der öffentlich-rechtliche Rundfunk tatsächlich ist. Die verschiedenen politischen Parteien nutzen den Fall, um ihre jeweiligen Positionen zur Medienpolitik zu unterstreichen.

Für die SPÖ ist die Situation besonders heikel, da sie sowohl den Medienminister stellt als auch mit Lederer den Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats. Die parteiinterne Kritik von Doskozil verstärkt den Druck auf die Bundespartei erheblich.

Ausblick und mögliche Konsequenzen

Die weitere Entwicklung in der Causa Lederer wird mit Spannung beobachtet. Sollten sich die Vorwürfe gegen den ORF-Stiftungsratsvorsitzenden erhärten oder sollte der politische Druck weiter zunehmen, könnte ein Rücktritt unausweichlich werden. Dies würde jedoch auch Fragen zur Neubesetzung des Postens aufwerfen.

Die Diskussion um Lederer ist Teil einer größeren Debatte über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich. Verschiedene Reformvorschläge stehen im Raum, die darauf abzielen, die Unabhängigkeit des ORF zu stärken und politische Einflussnahme zu reduzieren.

Für die SPÖ wird entscheidend sein, wie sie mit der wachsenden Kritik umgeht und ob sie bereit ist, personelle Konsequenzen zu ziehen. Die parteiinterne Kritik von Doskozil zeigt, dass der Druck nicht nur von außen kommt, sondern auch innerhalb der eigenen Reihen wächst.

Schlagworte

#ORF#SPÖ#Lederer#Doskozil#Babler#FPÖ

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