Deutsche Presse-Agentur vernetzt traditionelle Redaktionen mit digitalen News-Creatorn
Die dpa bringt mit ihrem neuen Programm Medienhäuser und News-Creator zusammen, um faktenbasierte Information in sozialen Medien zu stärken.
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) reagiert auf den Wandel im Medienkonsum und startet ein innovatives Programm zur Zusammenarbeit zwischen traditionellen Redaktionen und digitalen News-Creatorn. Unter dem Titel "dpa Creator x News, supported by Google" soll eine Brücke zwischen etablierten Medienhäusern und neuen digitalen Stimmen geschlagen werden.
Das von der Google News Initiative unterstützte Projekt wurde kürzlich auf der Berliner Konferenz "Navigating the Future of News" vorgestellt und markiert einen wichtigen Schritt in der Evolution des Nachrichtenjournalismus in Österreich und Deutschland.
"Viele Menschen stoßen heute auf Nachrichten zuerst auf Social Media - häufig vermittelt von Menschen, die nicht aus klassischen Redaktionen kommen", erklärt Teresa Dapp, Geschäftsführerin der dpa-infocom. Diese Entwicklung verändere das gesamte Nachrichtenökosystem fundamental.
Tatsächlich zeigen aktuelle Studien, dass insbesondere jüngere Zielgruppen Nachrichten primär über soziale Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube konsumieren. Dabei spielen Creator und Influencer eine zunehmend wichtige Rolle als Informationsvermittler - oft ohne klassische journalistische Ausbildung.
"Mit dem Programm Creator x News wollen wir diesen Wandel aktiv mitgestalten und Zusammenarbeit ermöglichen, die faktenbasierte Information auch in digitalen Öffentlichkeiten stärkt", betont Dapp die strategische Ausrichtung der Initiative.
Die Zusammenarbeit mit Google unterstreicht die internationale Relevanz des Projekts. "Emerging News Voices sind zu wichtigen Stimmen im digitalen Nachrichtenumfeld geworden", sagt Gerrit Rabenstein, Head of News Partnerships, Central Europe bei Google. Das Programm eröffne Raum für neue Formen journalistischer Zusammenarbeit.
Die Google News Initiative bringt dabei ihre Expertise im Bereich digitaler Tools und KI-Anwendungen ein. Dies ist besonders relevant, da künstliche Intelligenz den Journalismus zunehmend prägt und neue Möglichkeiten für Content-Erstellung und -Distribution eröffnet.
Den Auftakt des Programms bildet eine mehrmonatige Arbeitsphase mit ausgewählten News-Influencern und digitalen Journalistinnen und Journalisten. Dabei stehen drei zentrale Themenbereiche im Fokus:
Die Trainings kombinieren theoretisches Wissen mit praktischen Übungen. Während die Google News Initiative Workshops zu KI-Anwendungen und digitalen Werkzeugen anbietet, ergänzen dpa-Trainerinnen und -Trainer das Programm mit ihrer Expertise zur journalistischen Praxis.
Das Herzstück des Programms sind konkrete Kooperationen zwischen Creatorn und Medienhäusern. In diesen Projektpartnerschaften arbeiten beide Seiten direkt zusammen und testen neue Formate sowie innovative Arbeitsweisen.
Mögliche Kooperationsformen umfassen:
Obwohl das Programm von der deutschen dpa initiiert wurde, hat es auch erhebliche Auswirkungen auf die österreichische Medienlandschaft. Viele österreichische Medienhäuser stehen vor ähnlichen Herausforderungen im Umgang mit dem digitalen Wandel und können von den Erkenntnissen profitieren.
Die Zusammenarbeit zwischen traditionellen Medien und Creatorn ist auch in Österreich ein hochaktuelles Thema. Große Verlage wie die Kronen Zeitung, Der Standard oder Kleine Zeitung experimentieren bereits mit neuen digitalen Formaten und Kooperationen.
Ein zentrales Ziel der Initiative ist es, die Qualität von Nachrichten in sozialen Medien zu verbessern. Durch die Vernetzung von Creator mit etablierten Medienhäusern sollen journalistische Standards auch in digitalen Formaten gewährleistet werden.
Dies ist besonders wichtig angesichts der Herausforderungen durch Desinformation und "Fake News". Creator, die über eine große Reichweite verfügen, können durch professionelle journalistische Begleitung zu wichtigen Multiplikatoren für verlässliche Informationen werden.
Gleichzeitig ermöglicht die Zusammenarbeit traditionellen Medienhäusern, neue und jüngere Zielgruppen zu erreichen. Creator verfügen oft über ein tiefes Verständnis für die Kommunikation in sozialen Medien und können etablierten Redaktionen dabei helfen, ihre Inhalte zielgruppengerecht aufzubereiten.
Ein besonderer Fokus liegt auf der systematischen Auswertung der gesammelten Erfahrungen. Die Erkenntnisse aus dem Programm sollen nicht nur den direkten Teilnehmern zugutekommen, sondern der gesamten Medienbranche zur Verfügung gestellt werden.
Geplant ist die Veröffentlichung eines umfassenden Branchen-Whitepapers mit Best Practices für Kooperationen zwischen Redaktionen und Creatorn. Dieses Dokument könnte zu einem wichtigen Leitfaden für die gesamte deutschsprachige Medienlandschaft werden.
Das Programm wird Ende November mit einem großen Event in Hamburg abgeschlossen. Dort sollen die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden, um praktische Ableitungen für das gesamte Nachrichtenökosystem zu ermöglichen.
Die Veranstaltung richtet sich an Vertreter von Medienhäusern, Creator, Wissenschaftler und weitere Stakeholder aus der Medienbranche. Ziel ist es, einen breiten Dialog über die Zukunft der Nachrichtenvermittlung zu führen.
Das "Creator x News"-Programm der dpa zeigt exemplarisch auf, wie sich der Journalismus an die veränderten Mediengewohnheiten anpassen kann, ohne dabei seine Kernwerte zu verlieren. Die Initiative könnte zum Modell für ähnliche Programme in anderen Ländern werden.
Für die Teilnehmer bietet das Programm die Chance, neue Fähigkeiten zu entwickeln und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Medienhäuser können lernen, wie sie ihre Reichweite in sozialen Medien ausbauen, während Creator Zugang zu professionellen journalistischen Methoden erhalten.
Die langfristigen Auswirkungen dieser Initiative könnten erheblich sein: Wenn es gelingt, qualitativ hochwertigen Journalismus erfolgreich mit der Reichweite und Kreativität digitaler Creator zu verbinden, könnte dies ein neues Kapitel in der Geschichte des Nachrichtenjournalismus aufschlagen.