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Wärmebranche fordert 500 Mio. Euro für Heizungstausch

Offener Brief an die Regierung: Planungssicherheit und Verdoppelung der Förderungen gefordert

23. März 2026 um 11:40
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Die österreichische Wärmebranche appelliert an die Regierung, die Kesseltauschförderung zu verdoppeln und langfristige Planungssicherheit zu schaffen.

Die heimische erneuerbare Wärmebranche schlägt Alarm: In einem gemeinsamen offenen Brief fordern Branchenvertreter die österreichische Regierung auf, die Förderungen für den Kesseltausch auf 500 Millionen Euro jährlich zu verdoppeln und im kommenden Doppelbudget 2027/2028 verbindlich zu fixieren. Der Appell richtet sich an Finanzminister, Wirtschaftsminister, Umweltminister und die Energiesprecher aller Parteien.

Kesseltausch als effizienteste Klimaschutzmaßnahme

Grundlage für die Forderung ist eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus zur Effizienz von Klima- und Energieförderungen aus Juli 2025. Diese belegt, dass der Kesseltausch die effizienteste und kostengünstigste Möglichkeit darstellt, um die Klimaschutzverpflichtungen Österreichs zu erfüllen.

"Um den Erdgas- und Erdölausstieg möglichst effektiv und kosteneffizient zu erreichen, müssen jährlich zumindest 60.000 fossile Heizsysteme durch Wärmepumpen und Biomassekessel ersetzt werden", heißt es in dem Schreiben. Diese ambitionierte Zielsetzung erfordere eine deutliche Aufstockung der verfügbaren Mittel.

Alarmierender Trend bei Heizungsverkäufen

Die aktuellen Marktdaten zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Erneuerbare Heizsysteme verzeichneten 2025 massive Absatzrückgänge zwischen 20 und 35 Prozent. Gleichzeitig stieg der Absatz fossiler Heizkessel um 10 Prozent auf rund 33.000 Stück an. Diese Entwicklung läuft den Klimazielen Österreichs diametral entgegen.

"Diese Anlagen werden bis weit über 2040 hinaus in Betrieb sein und zementieren Importabhängigkeit, hohe Energiekosten und klimapolitischen Stillstand", warnen die Branchenvertreter. Besonders problematisch sei, dass Erdgas- und Ölheizungen dafür verantwortlich seien, dass Energiepreisschocks direkt inflationstreibend wirken.

Planungssicherheit für Unternehmen gefährdet

Die Branche kritisiert das bisherige "Stop-and-Go" in der Förderpolitik scharf. Förderstopps, unklare Dotierungen und unzureichende Förderungstöpfe führten zu massiver Verunsicherung bei Betrieben und Haushalten. Richard Freimüller, Präsident des Verbands Wärmepumpe Austria, betont: "Die Branche der erneuerbaren Heiztechnologien braucht ein klares Bekenntnis zur langfristigen Planbarkeit."

Die Unternehmen hätten im Vertrauen auf die Energie- und Klimaschutzziele investiert und ihre Kapazitäten ausgebaut. Die österreichische Pelletsproduktion entspreche mittlerweile etwa dem Doppelten des aktuellen heimischen Bedarfs, große Mengen würden exportiert.

Budgetäre Vorteile für den Staat

Ein zentrales Argument der Branche betrifft die budgetären Auswirkungen der Förderungen. Laut dem offenen Brief rechnen sich die Förderungen für den Bund bereits vor ihrer Auszahlung: "Die Budgeteinnahmen aus Steuern und Lohnabgaben durch die Produktion und Installation der Anlagen sind höher als die erst nach der Investition ausbezahlten Förderungen."

Jeder Heizungstausch stärke den Standort Österreich, da die Fördermittel über Steuern und Abgaben rasch und in hohem Maße ins Budget zurückfließen, heimische Wertschöpfung sichern und dauerhaft Energieimporte reduzieren. Investitionen in erneuerbare Wärme seien daher kein Kostenfaktor, sondern ein Konjunktur- und Standortsicherungsprogramm.

Massive Importabhängigkeit bei fossilen Energieträgern

Die aktuelle Situation zeigt die problematische Abhängigkeit Österreichs von Energieimporten auf: 1,2 Millionen Haushalte heizen noch mit Erdgas und Heizöl und sind damit von Energieimporten abhängig. Jährlich fließen mehr als 10 Milliarden Euro an Erdöl- und Erdgas-Förderstaaten ab.

"Es ist unverständlich, warum die Potenziale der Wärmepumpen und Holzenergie nicht ausgenutzt werden", kritisieren die Branchenvertreter. Pellets, Scheitholz, Hackgut und Nahwärme stünden als heimische Alternativen zur Verfügung.

Energiepreise als politische Waffe

Besonders brisant ist der Hinweis der Branche auf die geopolitischen Risiken: "Durch die von fossilen Heizungen geschaffene Abhängigkeit eröffnen sie zudem die Möglichkeit, Erdgas und Erdöl als Waffe einzusetzen." Diese Erkenntnis hat durch aktuelle weltpolitische Entwicklungen zusätzliche Relevanz gewonnen.

Konkrete Forderungen an die Politik

Die Branche stellt klare Forderungen an die Regierung:

  • Aufstockung des Budgets für den Kesseltausch auf 500 Millionen Euro jährlich
  • Verbindliche Fixierung dieser Mittel im Doppelbudget 2027/2028
  • Klare budgetäre Trennung zwischen thermischer Sanierung und Heizungstausch
  • Verbindliches Erneuerbaren-Gebot
  • Außerbetriebnahme-Verpflichtung für fossile Kessel

Ohne diese Maßnahmen drohe ein struktureller Rückschritt, warnen die Experten. Österreich würde seine energiepolitische Souveränität weiter schwächen und die Leistbarkeit für Haushalte aufs Spiel setzen.

Appell an Haushalte

Neben den politischen Forderungen richtet sich der Appell auch direkt an die Haushalte. Richard Freimüller betont: "Gerade in diesen unsicheren Zeiten ist es wichtig, dass nicht nur die Politik handelt, sondern auch jene Haushalte, die heute noch mit fossilen Energieträgern heizen. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Installateur, investieren Sie in eine Wärmepumpe und sichern Sie sich damit Unabhängigkeit und langfristige Leistbarkeit."

Zentrale Rolle für Versorgungssicherheit

Die Branchenvertreter sehen erneuerbare Heizungstechnologien als "zentralen Eck-Pfeiler für Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Unabhängigkeit der Energieversorgung in Österreich". Sie stehen für einen konstruktiven Austausch mit der Politik bereit und hoffen auf baldige konkrete Schritte.

Der offene Brief unterstreicht die Dringlichkeit der Energiewende im Wärmebereich und macht deutlich, dass ohne entschiedenes politisches Handeln die Klimaziele Österreichs in weite Ferne rücken könnten. Die kommenden Budgetverhandlungen werden zeigen, ob die Regierung bereit ist, die notwendigen finanziellen Mittel für diesen Transformationsprozess bereitzustellen.

Schlagworte

#Wärmepumpe#Kesseltausch#Förderung#Klimaschutz#Energiewende

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