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Leonor Antunes im Dialog mit den Wiener Werkstätten

Portugiesische Künstlerin erforscht Materialität und Kunsthandwerk in der Universitätsgalerie

23. März 2026 um 11:41
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Die erste Wiener Einzelausstellung von Leonor Antunes verbindet zeitgenössische Skulpturen mit historischen Objekten der Wiener Werkstätte.

Die Universitätsgalerie der Angewandten präsentiert ab 26. März 2026 mit "discrepancies with W.W. (in company)" die erste Einzelausstellung der portugiesischen Künstlerin Leonor Antunes in Wien. Die Schau stellt ihre zeitgenössischen Skulpturen und Installationen in einen spannenden Dialog mit historischen Werken der Wiener Werkstätte und Designer*innen der ehemaligen k.k. Kunstgewerbeschule.

Künstlerische Spurensuche in der Wiener Designgeschichte

Leonor Antunes, geboren 1972 in Lissabon, ist bekannt für ihre tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. In Wien richtet sie ihren Fokus besonders auf oft übersehene oder marginalisierte Künstlerinnen und Designerinnen der Wiener Werkstätte. Namen wie Gudrun Baudisch, Rosa Bonom, Friedl Dicker-Brandeis, Mathilde Flögl oder Felice Rix-Ueno stehen im Zentrum ihrer Recherche.

"Ich glaube fest daran, dass Kunst in einem Kontext existiert, daher sehe ich meine Skulpturen nicht außerhalb der Räume, in denen sie existieren", erklärt die Künstlerin ihren ortsspezifischen Ansatz. Diese Philosophie spiegelt sich auch in der aktuellen Ausstellung wider, die das eigenwillige Interieur der ehemaligen Prälatur im Heiligenkreuzerhof miteinbezieht.

Innovative Materialbehandlung und Handwerkstradition

Antunes' künstlerische Praxis zeichnet sich durch intensive Zusammenarbeit mit professionellen Handwerker*innen aus. Durch diese Kooperationen entwickelt sie neue Methoden für den Umgang mit Materialien wie Glasperlen, Seilen, Holz, Leder und Messing. Ihre Skulpturen entstehen aus einem umfangreichen Wissensarchiv und resonieren mit den Materialitäten historischer Objekte aus den Beständen der Universität für angewandte Kunst Wien.

Besonders interessant ist ihr Fokus auf die Verbindung zwischen japanischem Kunsthandwerk und der Wiener Werkstätte, verkörpert durch Felice Rix-Ueno (1893-1967). Die österreichische Malerin, Grafikerin und Textildesignerin war sowohl in Kyoto als auch in Wien tätig und gehörte bis 1930 der Wiener Werkstätte an.

Ein modulares Ausstellungssystem als Kunstwerk

Für die Wiener Ausstellung hat Antunes ein visuell vielschichtiges Ausstellungssystem entwickelt, das kleinere Display-Inseln in den Räumen bildet. Grundlage ist ein Stuhl-Design der französischen Architektin Charlotte Perriand (1903-1999), das nach deren Japan-Aufenthalt in den frühen 1940er-Jahren entstand.

Aus Holzelementen konstruiert, verwandelt Antunes die alltägliche Funktion des Stuhls in Sockel und Aufhängevorrichtungen. Tatami-Matten ergänzen das System und werden zu geometrischen Podesten arrangiert. Dieses modulare Konzept ist anpassbar und erweiterbar – ein Verweis auf die Flexibilität und Funktionalität der historischen Designprinzipien.

Neue Werke im Dialog mit historischen Objekten

Auf den modularen Ausstellungsflächen präsentiert Antunes sowohl ausgewählte Sammlungsobjekte wie Keramikgefäße und Textilien mit geometrischen Mustern als auch ihre eigenen aktuellen Arbeiten. Zu sehen sind unter anderem Skulpturen aus der Serie "Sophie" (2024), inspiriert von Zeichnungen, Perlentaschen und Halsketten der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp (1889-1943).

Das Werk "Felice and Charlotte" (2025) nimmt direkten Bezug auf Rix-Ueno und Perriand. Verschachtelte, geometrisch gemusterte Glasperlenstränge in verschiedenen Farben, Dicken und Längen verflechten sich mit vertikalen weißen Stahlstangen und schmalen länglichen Hölzern zu komplexen räumlichen Kompositionen.

Internationale Anerkennung und künstlerischer Werdegang

Leonor Antunes studierte zunächst an der Escola Superior de Teatro e Cinema in Lissabon und schloss 1993 ihr Studium der Bildenden Kunst und Bildhauerei an der Universidade de Lisboa ab. 1998 wechselte sie an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, Deutschland.

Ihre internationale Karriere umfasst bedeutende Ausstellungen weltweit. 2019 gestaltete sie den portugiesischen Pavillon der Biennale in Venedig, nahm an der Sharjah Biennale (2015) und der 8. Berlin Biennale (2014) teil. Ihre jüngste Einzelausstellung "the constant inequality of leonor's days*" war 2025 im CAM-Centro de Arte Moderna Gulbenkian in Lissabon zu sehen.

Interdisziplinäre Freiheit und zeitgenössische Relevanz

Mit "discrepancies with W.W. (in company)" beansprucht Antunes eine interdisziplinäre Freiheit, die sie bereits in den wegweisenden künstlerischen Praktiken des frühen 20. Jahrhunderts findet. Die Ausstellung regt zum Nachdenken über Codes der Darstellung und des Häuslichen, über Modernismus und Abstraktion, Zeitgenossenschaft und Synchronizität an.

Durch die Gegenüberstellung verschiedener Zeitebenen, Formen und Materialitäten schafft die Künstlerin einen Raum für Reflexion über die Kontinuität und Diskontinuität in der Designgeschichte. Dabei würdigt sie nicht nur die oft übersehenen Beiträge von Designerinnen der Wiener Werkstätte, sondern zeigt auch, wie deren Innovationen in zeitgenössischen künstlerischen Praktiken weiterleben.

Besuch der Ausstellung

Die Ausstellung wird von Julienne Lorz kuratiert und läuft vom 26. März bis 4. Juli 2026. Die Eröffnung findet am 25. März 2026 um 18:00 Uhr statt. Die Universitätsgalerie der Angewandten im Refektorium des Heiligenkreuzerhofs ist mittwochs bis samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Das historische Ambiente der ehemaligen Prälatur bietet dabei den perfekten Rahmen für Antunes' Erforschung der Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen handwerklicher Tradition und zeitgenössischer Kunstpraxis. Die Ausstellung verspricht neue Perspektiven auf die reiche Designgeschichte Wiens und deren Bedeutung für die heutige Kunstwelt.

Schlagworte

#Leonor Antunes#Wiener Werkstätte#Universitätsgalerie#zeitgenössische Kunst#Design

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