BioCapture-Technologie ermöglicht kontaktlosen Fingerabdruckscan
Österreich wird zum Vorreiter: Polizisten können künftig Fingerabdrücke direkt mit dem Smartphone scannen und Verdächtige vor Ort identifizieren.
Mit der "BioCapture"-Technologie können Polizistinnen und Polizisten Fingerabdrücke von Personen, die sich nicht ausweisen und auf andere Weise nicht eindeutig identifiziert werden können, kontaktlos mit dem dienstlichen Smartphone scannen und mit verschiedenen Datenbanken abgleichen. Die Technologie wurde im Rahmen eines Lokalaugenscheins in den Räumlichkeiten der Fahndungstechnik des Bundeskriminalamts präsentiert.
Innenminister Gerhard Karner, Direktor des Bundeskriminalamts Andreas Holzer und Helmut Leopold vom AIT Austrian Institute of Technology stellten die Technologie vor. Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt und dem AIT; Innovations- und Technologieminister Peter Hanke betonte dabei die Bedeutung von KI und Sensorik für digitales Identitätsmanagement.
Die erfassten Fingerabdrücke werden innerhalb weniger Minuten mit bestehenden Datenbanken abgeglichen, sodass vor Ort festgestellt werden kann, ob nach Personen gefahndet wird und ob sie sich rechtmäßig in Österreich aufhalten. Damit entfällt in vielen Fällen die Notwendigkeit des Transports zu Dienststellen. Entscheidungen über weitere polizeiliche Maßnahmen können demnach vor Ort getroffen werden.
Bei der Entwicklung wurde auf die Einhaltung datenschutzrechtlicher und gesetzlicher Vorgaben geachtet. Laut Angaben werden die erfassten Fingerabdrücke ausschließlich für den unmittelbaren Abgleich verwendet, nicht gespeichert und nach Abschluss des Vorgangs gelöscht.
Seit August 2025 befindet sich die Technologie bei ausgewählten Polizeieinheiten wie der Fremdenpolizei im Einsatz; seit Anfang März 2026 ist auch die Bereitschaftseinheit Wien im Testbetrieb. Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts, berichtete, dass bei 643 Kontrollen 170 Treffer im AFIS-System erzielt wurden und mehrere gesuchte Personen trotz falscher Angaben identifiziert werden konnten.
Rückmeldungen aus dem Außendienst heben die Handhabung, Geschwindigkeit und Trefferqualität hervor. Die österreichweite Ausrollung ist bis Ende des heurigen Jahres geplant.
Die Technologie ist eine gemeinsame Entwicklung des Bundeskriminalamtes mit dem AIT und weiteren Forschungspartnern und stößt laut OTS international auf großes Interesse. Die Anwendung soll auch bei einer Veranstaltung der UNO in New York präsentiert werden. Ein weiterer Entwicklungsschritt ist die geplante Anbindung an europäische biometrische Systeme ab 2027, wodurch der Zugriff auf einen größeren Datenbestand möglich wird.
Die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und Forschungseinrichtungen wie dem AIT wird im OTS als Beitrag zur Stärkung des Technologie- und Innovationsstandorts Österreich bezeichnet. Das AIT spielt dabei nach OTS-Angaben eine Rolle bei der frühzeitigen Entwicklung von Innovationen.