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ÖGB: Gewaltschutz braucht wirtschaftliche Stärkung von Frauen

Gewerkschaft fordert Präventionsmaßnahmen in Unternehmen und startet Projekt gegen häusliche Gewalt

24. März 2026 um 09:01
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Der ÖGB sieht Gewalt gegen Frauen als arbeitsmarktpolitisches Problem und fordert wirtschaftliche Stärkung sowie Präventionsmaßnahmen in Betrieben.

Die erschütternden Fälle von Gewalt gegen Frauen beschäftigen weiterhin die österreichische Gesellschaft. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) macht nun deutlich: Das Problem der Gewalt gegen Frauen ist nicht nur gesellschaftlich und systemisch zu betrachten, sondern hat auch eine wichtige arbeitsmarktpolitische Dimension.

Finanzielle Abhängigkeit als Gewaltfalle

"Viele Frauen bleiben in gewaltvollen Beziehungen, weil sie finanziell abhängig sind", erklärt ÖGB-Bundesfrauengeschäftsführerin Dorottya Kickinger die Problematik. Die Gewerkschaftsvertreterin sieht einen direkten Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Selbstständigkeit und der Möglichkeit, sich aus Gewaltsituationen zu befreien.

Nach Ansicht des ÖGB sind drei Faktoren besonders entscheidend für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen: ein eigenes, ausreichendes Einkommen, sichere Arbeitsplätze und eine verlässliche Kinderbetreuung. Diese Grundvoraussetzungen ermöglichen es Frauen erst, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und sich gegebenenfalls aus Abhängigkeitsverhältnissen zu lösen.

Gewalt wirkt sich direkt auf den Arbeitsplatz aus

Die Auswirkungen häuslicher Gewalt beschränken sich jedoch nicht nur auf das private Umfeld. Wie Kickinger betont, hat Gewalt oft direkte Konsequenzen für den Arbeitsplatz der Betroffenen. Stalking, Drohungen und psychische Belastungen können die Arbeitsleistung erheblich beeinträchtigen und zu Fehlzeiten führen.

"Auch Betriebe können dazu beitragen, dass Betroffene Unterstützung bekommen", unterstreicht die ÖGB-Vertreterin. Unternehmen seien daher gefordert, nicht nur als Arbeitgeber zu fungieren, sondern auch soziale Verantwortung zu übernehmen.

Rolle der Arbeitgeber bei der Gewaltprävention

Der ÖGB sieht Arbeitgeber in der Pflicht, aktiv zur Gewaltprävention beizutragen. "Sie sind verpflichtet, für Schutz und Prävention am Arbeitsplatz zu sorgen und entsprechende Maßnahmen zu setzen", fordert Kickinger. Idealerweise sollte dies in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachkräften geschehen.

Zu den empfohlenen Kooperationspartnern zählen Präventivfachkräfte, Arbeits- und Organisationspsycholog:innen sowie der Betriebsrat und die Beschäftigten selbst. Nur durch eine solche umfassende Herangehensweise könne nachhaltige Gewaltprävention im betrieblichen Umfeld gelingen.

Neues ÖGB-Projekt "Wege aus der Gewalt"

Um konkrete Verbesserungen zu erreichen, haben die ÖGB-Frauen das Projekt "Wege aus der Gewalt – Aktiv gegen häusliche Gewalt mit Betriebsratsarbeit" gestartet. Dieses Projekt zielt darauf ab, systematische Veränderungen in Unternehmen zu bewirken.

"Öffentliche Statements gegen häusliche Gewalt sind wichtig. Entscheidend ist aber, Beschäftigten und besonders Führungskräften die Teilnahme an Gewaltpräventionsschulungen zu ermöglichen", erläutert Kickinger den Ansatz des Projekts. Nur durch konkrete Bildungsmaßnahmen könnten systematische Veränderungen erreicht werden.

Schulungen und Wissensvermittlung als Schlüssel

Das erworbene Wissen aus den Gewaltpräventionsschulungen soll gemeinsam mit Betriebsrät:innen und Personalvertreter:innen in die Betriebe getragen werden. Dieser multiplikatorische Ansatz verspricht eine breitere Wirkung und nachhaltigere Veränderungen in der Unternehmenskultur.

Die Schulungen sollen Führungskräfte und Beschäftigte dafür sensibilisieren, Anzeichen von häuslicher Gewalt zu erkennen und angemessen zu reagieren. Gleichzeitig werden konkrete Handlungsstrategien vermittelt, wie Betroffene unterstützt werden können.

Gesellschaftliche Dimension des Problems

Die Initiative des ÖGB zeigt, dass Gewalt gegen Frauen als gesamtgesellschaftliches Problem begriffen werden muss, das verschiedene Lebensbereiche betrifft. Die Arbeitswelt spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie sowohl Schutzraum als auch Ort der Gefährdung sein kann.

Durch die wirtschaftliche Stärkung von Frauen können nicht nur individuelle Abhängigkeitsverhältnisse durchbrochen werden. Gleichzeitig wird auch ein wichtiger Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter geleistet, was langfristig zur Gewaltprävention beitragen kann.

Präventionsarbeit als Gemeinschaftsaufgabe

Die ÖGB-Initiative macht deutlich, dass Gewaltprävention eine Gemeinschaftsaufgabe ist, die alle gesellschaftlichen Akteure einbezieht. Neben den Unternehmen und Gewerkschaften sind auch Politik, Sozialeinrichtungen und die Zivilgesellschaft gefordert.

Das Projekt "Wege aus der Gewalt" steht interessierten Unternehmen und Organisationen offen. Weitere Informationen sind auf der Webseite www.oegb.at/wege-aus-der-gewalt verfügbar.

Ausblick und weitere Schritte

Mit der Initiative zeigt der ÖGB, dass Gewerkschaften nicht nur klassische arbeitsrechtliche Themen vertreten, sondern auch bei gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Gewalt gegen Frauen aktiv werden. Die Verbindung von Arbeitsmarktpolitik und Gewaltprävention könnte wegweisend für andere Organisationen sein.

Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts könnte dazu beitragen, dass Gewaltprävention künftig als selbstverständlicher Bestandteil der Unternehmensverantwortung betrachtet wird. Dies würde einen wichtigen Schritt zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen darstellen.

Schlagworte

#ÖGB#Gewalt gegen Frauen#Arbeitsplatz#Gewaltprävention#Wirtschaftliche Stärkung#Betriebsrat

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