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Burnout wird zum neuen Leistungstreiber in Österreich

Employee Mental Health Barometer zeigt dramatischen Wandel in der Arbeitswelt

25. März 2026 um 09:11
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Erstmals hängt Job-Performance stärker mit Burnout als mit Engagement zusammen. Stress steigt, während Energie zur knappen Ressource wird.

Die österreichische Arbeitswelt befindet sich in einem dramatischen Wandel: Leistung entsteht zunehmend aus Erschöpfung statt aus Motivation. Das zeigt der aktuelle Employee Mental Health Barometer von Instahelp, der auf Befragungen von über 2.900 Beschäftigten in Deutschland und Österreich aus den Jahren 2023 bis 2025 basiert.

Burnout überholt Engagement als Leistungsfaktor

Erstmals in der Erhebungsgeschichte korreliert Burnout stärker mit Job-Performance als Engagement – ein alarmierendes Signal für die Verfassung der modernen Arbeitswelt. Der zugrundeliegende "Mental Wellbeing Check" nach dem Job-Demands-Resources-Modell von Professor Schaufeli offenbart eine beunruhigende Entwicklung: Mitarbeiter funktionieren zwar weiterhin, ihre mentalen Reserven schwinden jedoch kontinuierlich.

"Wir beobachten einen Wechsel vom Begeisterungsmodus in den Überlebensmodus", erklärt Dr. Bernadette Frech, CEO von Instahelp. "Menschen funktionieren weiterhin, aber ihre mentale Reserve schrumpft. Leistung entsteht immer häufiger nicht aus Energie und Motivation, sondern aus Erschöpfung und dem Gefühl, einfach durchhalten zu müssen."

Stress steigt dramatisch, Energie sinkt kontinuierlich

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Stress-Index kletterte im Untersuchungszeitraum von 45 auf 51 Punkte, während der Energie-Index – bestehend aus Engagement, Selbstwirksamkeit und Resilienz – von 59 auf 56 Punkte fiel. Diese Entwicklung deutet auf einen tiefgreifenden strukturellen Wandel hin, bei dem Belastung zum Normalzustand wird und mentale Energie zur knappen Ressource.

Besonders besorgniserregend ist, dass sich Burnout von einer Ausnahmeerscheinung zu einem stillen Antriebsmotor entwickelt hat. Während kurzfristig noch Leistung aus dieser Erschöpfung generiert werden kann, droht langfristig ein Kollaps des Systems.

Belegschaftsstruktur verändert sich dramatisch

Die Zusammensetzung der österreichischen und deutschen Belegschaften hat sich in nur zwei Jahren fundamental gewandelt. Der Anteil der "Resilienten Selbstwirksamen" – jene Mitarbeiter, die als Idealtyp gelten – schrumpfte dramatisch von 24,2 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 16 Prozent im Jahr 2025.

Gleichzeitig explodierte die Gruppe der "Stabilen Routiniers" von 13,1 Prozent auf 32,5 Prozent. Diese Mitarbeiter gelten zwar als leistungsfähig und funktional, wirken jedoch zunehmend erschöpft und kaum noch inspiriert. Sie repräsentieren den neuen Typus des funktionierenden, aber ausgelaugten Arbeitnehmers.

Neue Risikogruppen entstehen

Ebenfalls wächst der Anteil der "Engagierten Hochdrehenden" – Mitarbeiter, die hohe Leistung erbringen, deren Performance jedoch nicht mehr durch ausreichende Erholung gestützt wird. Experten sehen darin ein deutliches Warnsignal für kommende Burnout-Wellen.

Interessant ist der Rückgang der "Verunsicherten Erschöpften" von 22,7 Prozent auf 7 Prozent. Dies deutet jedoch nicht auf eine Verbesserung hin, sondern vielmehr auf eine Verschiebung in funktionale Rollen anstelle echter Regeneration.

Als einzige Konstante bleibt die Gruppe der "Überforderten Getriebenen" mit rund 20 Prozent unverändert hoch – ein Indiz für chronische Belastung ohne ausreichende Entlastungsperspektiven.

Veränderte Leistungslogik in der Arbeitswelt

Die Analyse zeigt nicht nur eine Zunahme der Belastung, sondern auch eine fundamental veränderte Logik von Arbeitsleistung. Während in den Jahren 2023 und 2024 vor allem Selbstwirksamkeit der stärkste Treiber von Job-Performance war, rückte 2025 erstmals Wertschätzung an die Spitze der relevanten Faktoren.

Auch beim Burnout-Risiko zeigt sich ein Paradigmenwechsel: Statt primär von Work-Life-Balance wird es zunehmend von Selbstwirksamkeit und der Fähigkeit beeinflusst, klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen.

Post-Krisen-Realität prägt den Arbeitsalltag

Die dokumentierten Entwicklungen fallen in eine Phase anhaltender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die Jahre 2023 bis 2025 waren geprägt von Energie- und Inflationsschocks, wirtschaftlicher Schwäche, hoher Veränderungsgeschwindigkeit und zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.

Diese äußeren Rahmenbedingungen verändern die Arbeitswelt spürbar, wie auch aktuelle Analysen von Aon plc und EY belegen, die auf wachsenden Druck, zunehmende Unsicherheit und neue Anforderungen an Unternehmen und Beschäftigte hinweisen.

Auch der DAK-Psychreport 2025 verweist auf neue Höchststände bei psychisch bedingten Fehlzeiten. Die Instahelp-Daten fügen sich nahtlos in dieses Bild ein: Ressourcendefizite, steigende Workload und mentale Erschöpfung werden immer stärker zu strukturellen Merkmalen moderner Arbeit.

Lösungsansätze für Unternehmen

Trotz der alarmierenden Entwicklungen zeigen die Daten auch konkrete Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen. Wertschätzung und Selbstwirksamkeit erweisen sich 2025 als zentrale Hebel, um Burnout zu reduzieren und Engagement zu stärken.

Besonders wirksam ist dabei nicht nur Anerkennung im Team, sondern vor allem das Gefühl, durch die eigene Arbeit auch bei Kunden Wertschätzung zu erfahren. Diese externe Validierung scheint einen besonderen Stellenwert für die mentale Gesundheit von Arbeitnehmern zu haben.

Handlungsempfehlungen für Führungskräfte

"Führungskräfte haben jetzt die Chance, gegenzusteuern", betont Dr. Frech. "Wenn Unternehmen Wertschätzung gezielt stärken und Mitarbeitenden mehr Selbstwirksamkeit ermöglichen, kann aus Erschöpfung wieder Energie werden und aus bloßem Funktionieren wieder echtes Engagement."

Konkret bedeutet dies für Unternehmen, dass sie ihre Anerkennungskultur überdenken und Mitarbeitern mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit einräumen müssen. Gleichzeitig wird es wichtiger denn je, klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu schaffen und zu kommunizieren.

Ausblick: Warnsignal für die Zukunft der Arbeit

Der Employee Mental Health Barometer von Instahelp liefert ein eindeutiges Warnsignal für die österreichische und deutsche Arbeitswelt. Die Verschiebung von engagement-getriebener zu burnout-getriebener Leistung ist nicht nur ein statistisches Phänomen, sondern ein Indikator für einen fundamentalen Wandel in der Art, wie wir arbeiten.

Unternehmen, die diese Entwicklung ignorieren, riskieren nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, sondern auch ihre langfristige Produktivität und Innovationsfähigkeit. Die Zeit für präventive Maßnahmen läuft ab – das Umsteuern wird mit jedem Jahr schwieriger.

Die Daten zeigen jedoch auch, dass Veränderungen möglich sind, wenn Unternehmen bereit sind, ihre Kultur und Führungspraktiken zu überdenken. Wertschätzung und Selbstwirksamkeit sind keine abstrakten Konzepte, sondern konkrete Stellschrauben, an denen Organisationen drehen können.

Es bleibt zu hoffen, dass die alarmierenden Befunde des Barometers als Weckruf dienen und zu nachhaltigen Veränderungen in der österreichischen Arbeitswelt führen. Die Alternative – eine Generation von funktionierenden, aber erschöpften Arbeitnehmern – ist weder für Unternehmen noch für die Gesellschaft tragbar.

Schlagworte

#Burnout#Arbeitsplatz#Gesundheit#Mental Health#Österreich#Stress#Mitarbeiter

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