Zurück
OTS-MeldungNaher Osten/Humanitäres Völkerrecht/Iran/Straße von Hormus/Auslandskatastrophenfonds/IKRK/Katastroph

Nahost-Konflikt: Straße von Hormus-Blockade bedroht Millionen

Österreichisches Rotes Kreuz warnt vor globalen Hungerkrisen

25. März 2026 um 11:51
Teilen:

Die Blockade der Straße von Hormus könnte 45 Millionen Menschen zusätzlich in den Hunger treiben. Österreich stellt 8,5 Millionen Euro Hilfe bereit.

Die Eskalation des Nahost-Konflikts hat weitreichende Folgen, die weit über die unmittelbaren Kriegsgebiete hinausgehen. Wie das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) warnt, bedroht die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus die Lebensmittelversorgung in den ärmsten Regionen der Welt. Laut Gerald Schöpfer, Präsident des ÖRK, könnten dadurch bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger bedroht sein.

Globale Auswirkungen der regionalen Krise

"Die steigenden Sprit- und Gaspreise sind für unzählige Menschen in Österreich eine massive Belastung. Viele wissen aber nicht, dass die Blockade und Angriffe an der Straße von Hormus auch drastische Folgen für die Lebensmittelversorgung in den ärmsten Regionen der Welt haben", erklärt Schöpfer die weitreichenden Konsequenzen des Konflikts.

Besonders dramatisch sind die Auswirkungen auf die Landwirtschaft in Ostafrika. Da Düngemittel nicht mehr geliefert werden können, drohen katastrophale Ernteausfälle. Zentrale Lieferwege von Dubai, einem der weltweit wichtigsten Drehkreuze für Hilfsgüter, sind blockiert, wodurch lebenswichtige Hilfslieferungen unterbrochen werden.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen bestätigt diese düsteren Prognosen: Sollte der Konflikt weiter andauern, könnte die Zahl der hungernden Menschen weltweit um 45 Millionen ansteigen.

Angriffe auf zivile Infrastruktur

Besonders besorgniserregend sind die gezielten Angriffe auf zivile Infrastruktur. "Entsalzungsanlagen werden gezielt angegriffen, Wasserinfrastruktur zerstört. Die Menschen haben Angst!", berichtet Schöpfer über die dramatische Lage vor Ort.

Ohne funktionsfähige Entsalzungsanlagen, die Meerwasser in Trinkwasser umwandeln, ist die Wasserversorgung ganzer Regionen bedroht. Nicht nur die Zivilbevölkerung leidet darunter – auch Krankenhäuser, Landwirtschaft und Industrie sind ohne ausreichend Wasser gefährdet.

"Humanitäre Organisationen wie das Rote Kreuz können kurzfristig mit Wasserlieferungen aushelfen, aber die langfristigen humanitären Folgen sind katastrophal!", warnt der ÖRK-Präsident vor den weitreichenden Konsequenzen.

Österreichische Unterstützung für Rotkreuz-Hilfe

Die österreichische Bundesregierung reagiert auf die Krise mit einer umfassenden Hilfsleistung. Insgesamt 8,5 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds werden für die Rotkreuz-Hilfe in den Krisenregionen bereitgestellt. Der Großteil der Mittel – 8 Millionen Euro – geht an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), weitere 500.000 Euro an die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC).

"Damit können unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort ihre lebensrettende Hilfe fortsetzen, sie kommt direkt bei den Menschen in Not an – vielen Dank!", zeigt sich Schöpfer erfreut über die österreichische Unterstützung.

Die Hilfe konzentriert sich auf die besonders betroffenen Regionen Libanon, Syrien, Gaza, Afghanistan und deren Nachbarländer sowie Sudan und angrenzende Gebiete.

Dramatische Lage in den Krisengebieten

Libanon: Über eine Million Menschen auf der Flucht

Im Libanon sind mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Das Libanesische Rote Kreuz leistet umfassende Hilfe mit Notunterkünften, Hilfsgütern und medizinischer Versorgung. Bisher wurden 645 Unterkünfte errichtet, in denen 134.000 Menschen untergebracht sind. 13.000 Freiwillige helfen dabei, Leben zu retten und weitere Notunterkünfte zu errichten.

Das ÖRK hat 15 als Notunterkünfte genutzte Schulen mit Mitteln aus dem Auslandskatastrophenfonds mit Reparaturen, Wasser und Sanitäranlagen unterstützt. Mit flexiblen ADA-Mitteln werden weitere Notunterkünfte versorgt.

Iran: Massive Zerstörung und Millionen Vertriebene

In Iran wurden seit Beginn des Konflikts mehr als 2.000 Menschen getötet, bis zu 3,2 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die Zerstörung ist verheerend: 82.000 zivile Einrichtungen wurden beschädigt oder zerstört, darunter 498 Schulen. 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Iranischen Roten Halbmondes sind täglich im Einsatz, um Verschüttete zu retten, Verletzte zu behandeln und Vertriebene zu versorgen.

Gaza: Kritische Versorgungslage

In Gaza gelangt über den einzigen geöffneten Grenzübergang nur ein Drittel der notwendigen Lkw mit Hilfsgütern ins Land. Treibstoff und Nahrungsmittel sind kaum verfügbar. Ein dramatisches Zeichen der Krise: Seit Beginn des Konflikts sind die Mehlpreise in Gaza um 270 Prozent gestiegen.

Der Palästinensische Rote Halbmond (PRCS) ist trotz schwieriger Zugangsbedingungen rund um die Uhr mit Rettungsdiensten im Einsatz, verteilt Hilfsgüter und betreut Binnenvertriebene in Notunterkünften. Das ÖRK hat für das Rotkreuz-Feldspital in Rafah eine Wasseraufbereitungsanlage für sauberes Trinkwasser bereitgestellt.

Syrien: Aufnahme von Flüchtlingen

In Syrien ist der Syrisch-Arabische Rote Halbmond vor allem in der Grenzregion tätig und versorgt Geflüchtete. Bisher sind 135.000 Menschen aus dem Libanon nach Syrien geflüchtet.

Regionaler Einsatz des Roten Kreuzes

Auch in allen anderen Ländern der Region – darunter Israel, Afghanistan und die Türkei – sind die Teams des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes im Einsatz. Ihre Aufgaben umfassen die Versorgung von Verletzten, psychosoziale Unterstützung, Betreuung von Geflüchteten, Hilfsgüterverteilung und Vorbereitungen auf Fluchtbewegungen.

Der Suchdienst des ÖRK hilft bei der Übermittlung von Nachrichten aus Österreich in die Region, um den Kontakt zwischen Familien herzustellen – ein wichtiger Dienst in Zeiten, in denen Familien durch den Krieg getrennt werden.

Völkerrechtliche Aspekte und Kriegsverbrechen

ÖRK-Präsident Schöpfer mahnt eindringlich zur Einhaltung des Humanitären Völkerrechts: "Entsalzungs- oder Stromanlagen sind zivile Infrastruktur, genau wie Krankenhäuser oder Schulen. Gezielte Angriffe darauf können Kriegsverbrechen darstellen!"

Er erinnert daran, dass nach dem Humanitären Völkerrecht Zivilbevölkerung, zivile Objekte und humanitäre Organisationen von allen Konfliktparteien zu schützen sind. Humanitäre Hilfe muss zugelassen und Hilfsgüterlieferungen müssen gewährleistet werden.

Das Österreichische Rote Kreuz hat eine Petition zur Einhaltung des Humanitären Völkerrechts gestartet, die online unterzeichnet werden kann.

Spendenaufruf für Nothilfe

Angesichts der dramatischen Lage bittet das Österreichische Rote Kreuz dringend um Spenden für die Nothilfe im Nahen Osten. Die Spenden können direkt auf das Konto des ÖRK (IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144) mit dem Kennwort "Naher Osten" überwiesen oder online unter wir.roteskreuz.at/naher-osten getätigt werden.

Ausblick und internationale Koordination

Die Krise im Nahen Osten zeigt exemplarisch, wie lokale Konflikte globale Auswirkungen haben können. Die Blockade wichtiger Handelsrouten bedroht nicht nur die regionale Stabilität, sondern gefährdet die Ernährungssicherheit in weit entfernten Gebieten der Welt.

Die internationale Gemeinschaft ist gefordert, sowohl die akuten humanitären Bedürfnisse zu decken als auch langfristige Lösungen für die zugrundeliegenden Konflikte zu finden. Die Arbeit des Roten Kreuzes und seiner Partnerorganisationen ist dabei ein wichtiger Baustein, kann aber politische Lösungen nicht ersetzen.

Für Österreich bedeutet die Krise nicht nur höhere Energie- und Lebensmittelpreise, sondern auch eine moralische Verpflichtung zur Unterstützung der betroffenen Menschen. Die Bereitstellung von 8,5 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds ist ein wichtiges Signal der Solidarität, doch die Herausforderungen sind so groß, dass eine koordinierte internationale Antwort erforderlich ist.

Schlagworte

#Nahost-Konflikt#Humanitäre Hilfe#Rotes Kreuz#Straße von Hormus#Hungersnot#Österreich#Gaza#Libanon#Iran

Weitere Meldungen

OTS
EU-Hauptausschuss

Iran-Krise überschattet EU-Gipfel: Österreich warnt vor Eskalation

18. März 2026
Lesen
OTS
Libanon

Caritas Österreich weitet Nothilfe im Libanon aus

6. März 2026
Lesen
OTS
Weltfrauentag

670 Millionen Frauen in Krisengebieten: Rotes Kreuz hilft

6. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen