Zurück
OTS-MeldungWien/Tierschutz/Fiaker/Unfälle/Pferde/Tiere/Tourismus und Freizeit/NGOs/Human Interest

VGT gedenkt verunfallter Fiakerpferde mit Mahnwache

Tierschützer fordern Altersgrenze nach Tod von 30-jährigem Pferd Tommy

25. März 2026 um 13:31
Teilen:

Nach tragischen Unfällen mit Fiakerpferden hielt der VGT eine Mahnwache am Stephansplatz ab. Die Aktivisten fordern strengere Regeln.

Am Stephansplatz herrschte am Mittwoch eine bedrückende Stimmung. Tierschutzaktivisten des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) hielten eine Mahnwache ab, um an die kürzlich verunfallten Fiakerpferde zu erinnern. Mit Fotos und Schildern positionierten sie sich gegenüber dem Fiakerstandplatz und gedachten der Tiere, die im Straßenverkehr zu Schaden kamen.

Tragische Unfälle erschüttern Wien

Die jüngsten Ereignisse haben die Debatte um Fiakerpferde in Wien erneut angeheizt. Vor zwei Wochen brach das 30-jährige Fiakerpferd "Tommy" auf offener Straße zusammen und musste noch an Ort und Stelle eingeschläfert werden. Der Vorfall ereignete sich in Wien-Simmering und schockierte nicht nur die Tierschützer, sondern auch viele Passanten, die Zeuge des tragischen Geschehens wurden.

Eine Woche später kam es zu einem weiteren bedenklichen Zwischenfall: Ein Fiakergespann verunfallte auf einer Schienenstraße. Besonders empörend für die Tierschützer war das Verhalten des Kutschers, der zunächst einfach auf der Kutsche sitzen blieb, anstatt dem Pferd sofort zu helfen.

Systematische Probleme im Fiakerwesen

Diese beiden Fälle verdeutlichen nach Ansicht des VGT fundamentale Probleme im Wiener Fiakerwesen. Der erste Fall zeigt auf drastische Weise, dass Pferde teilweise bis an ihr Lebensende im Dienst stehen und im Geschirr sterben, anstatt ihre letzten Jahre auf einer ruhigen Weide verbringen zu können. Der zweite Vorfall macht die alltäglichen Gefahren deutlich, denen die Tiere im dichten Stadtverkehr und besonders auf Schienenstraßen ausgesetzt sind.

Der VGT dokumentiert seit Jahren Fälle von Pferden, die im Straßenverkehr zusammenbrechen oder in Unfälle verwickelt werden. Diese Dokumentation soll die Häufigkeit solcher Vorfälle belegen und die Notwendigkeit von Reformen unterstreichen.

Forderungen nach strengeren Regeln

Georg Prinz, VGT-Fiaker-Campaigner, nutzte die Mahnwache, um konkrete Verbesserungen zu fordern: "Die beiden Fälle zeigen wieder deutlich, wieso der Fiakerbetrieb in der Stadt Wien Schritt für Schritt eingestellt werden sollte. Die heftigen Reaktionen der Bevölkerung zeigen auch, dass die Fiakerei immer weiter an Rückhalt in der Bevölkerung verliert und immer mehr Menschen sich ein Ende wünschen."

Altersgrenze als Sofortmaßnahme

Besonders kritisch sieht Prinz den Einsatz alter Pferde: "Es ist völlig unverständlich, wie ein 30-jähriges Pferd immer noch als Fiakerpferd eingesetzt werden darf. Eine Altersgrenze für Pferde, die für die Personenbeförderungen eingesetzt werden, hätte diese Tragödie verhindert."

Der VGT fordert als Sofortmaßnahme über die 1. Tierhaltungsverordnung eine Altersgrenze für Pferde, die in Kutschen eingesetzt werden. Zusätzlich sollen gründliche Untersuchungen des Gesundheitszustands der Tiere durchgeführt werden, anstatt nur oberflächliche Checks.

Öffentliche Anteilnahme wächst

Die Mahnwache stieß bei Passanten auf große Resonanz. Viele Touristen und Wiener blieben stehen, um ihre Betroffenheit und Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. Dies zeigt nach Ansicht der Tierschützer, dass sich die öffentliche Meinung zu Fiakerpferden wandelt und immer mehr Menschen kritisch hinterfragen, ob die traditionelle Kutschfahrt noch zeitgemäß ist.

Tourismus versus Tierschutz

Die Fiakerei ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Wiener Tourismus. Pferdekutschen gehören zum Stadtbild wie der Stephansdom oder das Riesenrad. Doch die zunehmenden Unfälle und das wachsende Bewusstsein für Tierschutz stellen diese Tradition in Frage.

Kritiker argumentieren, dass moderne Großstädte mit ihrem dichten Verkehr, Lärm und Stress kein geeigneter Arbeitsplatz für Pferde sind. Die Tiere müssten täglich zwischen Autos, Straßenbahnen und Bussen navigieren, was enormen Stress bedeute.

Diskussion um Zukunft der Fiaker

Die jüngsten Vorfälle heizen die seit Jahren schwelende Diskussion um die Zukunft der Wiener Fiaker wieder an. Während Tierschutzorganisationen ein schrittweises Ende der Pferdekutschen fordern, verteidigen Fiakerbetriebe ihre Tradition und betonen die artgerechte Haltung ihrer Tiere.

Die Stadt Wien steht vor der Herausforderung, zwischen Tourismus, Tradition und Tierschutz abzuwägen. Verschärfte Kontrollen und strengere Regeln könnten ein Kompromiss sein, doch für den VGT sind dies nur Zwischenschritte auf dem Weg zu einem kompletten Ausstieg.

Internationale Entwicklungen

Wien ist nicht die einzige Stadt, die mit dieser Problematik kämpft. In anderen europäischen Metropolen wurden bereits Reformen eingeführt oder Fiakerbetriebe ganz eingestellt. Diese Entwicklungen könnten auch Auswirkungen auf die Wiener Diskussion haben.

Die Mahnwache des VGT war ein weiterer Baustein in der Kampagne für besseren Schutz von Arbeitspferden. Mit ihrer emotionalen Wirkung und der großen Medienaufmerksamkeit könnte sie den Druck auf Politiker und Behörden erhöhen, endlich zu handeln und das Leiden der Pferde zu beenden.

Schlagworte

#Tierschutz#Fiaker#VGT#Wien#Pferde

Weitere Meldungen

OTS
Wien

Floridsdorf: Bezirksvertretung tagt am 15. April 2026 öffentlich

25. März 2026
Lesen
OTS
Wien

Wien: FPÖ kritisiert SPÖ wegen blockierter Energiepreis-Senkungen

25. März 2026
Lesen
OTS
Wien

FPÖ kritisiert SPÖ wegen blockierter Energiepreis-Senkungen

25. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen