VIER PFOTEN warnt vor Tierschutzproblemen bei steigendem Osterkonsum
250 Eier pro Kopf und Jahr: Der hohe Ei-Konsum in Österreich geht auf Kosten der Hühner. Besonders problematisch sind versteckte Eier in Backwaren.
Pünktlich zur Osterzeit steigt der Ei-Konsum in Österreich wieder deutlich an. Doch hinter dem Genuss verbergen sich massive Tierschutzprobleme, wie die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN aufzeigt. Mit durchschnittlich 250 Eiern pro Kopf und Jahr liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld des Ei-Konsums.
"Um den Hunger nach Eiern zu stillen, wurden Legehennen darauf gezüchtet, möglichst viele Eier zu legen", erklärt Veronika Weissenböck, Kampagnenleiterin bei VIER PFOTEN. Der Unterschied zur Natur ist dramatisch: Während wilde Hühner ursprünglich nur 20 bis 30 Eier pro Jahr legten, müssen moderne Legehybriden über 300 Eier jährlich produzieren.
Diese Hochleistungszucht hat schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Tiere. "Für die Körper der Tiere ist dieser Eierlegemarathon mit zahlreichen Problemen verbunden, die so schwerwiegend sind, dass die ausgelaugten Tiere in der Regel nach ein bis zwei Jahren geschlachtet werden – obwohl sie in der Natur bis zu 15 Jahre leben könnten", so Weissenböck weiter.
Ein besonders alarmierendes Problem sind Brustbeinfrakturen durch Osteoporose, die laut wissenschaftlichen Studien nahezu 100 Prozent der Legehennen betreffen. Die intensive Eiproduktion entzieht dem Körper der Tiere so viel Kalzium, dass ihre Knochen brüchig werden.
Ein weiteres ethisches Dilemma der Eierproduktion betrifft die männlichen Küken. Da diese weder Eier legen noch für die Mast geeignet sind – sie nehmen im Gegensatz zu speziellen Masthühnern viel zu wenig Gewicht zu – gelten sie als wertlos für die Nahrungsmittelproduktion.
In Österreich werden daher jährlich fast zehn Millionen Küken mittels Gas getötet und zu Tierfutter verarbeitet. Dieses Vorgehen ist zwar legal, wirft aber erhebliche ethische Fragen auf.
Besonders problematisch ist aus Sicht von VIER PFOTEN die fehlende Kennzeichnungspflicht bei verarbeiteten Produkten. Anders als bei Frischeiern, die deutlich mit Codes für die Haltungsform gekennzeichnet sind, erfahren Konsumenten bei Backwaren, Nudeln oder gefärbten Ostereiern nichts über die Herkunft der verwendeten Eier.
"In der industriellen Fertigung oder in der Gastronomie kommen oft Billigeier aus dem Ausland zum Einsatz", warnt Weissenböck. "Alleine in der EU werden noch immer fast 40 Prozent der Hühner in Käfigen gehalten, weltweit ist der Anteil noch viel höher." Die Wahrscheinlichkeit ist daher hoch, dass in Kuchen vom Bäcker oder der Eierspeise im Restaurant Eier aus Käfighaltung stecken, die in Österreich bereits seit Jahren verboten ist.
VIER PFOTEN fordert deshalb eine umfassende Kennzeichnungspflicht für alle eierhaltigen Produkte nach Haltungsform und Herkunft, wie sie beim Frischei bereits erfolgreich praktiziert wird.
Wer nicht auf Eier verzichten möchte, sollte laut VIER PFOTEN unbedingt auf die Haltungsform achten. Die beste Option ist die Biohaltung, erkennbar an der "0" auf dem Ei-Stempel. In dieser Haltungsform haben die Tiere den großzügigsten Auslauf und Platz im Stall zur Verfügung. Außerdem werden die männlichen Küken in der Biohaltung zumindest einige Wochen lang großgezogen, bevor sie geschlachtet werden.
Mehr als die Hälfte der österreichischen Legehennen wird jedoch in Bodenhaltung gehalten, erkennbar an der "2" auf dem Ei. Diese Haltungsform kritisiert VIER PFOTEN scharf: "Es dürfen bis zu neun Hennen pro Quadratmeter gehalten werden. Durch das Gedränge ausgelöster Stress ist eine häufige Todesursache für die Hühner."
Den Tieren fehlt es zudem an Beschäftigung, da es keinen Grünauslauf gibt. Natürliche Verhaltensweisen wie Futtersuche, Scharren und Picken können nur stark eingeschränkt ausgeübt werden.
VIER PFOTEN weist darauf hin, dass es für eine ausgewogene Ernährung keine tierischen Produkte braucht. "Auch ohne Ei und Fleisch kann man seinen Eiweißbedarf decken und auch Muskeln aufbauen", betont Weissenböck. "Gerade zu Ostern sollten wir uns also vor Augen halten, dass es Alternativen gibt, die ganz ohne Tierleid auskommen."
Als gute und preisgünstige Eiweißlieferanten nennt die Organisation Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh und Seitan. Diese Produkte können tierische Eiweiße vollständig ersetzen und ermöglichen eine gesunde Ernährung ohne Tierleid.
Für Verbraucher, die ihren Ei-Konsum zu Ostern überdenken möchten, gibt VIER PFOTEN folgende Empfehlungen:
VIER PFOTEN setzt sich seit Jahren für umfassende politische Reformen ein. Neben dem bereits erreichten Verbot der Käfighaltung in Österreich fordert die Organisation:
Die Osterzeit bietet eine gute Gelegenheit, das eigene Konsumverhalten zu überdenken. "Jeder Kauf ist eine Entscheidung für oder gegen Tierleid", fasst Weissenböck zusammen. "Mit bewussten Entscheidungen können Konsumenten einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz leisten."
Während die Industrie Eiweiß als Trendthema bewirbt und der Fleischkonsum in Österreich 2024 nach Jahren des Rückgangs wieder angestiegen ist, zeigt VIER PFOTEN Wege auf, wie eine eiweißreiche Ernährung auch ohne Tierleid möglich ist. Gerade zur Osterzeit, wenn der Ei-Konsum traditionell seinen Höhepunkt erreicht, sollten sich Verbraucher bewusst machen, welche Alternativen ihnen zur Verfügung stehen.