KHM bringt habsburgische Ägypten-Sammlung nach 143 Jahren zurück ins Schloss Miramare
60 wertvolle Exponate aus Wien ziehen von April bis November 2026 ins Schloss Miramare - eine kulturhistorische Sensation.
Nach 143 Jahren kehrt ein bedeutender Teil der ägyptischen Sammlung von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Habsburg an ihren ursprünglichen Ort zurück. Das Kunsthistorische Museum (KHM) in Wien leiht dem Schloss Miramare in Triest 60 einzigartige Exponate für eine spektakuläre Ausstellung, die vom 2. April bis 1. November 2026 zu sehen sein wird.
Die Ausstellung "Una Sfinge l'attrae. Massimiliano d'Asburgo e le collezioni egizie tra Trieste e Vienna" (Eine Sphinx zieht ihn magisch an: Maximilian von Habsburg und die ägyptischen Sammlungen zwischen Triest und Wien) markiert einen historischen Moment. Seit 1883, als die Sammlung aus Schloss Miramare nach Wien überführt wurde, befinden sich die Objekte in der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung des KHM.
Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, war ein leidenschaftlicher Sammler ägyptischer Artefakte. Seine Begeisterung für die alte ägyptische Kultur spiegelte den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts wider, als die Ägyptologie als Wissenschaft aufblühte und europäische Adelige begeisterte Sammler antiker Kunstwerke waren.
Die Kooperation zwischen dem Museo Storico e Il Parco del Castello di Miramare und dem Kunsthistorischen Museum geht weit über eine einfache Leihgabe hinaus. Jonathan Fine, Generaldirektor des KHM, betont die kulturpolitische Bedeutung des Projekts: "Die vorübergehende Rückkehr dieser Objekte nach Triest unterstreicht die außergewöhnliche internationale Geschichte der Maximilian-Sammlung und die tiefen kulturellen Bindungen zwischen Städten wie Wien und Triest."
In einer Zeit, in der europäische Zusammenarbeit besonders wichtig ist, demonstriert diese Ausstellung exemplarisch, wie Museen als Brücken zwischen Kulturen und Generationen fungieren können. Fine hebt hervor, dass Museen keine "statischen Aufbewahrungsorte" sind, sondern Teil eines lebendigen europäischen Kulturraums.
Die Präsentation in den ehemaligen Stallungen (Scuderie) des Schlosses Miramare konzentriert sich auf Maximilians Interesse für die Ägyptologie und deren Bedeutung im kulturellen und wissenschaftlichen Umfeld von Triest im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung zeichnet nach, wie der Erzherzog seine Sammlung aufbaute und welche Vision er von einem modernen Museum hatte.
Über hundert Exponate werden gezeigt, davon stammen 60 aus dem Kunsthistorischen Museum Wien. Weitere bedeutende Leihgaben kommen vom Civico Museo d'Antichità J.J. Winckelmann in Triest, wodurch eine umfassende Darstellung der ägyptischen Sammlungskultur in der Habsburgermonarchie ermöglicht wird.
Die Ausstellung ist ein zentraler Baustein des umfassenden Italien-Schwerpunkts des KHM im Jahr 2026. Damit unterstreicht das Wiener Museum die internationale Ausstrahlung seiner Bestände und die historischen Verbindungen zwischen Österreich und Italien.
Das Kooperationsprojekt wird von mehreren Partnern realisiert: MondoMostre und CoopCulture arbeiten mit der Stadt Triest und PromoTurismoFVG zusammen. Wissenschaftliche Unterstützung kommt vom renommierten Ägyptischen Museum in Turin, was die internationale Dimension des Projekts unterstreicht.
Maximilians Sammelleidenschaft war Teil eines größeren kulturellen Phänomens. Die Ägyptomanie des 19. Jahrhunderts, ausgelöst durch Napoleons Ägypten-Feldzug und die Entzifferung der Hieroglyphen durch Jean-François Champollion, erfasste ganz Europa. Adelige und Bürgertum wetteiferten um antike Kunstwerke und Artefakte.
Triest spielte dabei eine besondere Rolle als Hafenstadt der Donaumonarchie. Durch den direkten Zugang zum Mittelmeer war die Stadt ein wichtiger Umschlagplatz für Antiquitäten und archäologische Funde aus dem Nahen Osten und Ägypten.
Die Ausstellung zeigt auch, wie kultureller Austausch funktionieren kann. Anstatt Sammlungen statisch zu verwalten, ermöglicht die Kooperation zwischen Wien und Triest neue Perspektiven auf historische Bestände. Die Objekte erhalten in ihrem ursprünglichen Kontext eine andere Bedeutung und erzählen neue Geschichten.
Für Besucher bietet sich die einmalige Gelegenheit, die Sammlung in den historischen Räumen von Schloss Miramare zu erleben. Die ehemaligen Stallungen wurden eigens für die Ausstellung adaptiert und bieten einen würdigen Rahmen für die kostbaren Exponate.
Die Ausstellung ist vom 2. April bis 1. November 2026 in den Scuderie del Castello di Miramare zu sehen. Online-Tickets können bereits über die Website von CoopCulture erworben werden. Für österreichische Kulturinteressierte bietet sich die Möglichkeit, die Ausstellung mit einem Besuch der wunderschönen Hafenstadt Triest zu verbinden.
Das Schloss Miramare selbst, erbaut von Erzherzog Maximilian als Residenz, ist bereits einen Besuch wert. Die Kombination aus der historischen Architektur, dem spektakulären Blick auf die Adria und nun der ägyptischen Sammlung macht Triest 2026 zu einem besonderen kulturellen Ziel.
Diese Ausstellung könnte Modellcharakter für zukünftige internationale Museumsprojekte haben. Sie zeigt, wie historische Sammlungen durch grenzüberschreitende Kooperationen neue Relevanz gewinnen können und wie kulturelles Erbe als verbindendes Element in Europa funktioniert.
Das Projekt verdeutlicht auch die Bedeutung von Provenienzforschung und der Rückführung von Sammlungen an ihre ursprünglichen Standorte - nicht als permanente Restitution, sondern als kultureller Dialog und gemeinsame Erinnerungsarbeit.