Umweltschutzorganisation fordert verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung
Greenpeace schließt sich dem Bauernprotest gegen das EU-Mercosur-Handelsabkommen an und fordert transparente Kennzeichnung für Lebensmittel.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich den Protesten österreichischer Landwirte gegen das EU-Mercosur-Handelsabkommen angeschlossen. Kurz vor dem Inkrafttreten der vorläufigen Anwendung des umstrittenen Handelspakts unterstützt Greenpeace zentrale Forderungen des Bauernprotests, der heute in Wien stattfand.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die mangelnde Transparenz bei Lebensmitteln. Greenpeace fordert von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig eine lückenlose Herkunftskennzeichnung - sowohl im Handel als auch in der Gastronomie. Diese Maßnahme soll es Verbrauchern ermöglichen, sich bewusst gegen minderwertige Agrarimporte zu entscheiden, die auf Kosten von Klima und Tierwohl produziert werden.
"Es darf keine Freihandels-Deals auf Kosten der Bauernschaft geben, vielmehr brauchen wir faire Rahmenbedingungen wie eine klare Kennzeichnung", erklärt Ursula Bittner, Wirtschaftsexpertin bei Greenpeace Österreich. Die Organisation setzt sich dafür ein, dass die heimische Qualität besser sichtbar und damit wettbewerbsfähiger wird.
Neben der Herkunftskennzeichnung fordert Greenpeace auch eine verpflichtende Kennzeichnung der Tierhaltungsbedingungen direkt am Produkt. Diese Maßnahme würde Verbrauchern vollumfängliche Transparenz über die Produktionsbedingungen ihrer Lebensmittel bieten und eine bewusste Kaufentscheidung ermöglichen.
Die Forderung nach einer Tierhaltungskennzeichnung ist nicht neu, wurde aber durch die Debatte um das EU-Mercosur-Abkommen wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Viele Konsumenten wünschen sich mehr Informationen über die Bedingungen, unter denen Fleisch und andere tierische Produkte erzeugt werden.
Die Umweltschutzorganisation kritisiert die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen heimischen Landwirten und Produzenten aus Mercosur-Staaten. "Jedenfalls ist es unfair, von den heimischen Bäuerinnen und Bauern hohe Standards zu verlangen und gleichzeitig das Tor für Billig-Fleisch aus Übersee zu öffnen", so Bittner weiter.
Diese Kritik zielt auf ein zentrales Problem des geplanten Handelsabkommens ab: Während österreichische und europäische Landwirte strenge Umwelt-, Tier- und Sozialstandards einhalten müssen, gelten für Importe aus den Mercosur-Ländern oft weniger strikte Regelungen.
Das EU-Mercosur-Handelsabkommen ist eines der größten Freihandelsabkommen, das die Europäische Union je ausgehandelt hat. Es umfasst die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sowie die 27 EU-Mitgliedstaaten und betrifft einen Markt von über 780 Millionen Menschen.
Das Abkommen sieht unter anderem den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen vor. Kritiker befürchten jedoch negative Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft, den Klimaschutz und die Menschenrechte. Besonders umstritten sind geplante Fleischimporte aus Südamerika, die zu Lasten des Regenwaldes und mit niedrigeren Standards produziert werden könnten.
Aus Sicht von Greenpeace birgt das EU-Mercosur-Abkommen erhebliche Risiken für den Umwelt- und Klimaschutz. Die Organisation befürchtet, dass verstärkte Agrarimporte aus Südamerika die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes weiter vorantreiben könnten. Zudem würden die langen Transportwege zu zusätzlichen CO2-Emissionen führen.
"Damit können wir die Standards für eine nachhaltige Landwirtschaft hochhalten, um unser Wasser sowie unsere Böden zu schützen und fairen Wettbewerb zu schaffen", betont Bittner die Bedeutung einheitlicher Standards und transparenter Kennzeichnung.
Greenpeace richtet ihre Forderungen direkt an Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Die Umweltschutzorganisation fordert ihn auf, sich entschieden gegen EU-Mercosur zu stellen und die Herkunfts- und Haltungskennzeichnung umgehend umzusetzen.
Der Minister steht unter Druck verschiedener Interessensgruppen: Während die Landwirtschaft und Umweltorganisationen das Abkommen kritisch sehen, gibt es auch Stimmen aus der Wirtschaft, die sich von dem Handelsabkommen neue Exportchancen erhoffen.
Mit ihrer Unterstützung für den Bauernprotest signalisiert Greenpeace, dass Umweltschutz und die Unterstützung heimischer Landwirtschaft durchaus vereinbar sind. Die Organisation setzt sich für eine "krisenfeste" Landwirtschaft ein, die sowohl ökologischen als auch ökonomischen Anforderungen gerecht wird.
Die Forderung nach Transparenz durch Kennzeichnung könnte dabei ein wichtiger Baustein sein, um nachhaltigen Produkten einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und Verbrauchern eine bewusste Entscheidung zu ermöglichen.
Die Debatte um das EU-Mercosur-Abkommen wird voraussichtlich in den kommenden Monaten weiter an Intensität gewinnen. Neben Österreich haben auch andere EU-Mitgliedstaaten Bedenken gegen das Abkommen geäußert. Frankreich, die Niederlande und Polen haben bereits angekündigt, das Abkommen in seiner jetzigen Form nicht zu unterstützen.
Für die Umsetzung der von Greenpeace geforderten Kennzeichnungsregelungen wären sowohl nationale als auch EU-weite Gesetzesänderungen erforderlich. Die Organisation hofft, durch die Unterstützung der Bauernproteste zusätzlichen politischen Druck aufzubauen.
Die Allianz zwischen Umweltschutzorganisationen und Landwirten zeigt, dass die Kritik am EU-Mercosur-Abkommen über verschiedene gesellschaftliche Gruppen hinweg geteilt wird und könnte die politische Diskussion über das umstrittene Handelsabkommen weiter befeuern.